Ich wusste, ich würde leben, sagt Valery Rozov

Wir sprechen mit dem legendären Russen über seinen erfolgreichen monumentalen Sprung vom Everest.
Von Josh Sampiero

Valery Rozov sprang vielleicht nicht fast aus dem Weltall wie Felix Baumgartner – doch sein Base-Jump vom Mount Everest war genauso gigantisch. Und Baumgartner brauchte sich keine Sorgen darüber zu machen, direkt nach dem Absprung auf Felsen aufzuprallen...

Bei meiner Landung war ich so müde. Mir war übel. Mir war gar nicht richtig klar, was geschehen war oder was ich getan hatte, bis wir zurück ins Base Camp kamen. Dort begann ich, mich zu entspannen. Dann wurde mir erst alles bewusst.

Das Schwierigste ist, einen Entschluss zu fassen. Springen oder nicht springen? Eignet sich die Luft zum Springen? Ist es sicher? Die Entscheidung ist eindeutig der schwierigste Schritt.

Mein Training war wirklich hart. Du musst da oben ankommen und immer noch fit genug für den Sprung sein. Das bedeutet viel körperliche Arbeit. Auch technisch habe ich mich gut vorbereitet– wegen der kurzen Fallhöhe und der dünnen Luft. Der Sprung ist sehr technisch. Er ist so kurz, dass man schnell an Geschwindigkeit gewinnen muss.
 

Valery Rozov mit den Gebetsfahnen im Bild
Rozov vor dem Sprung © Denis Klero/Red Bull Content Pool

Wir haben einen neuen Anzug entwickelt. Ich wollte in dieser dünnen Luft einen so flachen Sprung wie möglich machen. Es geht alles so schnell, die Luft muss deinen Körper tragen und du musst rasch beschleunigen. Wir haben also meinen High-End-Suit, den ich normalerweise trage, dementsprechend verändert. Ich brauchte drei oder vier Sekunden, um die Geschwindigkeit zu erreichen, die ich zum Fliegen benötigte. In dem Moment wusste ich, dass ich leben würde.

Ich suche nach solchen Plätzen. Den nächsten neuen Spot zu finden ist eine größere Herausforderung als der höchste Berg. Schon als Kind war ich ein Bergsteiger. Bergsteigen ist immer noch meine Leidenschaft. Ich will immer Neues ausprobieren.

Die eigentliche Spitze des Everest ist ziemlich flach und daher kann man von dort nicht abspringen. Man müsste eine Rampe oder so etwas bauen. Wir machten den Sprung von der Nordwand des Everest. Ich habe mit Sicherheit einen neuen Standard für Base-Jumper gesetzt.

Valery Rozov erschöpft nach seinem Sprung
Valery Rozov nach seinem Sprung © Denis Klero/Red Bull Content Pool

Klar habe ich Sauerstoff verwendet. Es war keine Bergsteigerexpedition. Vor dem Sprung haben wir eine kurze Zeit Sauerstoff verwendet. Die Sicherheit war wichtig für mich – und vor allem mussten wir uns beeilen, um das Wetter auszunutzen, und wir hatten uns noch nicht vollständig akklimatisiert.

Bergsteiger mögen keinen Wind. Wind ist für mich auch nicht gut. Ich mag Wind überhaupt nicht!

Es ist immer schön, die Familie und die Kinder wiederzusehen. Das ist das Schönste an der Rückkehr nach Hause. Und was steht nun an? Sommer in den Alpen. Und ich habe auch schon einige Ideen für das nächste Jahr.

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