David Lama: Das Unmögliche als Grundeinstellung

Der 23jährige Alpinist präsentiert sein Buch über die Bezwingung des Cerro Torre im Freikletterstil.
David Lama Cerro Torre Freistilklettern
David Lama bezwingt den Cerro Torre © Corey Rich/Red Bull Content Pool
Von Eugen Waidhofer

Am 21. Jänner 2012 hat David Lama Geschichte geschrieben: Als erster Mensch konnte er den berüchtigte Cerro Torre in Patagonien frei klettern. Mehr als drei Jahre musste der Tiroler in die Herausforderung investieren, zweimal hat ihn der 3.128 Meter hohe Granitberg abgeworfen – und doch endete sein Weg als alpinistischer Meilenstein.

David Lama hat er das Unmögliche geschafft und jetzt ein Buch darüber geschrieben: „Free“.

David Lama Cerro Torre Freistilklettern
Free - der Cerro Torre, das Unmögliche und ich

Auf 224 Seiten erzählt der 23jährige Tiroler brutal ehrlich, was er in den drei Wintern am legendären Berg Patagoniens erlebt hat. Und wie seine hochfliegenden Träume von der Realität einer international geführten Debatte um „Show“ und Regeln des modernen Alpinismus eingeholt wurden.

Hier geht's zur Leseprobe


Wir haben mit David Lama über sein Buch, neue Projekte und Angst gesprochen:

Wenn man das erste Kapitel deines neuen Buches liest, ist das häufigste Wort „unmöglich“. Ist das für dich der große Reiz als Alpinist?

Als erster etwas Unmögliches zu schaffen, hat schon einen sehr großen Reiz, weil es ein Aufbruch ins Ungewisse ist. Für mich ist das Unmögliche aber nur zeitlich beschränkt – oft setzt uns nur die eigene Vorstellungskraft Grenzen. Beim Cerro Torre zum Beispiel bin ich die Gipfelwand in Gedanken erfolgreich durchgestiegen und war mir danach sicher: Das kann funktionieren!

Am 21. Jänner 2012 hast du als erster Mensch den Gipfel des Cerro Torre im Freikletterstil erreicht. Hat dich dieser Moment verändert?

Am Gipfel zu stehen hat mich nicht mehr verändert. Aber die drei Jahre davor waren eine Reise, die ich als Sportkletterer begonnen und als Alpinist beendet habe. Die Herausforderung, das Auseinandersetzung mit der Natur und das Scheitern in den ersten beiden Jahren haben mich verändert.

Wie geht es dir nach so einem Projekt – ist da nicht plötzlich viel Leere, weil alles erreicht ist?

Ein gewisses Gefühl der Leere war schon da, aber die Motivation war nie weg. Ich habe seither einige schwere Erstbegehungen gemacht, einige davon bei uns in den Alpen, aber auch zum Beispiel in Alaska. Das waren aber alles Vorhaben, die ich recht schnell abschließen konnte. Als nächstes Langzeitprojekt schwebt mir was richtig Großes im Karakorum vor: Der Berg ist wie die Eiger Nordwand mit einem Cerro Torro obendrauf – und das in fast 8.000 Meter Höhe. Mehr will ich dazu noch nicht verraten…

Wen das Unmögliche reizt, der lebt in einem gefährlichen Grenzbereich. Hast du nie Angst?

Ich bin mir der Gefährlichkeit schon bewusst und kenne das Risiko. Aber wenn ich in eine Wand einsteige, spielt Angst keine große Rolle. Denn ich habe mich schon im Vorhinein gedanklich mit dieser Situation auseinandergesetzt. Ich muss mir in meinen Gedanken vorstellen können, dass es funktionieren wird – und dann entscheide ich, ob es das Risiko wert ist oder nicht.

Bist du in Gedanken schon mal gescheitert und hast entschieden: Das mache ich nicht?

So ein Projekt habe ich bis jetzt noch nicht gefunden.

Willst du ewig im Grenzbereich klettern oder denkst du manchmal an eine Zeit danach?

Das Unmögliche wird mich wohl immer reizen und Freiklettern ist bei mir eine Grundhaltung. Diesen Werten werde ich wohl immer treu bleiben. Es kommt aber vielleicht eine Zeit, wo ich weniger Risiko nehmen will.


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