McConkey: Niemand hat mich mehr beeindruckt

Rob Bruce war einer der 5 Regisseure von "McConkey". Hier erklärt er, was Shane so besonders machte.
Regisseur Rob Bruce posiert für ein Porträt vor der Weltpremier von „McConkey” iin Tribeca, im Hotel in der Rivington Street in New York (USA) am 21. April 2013
Rob Bruce bei der Premiere von 'McConkey' in NYC. © Olugbenro Ogunsemore/Red Bull Content Pool
Von Josh Sampiero

„McConkey” kommt gerade weltweit in die Kinos, und wir trafen Rob Bruce – Regisseur und persönlicher Freund von Shane McConkey – für ein kurzes Gespräch über einen der beeindruckendsten Menschen, den er je getroffen hat.

Ich kannte Shane schon in der High School. Wir sind bei Skirennen gegeneinander angetreten – wir waren beide im Ski-Förderteam der USA. Uns beiden gefiel das Freeskiing, wahrscheinlich mehr als das Training, und wir haben beide zur gleichen Zeit aufgehört. Dann trafen wir wieder aufeinander, als er in einem Beitrag auf Skiern in Action zu sehen war, den ich für MTV Sports in Südamerika drehte.

Die Regisseure Scott Gaffney, JT Holmes, Sherry Mcconkey, Director Steven Winter (von links nach rechts) und die Regisseure Murray Wais, Rob Bruce, David Zieff
Rob Bruce und die Crew von „McConkey”. © Olugbenro Ogunsemore/Red Bull Content Pool

Wäre Shane heute noch am Leben… dann täte er die gleichen Dinge – würde aber mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Er wäre derselbe Mensch. Was den Sport betrifft, so wäre er meiner Meinung nach begeistert vom Speed-Riding [Skifahren mit einer kleinen, extrem leistungsfähigen Gleitschirmausrüstung.] Er hätte sich als Athlet nicht komplett zurückgezogen, nur ein Stück weit, und würde sich mehr seiner Rolle als großartiger Vater und Ehemann von Sherry widmen.

Es war einfach, den Film mit fünf Regisseuren zu produzieren. Niemand von uns machte den Film für sich persönlich – wir machten ihn für Ayla und Sherry. Das Ego kannst du dir sparen, wenn du versuchst, einen Film, der ein Tribut an ein Leben sein soll, für eine Tochter und eine Witwe zu drehen. Es hat funktioniert, weil wir ihn alle so sehr mochten und wussten, dass Shane es nicht zulassen würde, dass Egos einen großartigen Film vereiteln. Wir mussten Shanes Lebensstil ehren: Ehrlichkeit, kein Ego, Respekt, Professionalität, Vorbereitung, und immer mit einem Sinn für Humor.

John Berry und Shane McConkey, Wingsuit-BASE-Jump. © Graeme Murray/Red Bull Content Pool

Shane lebte das Leben von 50 Menschen! Er hat so viel erlebt, und er filmte alles. Die Menge Material – über 1.000 Stunden Aufnahmen – zu durchforsten, war ein mühsames Unterfangen. Jeder von uns nahm sich einen Teil von Shanes Story und konzentrierte sich darauf, ohne dabei den Blick auf die gesamte Geschichte zu verlieren.

Ich will dem Zauber nichts nehmen, wenn ich sage, dass wir auch Sachen weggelassen haben. Aber der Teil, auf den wir nicht so gründlich eingegangen sind, ist Shanes unglaublicher Beitrag zur Ski-Industrie. Er zwang Labels, das Freeskiiing ernstzunehmen und die Sportler zu bezahlen. Er bestand darauf, dass die breiten „Fat-Skis“ produziert wurden.

Dann führte er Rocker-Skier ein. Er gründete den Internationalen Free-Ski-Verband und sorgte dafür, dass Free-Ski-Contests in einheitlicher Weise organisiert wurden. Er trug dazu bei, der Ski-Industrie die Augen zu öffnen, damit sie Geld auch für das Freeskiing locker machte.

Es ist auch ihm zu verdanken, dass das Skilaufen wieder cool wurde, als das Snowboarden der Ski-Industrie fast schon den Garaus gemacht hatte. Er hat so viel für die Ski-Industrie getan, aber wir sind darauf nur nebenbei eingegangen – weil das eine Geschichte der Ski-Industrie ist, nicht Shanes Geschichte.

Shane McConkey zeigt am 26. März 2002 beim Training für den Red Bull Snow Thrill von Alaska in Haines, USA sein Können.
Shane McConkey - Action © Ulrich Grill / Red Bull Content Pool

Das Skifahren war tot. Es musste jemand kommen, der so unermüdlich war wie er und eine Vision hatte, damit sich was änderte. Doch irgendwie waren die fehlenden Geldmittel für Shane auch ein Segen, weil er tun konnte, was er wollte. Er hat die Big Mountain Contest-Szene aufpoliert. Er war zur Stelle, als das Park-Skifahren losging. Er gewann Skier-Cross-Rennen. Das Skifahren in den 90er Jahren war für einen Kopf wie Shane eine unermüdliche Quelle für Ideen.

JT Holmes trägt die Fackel weiter. Er macht das, was Shane tun würde, wäre er noch unter uns – Speedriden, Ski-BASEing und nun die ersten Schritte in der Stunt-Koordination. Aber ich weiß nicht, ob wir jemals einen zweiten Shane erleben werden. Auf solche Leute trifft man nur einmal im Leben.

„McConkey” bekommt die Resonanz, die wir uns erhofft und gewünscht haben. Für mich persönlich war es am wichtigsten, dass der Film alle Zuschauer anspricht; dass er Shanes Lebensstil in den Mittelpunkt stellt und die Leute zwei Stunden lang sein Leben auf gewisse Weisen mitleben – und erkennen, was es bedeutet, sein Leben auf dem aufzubauen, was man liebt. Leute aus allen Gesellschaftsschichten lassen sich inspirieren und erinnern sich, wie wichtig es ist, sich in seinem Leben auf das zu konzentrieren, was man mag und was einen glücklich macht – unabhängig von gesellschaftlichen Konventionen. Wenn jeder ein bisschen mehr so wie Shane leben würde, dann wäre die Welt ein besserer Ort.

Shane McConkey während Red Bull Uncharted im Fiordland National Park in Neuseeland am 6. Februar 2009.
Shane McConkey Porträt © Graeme Murray/Red Bull Content Pool

Sherry ist glücklich über den Film. Dieser Prozess war für Sherry nicht leicht, sie hat uns das Erbe ihres Mannes anvertraut. Bei der Arbeit gab es für uns alle schwierige Momente, aber nun hat Ayla einen Film, den sie sich später immer wieder ansehen und in dem sie Inspiration finden kann. Ich bin Sherry sehr dankbar, dass sie uns erlaubt hat, Ayla und dem Rest der Welt dieses Geschenk zu machen. Kein anderes Projekt hat mich je so motiviert wie dieses.

Shane McConkey und seine Familie.
Shane McConkey und seine Familie © McConkey Family Album / Red Bull Content Pool
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