Atlantik-Ruderpartie: Das härteste Rennen der Welt

16 Teams bereiten sich auf die Atlantic Challenge vor- das Abenteuer ihres Lebens.
Ruderpartie über den Atlantischen Ozean
"Über den Atlantik zu rudern ist hart", sagt Humph © www.alastairhumphreys.com
Von Fredrik Ölmqvist

Sitzt du bequem? Während du das hier liest, bereiten sich dutzende mutige, verrückte und inspirierende Individuen auf eines der härtesten Rennen des Planeten vor – die Talisker Whisky Atlantic Challenge (TWAC).

Das atlantische Ruderrennen beginnt nächste Woche, am 2. Dezember und startet von La Gomera auf den Kanarischen Inseln zu dem 5.000 km entfernten Ziel Antigua in der Karibik. Es waren schon mehr Leute auf dem Mount Everest oder sogar im All, als über den Atlantik gerudert sind.

Denn es ist verdammt hart. 

In der rauen See des Atlantik
Ein Boot mitten im Ozean beim Rennen 2012 © www.alastairhumphreys.com

Auch wenn der Ozean im Dezember und Januar am ruhigsten ist, müssen die Teams trotzdem mit unberechenbaren Bedingungen wie Stürmen rechnen, die bis zu zwölf Meter hohe Wellen verursachen.

Das Rennen findet alle zwei Jahre statt, und bei der Ausgabe von 2013 machen 16 Teams aus vier Ländern mit – England, Schweden, Australien und Spanien. Ein Boot besteht aus professionellen Polospielern – kein Sport, der traditionell mit Ausdauer und Entbehrungen in Verbindung gebracht wird.

Die Mitglieder des Atlantic Polo Team © Atlantic Polo Team

James Glasson, 39, vom Atlantischen Poloteam, beschreibt das Abenteuer als „verrückt, exotisch und irre“.

„Wir sind den Elementen ausgeliefert und haben als einzigen Schutz ein sieben Meter langes und zwei Meter breites Ruderboot. Dies ist eines der anspruchsvollsten Rennen der Welt und ein Abenteuer, bei dem man sehr wenig Kontrolle über die Umstände hat.“

„Es ist verdammt hart“, sagt Abenteurer Alastair Humphreys, der das Rennen 2012 bis zum Schluss durchgehalten hat – und dessen Bilder wir hier sehen.

Wer braucht Wind wenn man rudern kann? © Talisker Whisky Atlantic Challenge

Glasson und sein Team von Polospielern sind sich den potentiellen Gefahren bewusst.

So viel kann auf offener See schiefgehen, dass es sich nicht mal lohnt, eine Liste zu erstellen.

„Es ist eine Mischung aus Betroffenheit und Erwartungsfreude voller Adrenalin. Haie und andere Boote sind große Gefahren. Wir sind so dicht auf dem Wasser, dass uns passierende Schiffe vielleicht nicht sehen. Das stellt ein größeres Risiko dar als die Haie.“

„Die größte Gefahr ist das Wetter“, fügt er hinzu. „Wenn wir in einen Sturm geraten, können wir uns nur in die wasserdichte Kabine einsperren und darauf warten, dass sich das Boot wieder aufstellt.“

In den Regenbogen rudern
Ein Regenbogen über dem Ozean 2012 © www.alastairhumphreys.com

Carsten Heron Olsen, der CEO der Event-Agentur Atlantic Campaigns sagt, dass der Event die Nummer eins unter den Ausdauerrennen auf dem Ozean ist:

„Die Teams kämpfen circa 90 Tage lang mit Mutter Natur. Da wird es gute und schlechte Tage geben. Sie werden zwei Stunden rudern, zwei Stunden ausruhen. Sie werden wegen des Schlafmangels unter Halluzinationen leiden, sich von Rationslebensmitteln ernähren und von Anfang an entsalztes Wasser trinken.

Manche Teams werden nackt rudern.

Sie werden ihre Wunden an den Händen und dem Gesäß verarzten müssen, die durch das Salzwasser nicht heilen. Manche werden nackt rudern, um ihre Haut vor den endlosen Wellen der See zu schützen.“

„So viel kann auf offener See schiefgehen, dass es sich nicht mal lohnt, eine Liste zu erstellen“, sagt Bastien Leclair, vom Atlantic Splash-Team. „Wir haben alle Krisensituationen trainiert und sind auf alles vorbereitet. Außer vielleicht eine Attacke von Außerirdischen.“

Ein Helm zum Schutz vor Fliegenden Fischen
Bei der Überquerung zählt Erfindungsreichtum © www.alastairhumphreys.com

Die Teilnehmer verbrauchen ca. 8000 Kalorien am Tag und verlieren während des Rennens 20 % ihres Körpergewichtes.

Beim Rennen von 2011 brauchte das Siegerboot 40 und das letzte Team, das diese Herausforderung überwunden hat, heroische 79 Tage dafür.

Ich erwachte aus meiner Bewusstlosigkeit und sah, wie das Boot davon trieb.

Zwei Wochen vor dem Start in La Gomera fanden sich die Teams zu den letzten Vorbereitungen und Tests ein. Immer wieder sind Ruderer in der Vergangenheit im letzten Moment abgesprungen, da sie vom Atlantik zu sehr eingeschüchtert wurden.

„Eingeschüchtert ist vielleicht nicht das richtige Wort, eher besorgt“, sagt Hannah Lawton, 23 vom Inspirational Friends-Team.

„Man weiß einfach nicht, was einen erwartet. Jeder Tag ist anders. Wir freuen uns und sind aber auch nervös. Es ist ein unvergessliches Abenteuer“, sagt sie. „Es kann dich zerstören, aber du kannst auch Seiten an dir entdecken, die du nie für möglich gehalten hättest.“

Das braucht man für seinen Allerwertesten nach jeder Rudersession
Die besten Freunde eines Ruderers © www.alastairhumphreys.com

Der schwedische Teilnehmer Viktor Mattsson, 25, hat mit dem Ozean noch eine Rechnung offen. Er musste bei seinem ersten Versuch, den Atlantik 2011 rudernd zu überqueren, nach 26 Tagen gerettet werden.

„Es war eine Kombination aus schlechtem Wetter und Pech. Als unser Boot sich zum dritten Mal drehte, schlug ich mir den Kopf an und fiel ins Wasser. Ich erwachte aus meiner Bewusstlosigkeit und sah, wie das Boot davon trieb. Die Sicherheitsleine war zerrissen und ich musste für eine gefühlte Ewigkeit dem Boot hinterher schwimmen, bevor ich es erreichte.

Es gab einen Moment, in dem ich dachte, dass ich es nie schaffen würde. Unser Satellitentelefon war zu Bruch gegangen, doch zum Glück hörte ein Maersk-Frachter unseren Notruf und rette uns nach zwölf Stunden.“

Zuhause- für die nächsten Wochen. © Talisker Whisky Atlantic Challenge

Nach einem Monat zurück an Land entschied Victor, dass er beenden wollte, was er begonnen hatte. In seiner Wohltätigkeitsorganisation möchte er junge Leute mit schwachem Selbstbewusstsein und Suizidtendenzen inspirieren.

„Ein Vorbild für diese Kids zu sein und ihnen Kampfgeist zu vermitteln, motiviert mich enorm. Deswegen ist es so wichtig für mich, zu beenden, was ich angefangen habe.“

16 Boote werden am nächsten Montag in Aufstellung gehen. Nicht alle werden es bis zum Ziel schaffen, aber eines ist sicher – es wird ein Abenteuer, egal was kommt.

Um mehr über das Rennen zu erfahren und die Teams zu sehen, klicke hier: totaliskerwhiskyatlanticchallenge.com

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