Ueli Steck bezwingt allein die Annapurna-Südwand

Ueli Steck auf Redbull.com/Adventure über seinen Solo-Aufstieg auf den zehnthöchsten Berg der Welt.
Steck macht sich aus der Ferne ein Bild der Lage.
Steck macht sich aus der Ferne ein Bild der Lage. © Dan Patitucci/patitucciphoto.com
Von Tarquin Cooper

Ueli Steck, alias die Schweizer Maschine, machte die Bergsteigergemeinde mit seiner Solo-Besteigung entlang einer neuen Route an der abschreckenden Südwand sprachlos. Zum dritten Mal bestieg er den Achttausender, den zehnthöchsten Berg der Welt.

„Es fühlt sich im Moment einfach irreal an”, erzählte Steck Redbull.com/Adventure in einer E-Mail. „Die Planung für das Projekt war so langwierig, und nun haben wir es geschafft!”

Ueli auf der Gipfelseite.
Siehst du den roten Kreis? Da befindet sich Ueli. © Dan Patitucci/patitucciphoto.com

Steck kann mit diesem Aufstieg endlich die Geister des Everest begraben. Er war früher in diesem Jahr gezwungen gewesen, seine Besteigung nach einem unangenehmen und in der Öffentlichkeit viel diskutierten Zwischenfall mit Sherpas abzubrechen. Steck fühlte sich danach so schlecht, dass er eine Zeitlang jegliche Motivation verloren hatte.

Ich kann nicht vergessen, was am Everest passiert ist. Daran werde ich mich immer erinnern. Aber dieser Aufstieg jetzt auf den Annapurna gibt mir das Gefühl, dass ich nach vorne gucken kann. Meine Leidenschaft ist wieder da!

Leicht, schnell, alleine - Steck am Annapurna.
Leicht, schnell, alleine - Steck am Annapurna. © Dan Patitucci/patitucciphoto.com

Im Video (unten) sagt Steck, dass die Bedingungen hervorragend waren und alles wirklich gut lief.

„Manchmal erlebt man einfach solche Tage — doch dann muss man sie auch ausnutzen und in dem Moment alles geben.”

Steck machte sich am 9. Oktober um 5.30 Uhr morgens mit seinem Team, bestehend aus Don Bowie und den Fotografen Dan Patitucci und Jonah Matthewson, auf den Weg. Am Bergschrund beschloss Bowie, nicht mehr weiterzugehen, und Steck zog alleine weiter.

© Dan Patitucci/patitucciphoto.com

„Zuerst war es für mich schwierig, in den Solo-Modus umzuschalten. Aber die guten Verhältnisse halfen mir, schnell meine Konzentration zu finden”, erklärt Steck in seinem Blog.

Steck beschrieb uns die Einstellung, die er für das Solo-Unternehmen benötigte, wie folgt: „Es ist simpel — du musst dich einfach nur auf den nächsten Schritt konzentrieren. Das ist alles, was ich mache. Das Leben ist sehr einfach.”

Steck und das Annapurna-Expeditionsteam
Steck und das Annapurna-Expeditionsteam © Dan Patitucci/patitucciphoto.com

Das im Basislager zurückgebliebene Team konnte ihn nur durch 1.000mm-Linsen beobachten.

„Wir tigerten im Camp umher wie junge Väter in einem Wartezimmer”, schreibt Patitucci.

Steck kämpfte in seinem gewohnt effizienten Stil weiter.

Ueli beginnt seinen Marsch.
Ueli beginnt seinen Marsch. © Dan Patitucci/patitucciphoto.com

„Ich ging Schritt für Schritt weiter. Ich sagte mir immer wieder 'Du musst einfach kämpfen, nur kämpfen'. Immer und immer wieder. Als ich die Gipfelkante erreichte, konnte ich es kaum fassen. Es war Nacht, der Himmel hing voller Sterne und die Kante lag direkt vor mir.”

„Mit meinem Höhenmesser prüfte ich alles ganz genau, folgte der Kante und dann wusste ich: Ich war am höchsten Punkt.”

Steck verbrachte nur fünf Minuten auf dem Gipfel, bevor er den Abstieg began. Am 10. Oktober um 9.30 Uhr war er zurück im Basislager – nach einem 28-stündigen Hin- und Rückmarsch.

Ueli am Basislager: Vorbereitung für den Sologang
Ueli am Basislager: Vorbereitung für den Sologang © Dan Patitucci/patitucciphoto.com

Annapurna war der erste 8.000m hohe Berg, der jemals bezwungen wurde. Man schrieb das Jahr 1950, und den beiden Franzosen Louis Lachenal und Maurice Herzog gelang die Besteigung — die Geschichte wurde später in Herzogs Abenteuer-Klassiker „Annapurna“ verewigt. Die Südwand wurde 1970 zum ersten Mal von den Bergsteigern Dougal Haston und Don Whillans mit einem rein britischen Team unter der Führung von Chris Bonington bezwungen.

Bei Redaktionsschluss war Steck auf der Heimreise. Wir fragten ihn, worauf er sich am meisten freue. „Auf ein schönes Abendessen mit Freunden und ein gute Flasche Wein!”

Wohlverdient – würden wir sagen.

Mehr erfährst in den Blogs von Ueli Steck und Dan Patitucci.

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