Wüsten-Drag-Race: Speed-Surfen in Namibia

An Afrikas Skelettküste kämpfen die schnellsten Windsurfer und Kiteboarder der Welt um den Rekord.
Windsurfen in Luderitz, Namibia.
Skibrille beim Surfen? Bei dem Tempo, ja. © Luderitz Speed Challenge/Luderitz-speed.com
Von Josh Sampiero

Es ist nicht ganz klar, woher die Skelettküste ihren Namen hat. Einige behaupten, er stamme von den Knochen der toten Wale, die dort an den Strand gespült werden. Andere sagen, die Überreste von Schiffwracks – von denen es dort viele gibt – hätten der Küste den Namen verliehen. Einst war die Gegend Heimat einer belebten Diamantbergbau-Szene, doch heute werden die verlassenen Geisterstädte vom Wind unter dem Sand begraben.

Windsurfen in Luderitz, Namibia.
Lenas Windsurf-Ausrüstung ist auf Tempo ausgelegt. © Luderitz Speed Challenge/Luderitz-speed.com

„Die Küste liegt 16 Stunden von Kapstadt entfernt“, sagt Red Bull-Windsurferin Lena Erdil. „Hier herrschen harte Regeln. Außerhalb der Kleinstadt Luderitz gibt es viele Orte, die man nicht erforschen darf – angeblich liegen in den Bergen Tonnen von Diamanten versteckt!“

Doch die anwesenden Windsurfer und Kiteboarder sind nicht an den Diamanten interessiert. Sie sind auf der Jagd nach einem ganz anderen funkelnden Juwel – einem, der vielleicht sogar noch schwieriger zu ergreifen ist. Sie alle wollen den Weltrekord im vom Wind getriebenen Speed-Surfen aufstellen – und zwar genau hier.

Windsurfen in Luderitz, Namibia.
In Luderitz wehen konstant starke Winde. © Luderitz Speed Challenge/Luderitz-speed.com

Über die Wüste peitschen ununterbrochen starke Winde, und die Speed-Surfer haben einen Kanal gegraben, der nah genug an der Küste liegt, um sich mit Wasser zu füllen. Auf dem unglaublich flachen, glatten Wasser im Graben können die Windsurfer und Kiteboarder ihre Bretter bei Windstärken von 25-50 Knoten (46-90 km/h) so gut kontrollieren, dass sie die höchstmögliche Geschwindigkeit erreichen. Der aktuelle Rekord? Den hält der Franzose Antoine Albeau mit über 52 Knoten (96 km/h).

Windsurfen in Luderitz, Namibia.
Im Ziel bleibt wenig Zeit zum Tempodrosseln. © Luderitz Speed Challenge/Luderitz-speed.com

„Die Geschwindigkeit, die du beim Windsurfen erreichen kannst, hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Erdil. „Da ist zum einen das Segel, das je nach Wind und Surfer unterschiedlich aufgeriggt wird. Das Rigg kann starrer oder weicher eingestellt sein, je nach dem, wie man es mag. Das Board kann unterschiedliche Größen und Formen haben. Und dann sind da noch die Finnen, die auch super wichtig sind. Es gibt viele verschiedene Arten und Größen. Du brauchst die perfekte Zusammensetzung der Ausrüstung, und dann – was sogar noch wichtiger ist – brauchst du die magische Windbö, die dich den gesamten Kanal hinunter bläst!“

Der Speed-Surf-Kanal in Luderitz, Namibia.
Zurücklaufen gegen den Wind? Fast unmöglich. © Luderitz Speed Challenge/Luderitz-speed.com

Erdil, die mit zehn Jahren mit dem Windsurfen begann und auf der Profi-Windsurfing-Tour mitsurft, hält in der Türkei mit 45,74 Knoten (85 km/h) bereits den nationalen Rekord. Sie muss nur noch 0,09 Knoten schneller surfen – weniger als ein Zehntel eines Knoten pro Stunde. Das ist der momentan der Unterschied zwischen der türkischen Windsurferin Lena Erdil und der derzeitigen Weltrekordhalterin Zara Davis aus Großbritannien.

Der Speed-Surf-Kanal in Luderitz, Namibia.
Fang mich, wenn du kannst: Lena Erdil macht Tempo. © Luderitz Speed Challenge/Luderitz-speed.com

Obwohl Ende Oktober eine Woche lang nur schwacher Wind wehte, hofft die türkische Speed-Surferin auf die perfekte Bö. „Wenn deine Ausrüstung erst einmal richtig eingestellt ist, brauchst du nur noch die richtige Windbö erwischen. Bis jetzt war die Richtige aber noch nicht dabei!“

Lena ist eine von mehreren Athleten, die derzeit während der Luderitz Speed Week auf der Jagd nach einem Rekord sind. Mehr Infos findest du hier auf der Event-Webseite.

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