Wie man die richtigen Backcountry-Skier wählt

Die richtigen Skier sind wie perfekter Pulverschnee – schwer zu finden. Dave Waag zeigt dir den Weg.
Von Dave Waag

Wenn deine Skier schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben oder du ein absoluter Pulverschnee-Fan bist, für den das Neuste und Beste gerade gut genug ist, dann kennst du die Frage: „Welcher Ski ist der richtige für mich?“

Gerade in den letzten Jahren hat sich das Skidesign dramatisch verändert. Begriffe wie Rocker und Early Rise sowie Verbundmaterialien wie Karbonfaser prägen heute die Diskussion. Design und innovative Materialien machen Alpine Touring-Skier leichter, breiter und vielseitiger als je zuvor.

Das Skilaufen abseits der Pisten stellt ganz eigene Anforderungen an einen Ski. Man sollte sich klar sein, wofür man die Skier wirklich braucht, bevor man sich für ein Paar entscheidet. Geht es darum, leicht, schnell und über weite Strecken unterwegs zu sein und riesige Freeride-Sprünge von Felsvorsprüngen hinzulegen, oder ist man auf der Suche nach dem Ski, der eher klassischen Ansprüchen gerecht wird?

Völkl Nanuq Ski - Produktbild
Völkl Nanuq © Marker Völkl

Single-Quiver

Den kaum vorstellbaren All-Mountain- Ski, der alles kann, gibt es eigentlich heute schon. Wichtig ist die Taillierung, die Skimitte sollte zwischen 95 und 105 Millimeter breit sein. Diese immer beliebter werdende Kategorie bietet einen sehr guten Kompromiss zwischen dem Carving-Skifahren auf festem Schnee und herrlichem Spaß beim Tiefschneefahren.

Je mehr das Design Tip Rocker und Early Rise betont, umso mehr eignet sich der Ski für das Skifahren auf weichem Schnee, und umso besser reagiert er in tieferem Schnee. Je traditioneller die Skiwölbung und die Form der Skispitze, desto leichter lässt es sich mit dem Ski carven und auf kompaktem Schnee gleiten. Ideal sind ein Tip Rocker mit einer Aufbiegung von 20-30 Prozent, und ein minimaler Tail Rocker oder auch ein im Tail-Bereich gar nicht aufgebogener Ski. Wer ein surfigeres Freeride-Gefühl sucht, sollte sich Tip Rocker- und Tail Rocker-Modelle mit einer entsprechenden Camber-Wölbung im Bindungsbereich ansehen.

Beispiele: Völkl Nanuq, Kastle TX97, DPS Wailer 99

DPS Wailer 112 Ski - Produktbild
DPS Wailer 112 © DPS Skis

Schnell und leicht

Diese Modelle eignen sich gut für Skitouren, Hüttentouren und generell für alle Skiportler, die es gerne leicht mögen. Rasante Skiabfahrten sollte man damit nicht in Angriff nehmen.

Standardmäßig haben diese Skier einen eher traditionellen Charakter. Sie sind Handwerkszeug einerseits, überzeugen aber andererseits auch durch ihr Gleitvermögen. Klar ist, auch bei diesen Modellen ist Spaß angesagt. Tip Rocker und Tail Rocker halten auch in diese Kategorie Einzug, und zwar aus einem guten Grund. Ein Ski mit einem Rocker lässt sich leichter steuern, er ist reaktionsfreudiger – das weiß man zu schätzen, wenn eine im richtigen Moment genommene Kurve womöglich ein Unglück verhindert.

Die Skimitte sollte zwischen 85 und 95mm breit sein. Diese Kontaktfläche ist ausreichend, um mit den abwechslungsreichen Schneeverhältnissen im Backcountry zurecht zu kommen, und der Ski ist so automatisch leichter. Ferner zu empfehlen sind ein Early Rise oder ein leicht aufgebogener Tip Rocker.

Beispiele: Black Diamond Current, Dynafit Manaslu

Black Diamond Current
Black Diamond Current © Black Diamond Equipment

Freeride Pulverschnee-Skier

Spezielle Pulverschnee-Skier sind das beste Beispiel für die Evolution im Skidesign. Es mag zwar abgedroschen klingen, aber viele breite Backcountry-Skier mit Rocker kommen wirklich mit einer Vielfalt von Bedingungen und Terrains gut klar. Dafür macht man einen Kompromiss in Bezug auf Gewicht und Kantenkontrolle. Dennoch, mit vielen großen Pulverschnee-Skiern kann man auch hin und wieder auf der gepflegten Piste und bei typischen frühlingshaften Schneeverhältnissen seinen Spaß haben.

Man sollte Skier wählen, die im Bindungsbereich breiter als 105mm sind, ideal wären 110-115mm. Bei einer Breite von 120mm im Bindungsbereich muss man Abstriche in punkto Vielseitigkeit machen. Zu empfehlen ist ein Tip Rocker mit einer mindestens 30-prozentigen Aufbiegung und einem ähnlich gestalteten Tail Rocker. Viele Pulverschnee-Skier sind immer noch im Bindungsbereich gewölbt, daher bleiben sie auch in wechselnden Verhältnissen vielseitig. Je größer der Rocker und je geringer die Camber-Wölbung in einem Ski sind, desto surfiger ist das Fahrgefühl. Abgeschrägte Tips und Tails sorgen für ein leichtgängiges Vorwärtskommen im Tiefschnee. Breite Skier wiegen mehr, also sollte man auf leichtgewichtige Konstruktionen aus Karbonfaser und speziellem Holz achten, die den Aufstieg erleichtern.

Beispiele: DPS Wailer 112, Dynafit Huascaran, Voile V8, Völkl V-Werks Katana, Rossignol Soul 7

Schnell und leicht - Voile Vector Ski, Produktbild
Voile Vector © Voile
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