Red Bull Elements: Kilian Jornet macht sich bereit

Das Red Bull Elements steht an, und ein ganz besonderer Athlet nimmt teil – Kilian Jornet.
Kilians schmaler Körper ist perfekt für die Berge. © zooom.at/Markus Berger
Von Robbie Lawless

Wenn Kilian Jornet an diesem Wochenende beim Red Bull Elements an der Startlinie steht, tut er das im Wissen darum, dass er ohne Zweifel einer der vollkommensten Berg-Athleten der Welt ist. In diesem Sommer hat er mit seinen Rekorden für die schnellsten Besteigungen des Mont Blanc und des Matterhorns alle aus den Socken gehauen.

Ja, das gehört zur Strecke des Red Bull Elements. © Dom Daher/Red Bull Content Pool

In seinen Trail-Schuhen verschiebt er nicht nur Grenzen, nein, er überspringt sie und lässt sie weit hinter sich im Staub zurück. Aber lasst uns eins klarstellen: Das hier geht weit über Trailrunning hinaus. Sehr, sehr weit…

„Eins sollte man anmerken: Nur weil man Trail-Laufschuhe trägt, ist es nicht automatisch Trailrunning“, betont Kilian. „Es ist Alpinismus. Und es ist und bleibt gefährlich.“. Jupp, das ist ganz sicher Alpinismus. Doch es ist eine weiterentwickelte Form des ultraschnellen, ultraleichten Alpinismus – eine Art Über-Alpinismus mit minimaler Ausstattung – und mit dem 25-jährigen Katalanen am Steuer.

Kilian Jornet nach Transvulcania 2012 © zooom.at/Markus Berger

Betrachten wir Kilians Heldentaten auf dem Mont Blanc und dem Matterhorn: Zwei Berge mit Kultstatus – einer ist der höchste Berg Europas und der andere das Vorzeigekind der alpinen Gipfel – und beide sind große Herausforderungen und gefährliche Kletterpartien. Dass Kilian innerhalb von sechs Wochen beide Gipfel in Rekordzeiten bestieg, ist eigentlich schon herausragend genug. Dass er dies inmitten eines eh schon hektischen Rennkalenders vollbrachte, macht es zu einem fast mythischen Unterfangen. Und er hat im Rahmen seines „Summits of my Life“-Projekts noch weitere Aufstiege geplant.

Beim Vergleich der beiden Rekorde erzählt Kilian Redbull.com/adventure: „Der Mont Blanc war körperlicher. Er ist nicht so technisch, aber aufgrund des Gletschers, des Schnees und der Höhe von 5.000 Metern dennoch gefährlich.“

Hauptsache schnell. © zooom.at/Markus Berger

Der Grad des Technischen ist subjektiv, aber Zeit bleibt Zeit. Er stoppte die Uhr – Chamonix-Mont Blanc-Chamonix – nach 4 Stunden und 57 Minuten. Damit unterbot er den Rekord, der 23 Jahre Bestand hatte, um 14 Minuten. Eine beeindruckende Leistung. Dann wandte er sich seinem geliebten Matterhorn zu und, genauer gesagt, Bruno Brunods „unmöglichem Rekord“.

Brunods Geschwindigkeitsrekord auf dem Matterhorn liefert den Stoff, aus dem Legenden sind. Er vollbrachte den Aufstieg 1995 in einer Zeit von 3:14:44 – ein Rekord, den viele schlichtweg für unschlagbar hielten. Kilian wusste, dass es absoluter Konzentration und totaler Hingabe zum großen Gipfel bedurfte, um die Zeit unterbieten zu können: „Ich versuchte drei Wochen, vor Ort die Verhältnisse auszuloten“, erinnert er sich, „und nahm mir Zeit, den Berg zu verstehen.“

Kilian Jornet vom Team Kilians Choice beim Atomic Waymaker in Dachstein, Österreich am 7. April 2013
Kilian ist auch Weltmeister im Ski-Bergsteigen. © Armin Walcher / Atomic / Red Bull Content Pool

Und es ist genau dieses Verständnis, das durch viele Stunden auf der Strecke wuchs, das ihm am Rekord-Tag ermöglichte, die Leistung zu liefern. „Ich fühlte mich wirklich gut“, sagt er. „Es war angenehm und es ist das, was ich am meisten liebe – körperlich technisch und psychologisch.“

Er fügt hinzu: „Es war technisch nicht schwierig, aber vollkommen ungeschützt!“ Ungeschützt und gefährlich – sieht man Kilian dabei zu, wie er den Berg hinunterläuft, eine Hand mit Handschuh am Sicherheitsseil als einziger Schutz vor einem tödlichen Sturz, liefert dies eine realistische Sicht auf die Dinge. Er läuft im absoluten Grenzbereich.

Als Kilian das Dorf erreichte, lag er bereits 22 Minuten unter dem „unmöglichen“ Rekord.

Kilian Jornet läuft beim Red Bull Elements in Talloires, Frankreich am 15. September 2012
Blick der Entschlossenheit - und Schnelligkeit. © Dom Daher/Red Bull Content Pool

Kilian, der in einer Berghütte in den katalanischen Pyrenäen geboren wurde, besitzt genug Demut und das Wissen, dass die Berge die wahren Herrscher sind. Dies wurde letztes Wochenende noch einmal deutlich: Er und die Trailrunning-Meisterin Emelie Forsberg mussten gerettet werden, als sie beim Besteigen des Frendo-Pfeilers an der Aiguille du Midi von einem Wetterumschwung überrascht wurden. Die Rettung zeigte auch noch etwas Anderes: Nicht jeder heißt Killians ultraleichten Ansatz gut.

Einige Bergführer sind wütend, dass Kilians Eskapaden Menschen inspirieren, mit schlechter Ausrüstung die Berge zu besteigen – doch es ist ein Trend, von dem Kilian selbst unbedingt abrät. „Die Gefahren sind die gleichen wie beim Bergsteigen, und man muss vorsichtig sein“, sagt er. „Wenn wir versagen, müssen wir vielleicht einen hohen Preis zahlen, vor allem, wenn man mit wenig Ausrüstung unterwegs ist.“

Doch all das ist an der Startlinie des Red Bull Elements hoffentlich schon fast vergessen. „Es macht immer Spaß und ist immer eine tolle Party“, sagt Kilian.

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