Sei bereit für Red Bull X-Alps 2013

Nächsten Monat findet das härteste Abenteuerrennen der Welt statt. Wir sprachen mit Hugh Miller.
Von Hugh Miller

Hey du, ja genau du. Ich geb dir ein faltbares Fluggerät und ein paar Schuhe und setz dich im Zentrum von Salzburg ab. Dann bekommst du noch zwei Wochen Zeit, um die gesamte Länge der europäischen Alpen zu überqueren und dann sehen wir uns am Strand in Monaco, OK?

Das hört sich völlig verrückt an, ich weiß. Aber alle zwei Jahre versuchen ein paar Athleten genau das, was nun bei vielen als das härteste Abenteuerrennen der Welt bekannt ist: Red Bull X-Alps, das am 7. Juli, also genau in einem Monat startet.

Das Rennen verbindet den ältesten Traum der Menschheit – wie ein Vogel zu fliegen – mit einem unserer ursprünglichsten Instinkte: zu rennen und einfach weiter zu rennen, komme was da wolle.

Die Taktik macht noch das gewisse Etwas aus. Es gibt nichts Frustrierenderes, als wegen einer falsch eingeschätzten Vorhersage deinen Rivalen über dich hinwegsurren zu sehen, während du dich im Schweiße deines Angesichtes zu Fuß abquälst.

Martin Romero kämpft mit harten Wetterbedingungen Konditionen
Martin Romero kämpft mit harten Bedingungen © Vitek Ludvik/Red Bull Content Pool

Die Geschichte begann 2003, als eine Handvoll Athleten sich auf dem schneebedeckten Gipfel von Dachstein in Österreich einfand. „Wir wollten ein völlig reines Rennen erschaffen“, sagt Hannes Arch, der Kopf hinter diesem Event. „Überquere die Alpen mit deinem Glider, zu Fuß oder fliegend und ohne Hilfe. Ganz einfach.“

Mit der Zeit wurde es zum „ultimativen Spiel“, wie der Langzeit-Teilnehmer Honza Rejmanek bemerkt. 2013 müssen die Athleten weltklasse Gleitschirmflug-Fähigkeiten vorweisen, und ein Level an Fitness, das mit dem Iron Mann zu vergleichen ist, um bei den Red Bull X-Alps mitzumachen. Manche Athleten schaffen 100 km zu Fuß am Tag, während andere die doppelte Distanz fliegend zurücklegen.

Jeder Teilnehmer ist mit einem Live Tracking GPS ausgerüstet, der es hunderttausenden von Fans erlaubt, das Rennen zu verfolgen. In den letzten Jahren war es der 31-jährige Christian Maurer, den es zu schlagen galt. Und wir haben ihn von Gipfel zu Gipfel gleiten sehen, als wäre er zum Fliegen geboren worden. Er lässt es so unglaublich einfach aussehen.

Einer meiner Lieblingsmomente war, ihn auf einem steinigen Südhang hinter dem Matterhorn, an seinen Freund und Bergführer Thomas Theurillat angeseilt zu sehen, bevor er wie ein Adler mit den morgendlichen thermischen Aufwinden am Horizont verschwand. Ein anderer war, wie er durch die Luft der Dolomiten gesurft ist, die kantigen, scharfen Sandstein- Felsen im krassen Kontrast zu seinem hauchdünnen Gleitschirm.

Die diesjährige Route nach Monaco ist mit ihren 1.031 km die bisher längste Strecke, und zwingt die Athleten an dem höchsten deutschen Berg, der Zugspitze, dem Matterhorn in der Schweiz und dem französischen Mt Blanc und somit an Europas höchstem Gipfel vorbei. Es ist eine Sache, das Rennen online zu verfolgen, aber eine ganz andere in einem der Täler der Alpen zu stehen, an den zerklüfteten, unwirtlichen Felsen hinaufzublicken und sich zu fragen, wie um alles in der Welt es die Athleten schaffen, da zurecht zu kommen und noch dazu in so kurzer Zeit!

Vielleicht kann der Erfinder das ganze Konzept am besten in Worte fassen: „Unsere Gleitschirme sind das einfachste Mittel gewesen, wie wir nach einem strengen Aufstieg wieder herunterkamen.“

Paul Guschlbauer bereitet sich auf die Red Bull X-Alps 2013 vor
Paul Guschlbauer vor den Red Bull X-Alps © Harald Tauderer/Red Bull Content Pool

„Heute ist die Ausrüstung schon so gut weiterentwickelt, dass der Red Bull X-Alps der perfekte Test ist, wie weit genau wir sie – und auch uns – strapazieren können.“

Und als Gleitschirmflieger kann ich dem nur zustimmen. Wir alle werden im Juli zu Red Bull X-Alps Junkies, und beobachten und kommentieren jede Entscheidung und jede Bewegung. Was es zur Sucht werden lässt, sind nicht nur die Taktik und die Flugfertigkeiten, sondern vor allem der pure Respekt für die Männer, die so Unglaubliches leisten, und jeden Tag so viele sagenhafte Kilometer zurücklegen. Wenn man den Athlet an der Spitze dabei beobachtet, wie er sich durch das Terrain schlägt, erinnert einen das Gefühl manchmal an einen entkommen Sträfling mit einer Bande Entflohener im Schlepptau.

Verpass also auch du den Spaß nicht. Das Rennen startet am 7. Juli und dank der Live Tracking-Systeme kannst du die Action live auf www.redbullxalps.com verfolgen.

Hugh Miller ist der Herausgeber von mehreren Cross Country und Paramotor Magazinen. Er wird das Rennen verfolgen und das fesselnde Drama in Form eines Blogs auf der Red Bull X-Alps Website kommentieren.

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