Allein im Pazifik: Eine Frau auf Solo-Abenteuer

Wir treffen Sarah Outen, die die Welt allein mit menschlichem Antrieb umrunden will.
Navigation - die Hälfte der Herausforderung. © Mit freundlicher Genehmigung von Sarah Outen
Von Tarquin Cooper

 

Wie ist der Pazifik – friedlich?
Es gibt friedliche Momente, aber ich werde definitiv von der gesamten Palette an Wetter und Meereskonditionen herausgefordert. Ich habe schon ein paar 40-Knoten Hagelstürme erlebt, bin dreimal gekentert und hatte jede Menge Wind aus der falschen Richtung. Ich habe so ziemlich den gesamten Juni damit verbracht, im Kreis zu fahren. Aber ich bin glücklich und komme voran.

 

Dein Ziel?
Ich will den Planeten von London nach London umrunden, allein aus menschlicher Kraft. Unterwegs will ich Dinge erleben, Geschichten teilen und Geld für vier große gemeinnützige Organisationen sammeln.

Denkst du immer noch, dass das alles eine gute Idee ist?
Auf jeden Fall. Obwohl die Tatsache, dass ich mich beim meinem letzten neunmonatigen Aufenthalt zu Hause verliebt habe, meine Einstellung zum Leben und zu großen Expeditionen doch ziemlich verändert hat. Ich vermisse meine Freundin sehr und kann es nicht erwarten, sie wiederzusehen. An harten Tagen ist es hier draußen richtig hart, und an solchen Tagen bekommt mein Selbstbewusstsein leicht einen Knacks – aber wenn ich alles in Perspektive bringe und mit dem richtigen Humor betrachte, dann kann ich wieder weitermachen. Ich habe ein solches Glück, für einen zweiten Versuch hier draußen im Pazifik sein zu können.

Sarah Outen trainiert vor der großen Reise © Mit freundlicher Genehmigung von Sarah Outen

Bist du noch immer von dem letzten Sturm durcheinander, der im letzten Jahr deine Reise beendete?
In dem Sturm, der im letzten Jahr meine Ruder-Tour beendete, bin ich mehr als 20 Mal gekentert, und musste fast zwei Tage auf Rettung warten – das macht einem schon ziemliche Angst. Ich habe fünf Monate gebraucht, um das Trauma und die damit verbundenen psychologischen Folgen zu überwinden. Bei rauem Wetter, wenn ich in meiner Koje angebunden bin, dann fühle ich mich manchmal so wie beim letztjährigen letzten Sturm, aber ich habe ein paar gute Techniken gelernt, mit denen ich meine Reaktionen in den Griff bekomme. Dieses Jahr sind wir schon dreimal gekentert, und jedes Mal war es ziemlich beängstigend. Aber das wird es immer sein – es ist halt nicht sehr lustig, wenn dein Boot Tausende von Meilen draußen in der See umkippt, und du ganz alleine bist.

Bist du mutig, verrückt, oder hast du eher ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis?
Ich bin stur und entschlossen, das, was ich vorhabe, auch zu beenden.

Was ist deine Motivation?
Ich liebe Abenteuer. Ich liebe es, aus eigener Kraft voranzukommen, die Einsichten, die man daraus gewinnt, und die hautnahen Begegnungen mit Wildtieren. Bei der Planung meiner Reise hatte ich all das im Kopf, und wollte diese Erfahrung mit anderen teilen können. Aber im tiefsten Inneren ist meine Motivation, dass ich all dies hier liebe. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich meinen Traum leben darf.

Sarah Outen verlässt Japan © Mit freundlicher Genehmigung von Sarah Outen

Was wirst du als nächstes essen?
Ich rudere im Augenblick nicht gegen Wind oder Strömungen an – ich kann nicht gegen sie ankommen, deswegen muss ich abwarten, bis das Wetter mal eine Pause macht. Deswegen versuche ich, nicht so viel zu essen, um meine Kalorien für den Moment zu sparen, wenn ich wieder anfange, zu rudern. Meine “Kabinen-Diät” der letzten Tage bestand aus Samen, Schokolade und Linsensprossen.

Was sagst du zu dir selbst, wenn du ins Bett gehst?
Ich versuche immer, mir die guten Dinge des Tages ins Gedächtnis zu rufen, um alles in die richtige Perspektive und hoffentlich in einen positiven Kontext zu bringen.

Wart mal – du hast wahrscheinlich gar kein Bett, oder?
Haha! Meine Matratze ist nicht breiter als meine Schultern und meine Zehen hängen am Ende über. Ein echtes Bett mit frischen Leinen wäre allerdings sooo schön...

Wann hast du vor, zu landen?
Wenn das Glück mir hold ist, dann hoffe ich, zwischen Ende Oktober und Ende November anzukommen. Aber es gibt keine Garantien – ein Tag nach dem anderen.

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