Gatta greift nach dem Great Himalaya Trail-Rekord

Der Franzose Philippe Gatta attackiert den Wanderweg im Hochgebirge – und hofft auf eine Rekordzeit.
Im großen Himalaya-Gebirge gibt es viel zu sehen. © Khan Tengri/©Philippe Gatta
Von Andy Pag

Der Ultratrailrunner Philippe Gatta startet in Kürze für eine mörderische, rekordverdächtige 40-Tage-Überquerung des nepalesischen Himalaya-Gebirges – auf der hoch oben gelegenen Route des Great Himalaya Trail (GHT). Der 45-jährige Franzose wird 1700 Kilometer in Richtung Osten laufen und dabei einen Höhenunterschied von 90 Kilometern bewältigen.

Informationsgraphik, von Berghaus

Es gibt Ultratrailrunner, die die niedriger gelegene GHT-Route gelaufen sind, doch bisher schaffte niemand die gesamte höher gelegene GHT-Route an einem Stück, da das wetterbedingte Zeitfenster zwischen dem Ende der Monsunregen im September und den kalten Winden im November sehr eng ist. In der Regel brauchen Trekker für die Strecke 20 Wochen, aufgeteilt auf unterschiedliche Jahreszeiten. Sie erfordert technische Bergsteige- und Gletschererfahrung und ein in Dauerläufen gestärktes Durchhaltevermögen. 

Im wäldlichen Abschnitt im Osten ist es schwer, den Wegen zu folgen, und Gatta wird den vorgesehenen Trail verlassen müssen. Ein bekannter Ausdauerläufer verlief sich dort und wurde drei Tage vermisst. Ein anderer stürzte zwei Mal und brach sich beide Male einen Arm, bevor er gerettet wurde. In Dolpa muss Gatta es mit einer Distanz von 330 Kilometern aufnehmen, die so weit von der Zivilisation abgelegen ist, dass er für sieben Tage ganz auf sich allein gestellt sein wird.

Auf dem Weg zum Kangchenjunga Basislager. © Philippe Gatta

Gatta setzt auf seine Erfahrung sowohl als erfahrener Ultratrailrunner als auch als Bergsteiger. Im Alter von 17 Jahren, als es den Begriff 'Trailrunning' noch gar nicht gab, lief er zu Kletterwänden in der Umgebung seiner Heimatstadt Nizza und in den Alpen. Seine Leidenschaft für das Klettern schloss bald auch das Bergsteigen ein. Als er 20 war, eroberte er den Mont Blanc und bestieg danach die anderen ‘Seven Summits‘.

Dieses Jahr lief er durchschnittlich 400 Kilometer pro Monat, gewann das 171 km Winter Spine Challenge in Großbritannien und bewältigte erst vor kurzem den 161 km Ultra Trail Mount Fuji in weniger als 30 Stunden. 2011 und 2012 bestieg der den Gipfel des dritthöchsten Berges der Welt, lief 250 km durch die Atacama-Wüste, wurde Sechster im Sahara Race, Dritter beim Gobi March und machte einen schnellen Aufstieg auf den 7010 m-Gipfel des Khan Tengri.

Der 8586 Meter hohe Gipfel des Kangchenjunga. © Philippe Gatta

„Ich bin jahrelang immer nur Strecken von 10 oder 20 Kilometern gelaufen, bevor ich mit den Langstrecken begann”, sagt Gatta im Wissen darum, dass eine Verletzung im Himalayagebirge das Ende seines Abenteuers bedeuten könnte. „Deine Muskeln können schnell wachsen, aber um stärkere Sehnen und Bänder zu bekommen, bedarf es eines langsamen, progressiven Trainings.“

„Es ist heute nicht mehr so außergewöhnlich, einen Marathon zu laufen, wie vor fünfzehn Jahren. Die neuen Läufer sind ehrgeiziger und wollen weiter rennen, aber man sieht so einige, die ein Ultratrail-Rennen beenden und am Ziel so kaputt sind, dass ihre Beine gar nicht mehr mitmachen. Für mich muss Laufen immer Spaß machen. Ich höre immer auf meinen Körper und reagiere auf seine Bedürfnisse, auch wenn ich deshalb eventuell meinen Trainingsplan ignorieren muss.

Geschwindigkeits-und Höhentraining - Mont Blanc. © Anna Gatta

In einigen Abschnitten des GHT wird ihn seine Laufpartnerin und Ehefrau, Anna, begleiten, die mit ihm auch in der Atacama-Wüste am Rennen teilnahm. „Es ist wunderbar, die Erfahrung mit jemandem teilen zu können.” Das Paar lernte sich auf einem Felsen kennen, als die gebürtige Schwedin Anna für einen Kletterurlaub in Frankreich war.

„Es ist kein Rennen“, betont Gatta, der vorhat, ein Tempo vorzulegen, bei dem er auch die Leute und die Aussicht entlang der Strecke genießen kann. „Die Zeit ist allerdings durch das wetterbedingte Zeitfenster beschränkt.” Drei Bergpässe, jeweils auf etwa 6000 m Höhe, auf dem letzten Abschnitt der Route sind unüberwindbar, wenn das Duo zu spät ankommt.

Berghaus hat für Gatta einen ultraleichten Rucksack, Kleidung und einen Schlafsack vorbereitet. Da er auf ein Zelt und einen Kocher verzichtet, wird er weniger als 10 Kilogramm Gepäck mit sich tragen.

Ehefrau Anna Gatta beim Training - Mont Blanc. © Philippe Gatta

Gatta gab Redbull.com/adventure gegenüber exklusiv bekannt, dass er hofft, während seines Trips einen 7000er Gipfel in der Region Khumbu zu besteigen, wobei er zugibt, dass dies vom Wetter und seinem körperlichen Zustand zu dem Zeitpunkt abhängen wird.

Der Trip geht am 26. September in Simikot los. Auf seiner Webseite gibt es die aktuellen Online-Updates.

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