Ajram attackiert das Red Bull 7 Islands – wieder

Der Spanier Josef Ajram kennt die härtesten Rennen der Welt. Seine nächste Aufgabe ist noch härter.
Josef Ajram bereitet sich auf die Teilnahme am Red Bull 7 Islands auf den Kanarischen Inseln in Spanien am 13. Mai 2012 vor. Sein Versuch, sieben Iron Man-Event
Josef Ajram vor einem Schwimm-Streckenabschnitt © Sebas Romero/Red Bull Content Pool
Von Tobias Mews

Im Oktober 2013 startet er einen neuen Versuch beim Red Bull 7 Islands – letztes Jahr landete er bei dieser Herausforderung im Krankenhaus. Wir baten den Adventure-Sportler und Journalisten Tobias Mews herauszufinden, was Ajram dazu treibt, an seine absoluten Grenzen zu gehen.

Was ist das Red Bull 7 Islands?
Zu den Kanaren gehören sieben Inseln. Es ist vorgesehen, an sieben aufeinanderfolgenden Tagen auf jeder Insel jeweils eine Ironman (IM)-Distanz zu bewältigen. An jedem Tag der Woche werde ich 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer fahren und einen Marathon laufen – 42 Kilometer. Insgesamt werde ich am Ende 26,6 Kilometer geschwommen, 1.260 Kilometer mit dem Fahrrad gefahren und 294 Kilometer gelaufen sein.

Josef Ajram während des Red Bull 7 Islands auf den Kanarischen Inseln in Spanien am 14. Mai 2012 Sein Versuch, sieben Iron Man-Events an sieben Tagen auf sieben
Josef Ajrams erster Versuch beim 7 Islands. © Gines Diaz/Red Bull Content Pool

Das klingt verrückt. Warum?
Die Idee hatte ich zum ersten Mal, als ich das Ziel von EPIC5 erreichte. Da mussten wir 5 IM-Distanzen in fünf Tagen schaffen, jeweils eine auf jeder der fünf Hawaiianischen Inseln. Red Bull 7 Islands steigert das Ganze also.

Auf welches extreme Ausdauerrennen bis du besonders stolz?
Sie sind für mich alles was ganz Besonderes, aber ich glaube, der Marathon Des Sables [ein 250 Kilometer langes Rennen durch die Sahara] veränderte meine Leben auf eine Weise, die mich über die wichtigsten Dinge im Leben nachdenken ließ – glücklich zu sein und Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Wenn du mitten in der Wüste bist und nur einen kleinen Rucksack bei dir hast... da wird dir klar, dass wir keine materiellen Dinge brauchen, um glücklich zu sein.

Josef Ajram während des Red Bull 7 Islands auf den Kanarischen Inseln in Spanien am 13. Mai 2012 Sein Versuch, sieben Iron Man-Events an sieben Tagen auf sieben
Er läuft auf den Kanaren viele Kilometer. © Sebas Romero/Red Bull Content Pool

Was wird beim Red Bull 7 Islands das schwierigste Element?
Mein Verstand. Ich muss am vierten Tag in guter Form sein. Das wird der härteste Moment bei dieser Herausforderung sein, weil mein Verstand mir sagen wird: 'Vier hast du geschafft – das ist mehr als die Hälfte. Die Sache ist gelaufen.‘ Aber in dem Moment habe ich noch drei vor mir – diese drei werden die härtesten sein.

Ajram tritt hart in die Pedale. © Sebas Romero/Red Bull Content Pool

Dein erster Versuch beim Red Bull 7 Islands endete am zweiten Tag mit einem schweren Hitzschlag.
Ich bin besser vorbereitet als letztes Jahr. Ich habe durch eine konsequente Diät 10 Kilogramm abgenommen. Ich trainiere zwei bis drei Mal pro Tag, bis zu dreißig Stunden pro Woche. Manchmal laufe ich mittags, wenn die Sonne am heißesten ist, damit sich mein Verstand und mein Körper daran gewöhnen. Kurz gesagt, ich fühle mich fitter und stärker als je zuvor.

Wir haben zudem die Sache auf den Oktober verschoben, da sollte es kühler sein. Das Wetter ist bei meiner Aufgabe einer der wichtigsten Faktoren. Letztes Jahr im Mai hatten wir den heißesten Tag auf den Inseln seit 1980. Zwei Menschen starben durch einen Hitzschlag, also war es unmöglich, tagsüber Sport zu treiben, ganz zu schweigen vom Ironman. Aber das ist keine Entschuldigung.

Ich muss fit sein. Ich brauche auch eine perfekte Woche: super Wetter, nicht zu viel und nicht zu wenig Wind, ein gutes Gefühl im Körper, ich darf mich nicht verletzen und nicht krank werden, und ich brauche erstklassige Unterstützung durch mein Team.

Letztes Jahr habe ich am ersten Tag zwei Stunden verloren, weil der Fahrradsattel nicht richtig montiert war. Dieses Jahr brauche ich also eine perfekte Woche, denn für mich ist jede Minute Gold wert.

Josef schnappt im Wasser nach Luft. © Gines Diaz/Red Bull Content Pool

Setzt du dir für jede Tagesstrecke ein bestimmtes Zeitziel? Wieviel Erholung ist vorgesehen?
Du darfst nicht vergessen, dass es weltweit Leute gibt, die sich ihr ganzes Leben darauf vorbereiten, nur EINEN Ironmann zu schaffen. Ich werde versuchen, sieben hintereinander zu bewältigen.
Ideal wäre es, wenn ich jeden Ironman in weniger als 12 Stunden schaffe. So bekäme ich jede Nacht 10 Stunden Schlaf und Erholung vor dem jeweils nächsten Rennen. Wenn ich länger brauche – sagen wir 15 Stunden – dann verliere ich wertvolle Zeit zum Ausruhen.

Josef Ajram während des Red Bull 7 Islands auf den Kanarischen Inseln in Spanien am 13. Mai 2012 Sein Versuch, sieben Iron Man-Events an sieben Tagen auf sieben
Ajram hofft, insgesamt 294 Kilometer zu laufen. © Gines Diaz/Red Bull Content Pool

Ich sehe, dass du ein paar Tattoos hast...
Die haben alle für mich eine besondere Bedeutung – das Logo eines Wettkampfs, an dem ich teilgenommen habe, der Name meiner Tochter, einige Zitate über Glück und Motivation. Meinen Lieblingsspruch habe ich auf meiner Brust, unter dem Halsausschnitt: ‘Ich weiß nicht, wo die Grenze liegt, aber ich weiß, wo sie nicht liegt.’

Als ich letztes Jahr mein Unternehmen abbrechen musste, habe ich mir auf meinen Ellbogen ‚Ich werde den Red Bull 7 Islands schaffen‘ tätowieren lassen. Das motiviert mich jeden Tag am meisten.

Meiner Meinung nach ist es eine ‚Grenze‘, wenn man die Motivation verliert. Jemand, der versucht, einen Wettkampf durchzustehen, ist ein Held. Aber jemand, der sich entscheidet, ihn abzubrechen, nur um es sich wieder auf seinem Sofa gemütlich zu machen – der hat seine Grenze gefunden. Wenn du dir jeden Tag in deinem Leben Ziele setzt, dann kommst du nie an deine Grenze.

Ajram versucht den Red Bull 7 Islands vom 14. bis 20. Oktober.

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