Die Welt umsegeln — Erfahrung nicht erforderlich

Das Clipper Race lehrt gewöhnliche Menschen das Segeln auf den rausten Meeren der Welt
Vorbei an San Franciscos Golden Gate Bridge © Clipper Race
Von Ed Chipperfield

Der gerade zu Ende gegangene America's Cup mag eines der besten Segelrennen aller Zeiten sein – aber das einzige Bootrennen der Welt ist es nicht. Die größten und extremsten Regatten umrunden den gesamten Planeten und führen über die tückischen Weltmeere.

Obwohl es mehrere hochkarätige Events gibt, die die weltbesten Segler anziehen, gibt es keinen mit Crews, die aus absoluten Laien bestehen — mit Ausnahme des „Clipper Round The World“.

Andere Rennen müssen mit den gleichen 15m Swells klarkommen. Sie müssen die gleichen Flauten und die gleiche Eiseskälte oder brütende Hitze überstehen. Doch beim Clipper sind die Yachten mit Crews besetzt, die sich aus blutigen Anfängern zusammensetzen, die aus ihrem ganz normalen Leben gerissen und nach nur drei Wochen Training aufs Meer geschickt werden.

Beim Start in Brest (Frankreich) © Clipper Race

Das Rennen beginnt im September. Die Boote setzen in London Segel und fahren über den Atlantik nach Brasilien. Danach segelt die Flotte zum südafrikanischen Kap, wobei sie die tödlichen Swells im Südatlantik bei Geschwindigkeiten von 20 Knoten überwinden muss. Die nächste Etappe führt über den berühmt-berüchtigten Südlichen Ozean nach Albany in Westaustralien.

Anschließend geht es vorbei an Indonesien und China und über den Pazifik bis nach Kalifornien. Nach der Durchfahrt durch den Panamakanal kommt der letzte Abschnitt – 3.200 Kilometer Nervenkitzel auf dem Atlantik durch Eis, Nebel und Stürme bis zur Ankunft im Juli 2014 in Irland.

Die Kühnheit des Rennens spiegelt die Mentalität seines Gründers, des legendären Sir Robin Knox-Johnston, wider. Er war der erste Mann, der die Welt ohne Unterbrechung und im Alleingang umsegelte – er verbrachte über 300 Tage allein auf seinem Boot. Seine Absicht war es, ein Rennen zu organisieren, dass normale Leute inspirieren würde, sich selbst zu übertreffen.

Die Masse am Start verwandelt sich in Solo-Segler © Clipper Race

„Wenn man sich klarmacht, dass 40 Prozent unserer Crews vor der Teilnahme am Rennen noch nie zuvor einen Fuß auf ein Boot gesetzt haben”, sagt er, “dann kann man verstehen, dass das Training umfassend und konsequent sein muss, damit sie vor dem Start des Rennens zu sicheren Seglern werden. Unsere Unfallrate ist hervorragend.”

Die Herausforderung, auf die sich die Teammitglieder einlassen, ist schwer zu fassen. Für die gesamte 64.000 Kilometer lange Strecke benötigt die Flotte von speziell angefertigten 21 Meter-Rennyachten elf Monate. Jede Person braucht pro Tag etwa 5.000 Kalorien für eine ausgewogene Ernährung. Die Crewmitglieder leben an Bord Seite an Seite – und nur einer von ihnen, der Skipper, ist ein voll qualifizierter und erfahrener Veteran.

Bootsaufstellung bei Abfahrt von Gosport (UK) © Clipper Race

Das Rennen zieht diejenigen an, die sich nach Abenteuer sehnen. Dieses Jahr gehören dazu auch der 73-jähriger Amerikaner Sam Hagler sowie Sam Gundry, ein 18-jähriger Brite. Egal ob Taxifahrer oder Bankangestellter, sie alle trainieren, um das Ziel des Rennens zu erreichen.

Nicht alle müssen jedoch ein ganzes Jahr opfern, um am Rennen teilzunehmen. Einige sind nur bei einzelnen der acht Etappen des Rennens dabei, die jede ihre eigenen besonderen Herausforderungen hat.

Rauer Seegang in der südlichen Hemisphäre © Clipper Race

„Auf der Asien-Pazifik-Etappe erlebt man fast jede Art von Segelkondition, die man sich vorstellen kann”, sagt Romanda Simpson, die sich ihren Platz in der Crew durch ihre Teilnahme an der GORE TEX Experience Tour sicherte.

„Sie ist extrem technisch, es gibt viele Inseln, Flauten, heftige Stürme – und Piraten. Wir segeln durch ein Gebiet in der Nähe von Singapur, in dem Piraterie zum Alltag gehört. Im Training sagte man uns, dass wir das Gebiet in Gruppen durchsegeln und dabei für absolute Funkstille sorgen müssen.”

Das Boot hat durch den kräftigen Wind Schlagseite. © Clipper Race

Beim Rennen dieses Jahr gab es bisher noch keine Unfälle. Eine Yacht aber, die Henri Lloyd, setzte mit 30,7 Knoten einen neuen Geschwindigkeitsrekord. Das ist ein gutes Vorzeichen dafür, dass das diesjährige Rennen das bisher leidenschaftlichste und schnellste sein wird. Und das Beste zum Schluss – die Anmeldungen für das nächste Rennen können schon jetzt eingereicht werden.

Verfolge das Clipper Race und melde dich hier an.
 

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