Antarktis-Forscher kämpfen gegen Kälte und Hunger

Ben Saunders und Tarka L'Herpiniere sind bemüht, ihren 3000 Kilometer langen Polarmarsch zu beenden.
© Andy Ward
Von Tarquin Cooper

Die Aufgabe ist so schwer, dass sie seit 100 Jahren nicht mehr angegangen wurde. Bis jetzt. Die britischen Polarforscher Ben Saunders und Tarka L'Herpiniere kämpfen derzeit beim Versuch, die Reise zum Südpol und zurück zur Antarktis-Küste aus eigener Kraft zu bewältigen, gegen Erschöpfung, Kälte und Dauerhunger.

Sie starteten am 25. Oktober mit Vorräten für 110 Tage und zogen Schlitten, die beinahe 200 Kilogramm wogen. Ihr Ziel: die 2900 Kilometer lange Strecke ohne Unterstützung zu meistern. Am Montag, den 13. Januar, waren sie seit 81 Tagen unterwegs.

Mein Magen knurrte ständig. Jeden Tag machten sich meine Rippen stärker bemerkbar, und meine Beine waren schrecklich schwach.

Bei der von ihnen ausgewählten Route handelt es sich nicht um den Highway zum Pol, den moderne Abenteurer bevorzugen, sondern um eine geschichtsträchtige Strecke. Es ist die Route, die 1911/1912 auch Captain Scott nahm, und die ihn und seine Begleiter bekanntermaßen das Leben kostete.

Ben Saunders und Tarka L'Herpiniere am Südpol
Saunders und L'Herpiniere am Südpol © www.scottexpedition.com

Obwohl sie deutlich besser ausgestattet sind – hier ein Blick auf einen Teil ihrer Ausrüstung – plagen Saunders und L'Herpiniere dieselben Probleme wie Captain Scott und seine Männer.

Kurz nach ihrer Ankunft am Südpol gingen ihnen die Vorräte aus, so dass sie gezwungen waren, Nachschub aus der Luft anzufordern.

„Mein Magen knurrte ständig“, schrieb Saunders in seinem Blog. „Jeden Tag machten sich meine Rippen stärker bemerkbar, meine Beine waren schrecklich schwach, meine Gedanken wurden diffuser und ich konnte nur noch schwer Entscheidungen treffen. Am zweiten Tag auf halber Ration war ich gefährlich unterkühlt.“

Bei eisigen Temperaturen von bis zu minus 45 Grad blieben jedem nur noch acht Energie-Riegel, ein halbes Frühstück und ein halbes Abendessen für die 74 Kilometer bis zum nächsten Essensvorrat, den sie auf dem Hinweg deponiert hatten. Saunders war gezwungen, sein ehrenvolles Ziel, die gesamte Reise ohne Unterstützung zu meistern, aufzugeben.

Ben Saunders von der "Scott Expedition" marschiert zum Südpol
Saunders marschiert zum Südpol © Andy Ward

Ihre Probleme waren damit aber nicht vorbei. Bei Saunders führte der Lebensmittelnachschub zu Verdauungsproblemen, und zwei Tage später zog er sich seine bislang schwerste Unterkühlung zu. Sein Leben verdankt er allein der Geistesgegenwart von L'Herpinier, der ihn schnell ins Zelt brachte.

„Ich bin nicht auf eine schnelle Wiederholung erpicht“, schrieb Saunders.

Bei Abfassung dieses Artikels hatten die beiden immer noch 900 Kilometer vor sich. Um die körperliche Anstrengung zu verdeutlichen: Saunders sagt, dass sie sich pro Woche über 70 Stunden lang körperlich verausgaben. Das ist doppelt so viel wie ein Teilnehmer der Tour de France – und zwar über einen Zeitraum von fünfzehn anstelle von drei Wochen.

Ihre Ankunft an der „Scott’s Hut“ am Kap Evans, wo ihre Reise begann, wird für Mitte Februar erwartet. Dann haben sie zweifellos noch mehr Abenteuer zu erzählen.

Weitere Infos über die Expedition sowie einen Live-Bericht findet ihr auf ihrer Website.

@adventuretarq

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