Die sieben härtesten Kletterrouten der Welt

Lust auf eine Herausforderung? Wir präsentieren 7 unglaubliche Anstiege der weltbesten Kletterer.
Steinhart
Chris Sharma beim Aufstieg © Boone Speed
Von Brendan Leonard

Schwierige Klettertouren entstehen auf einzigartige Art und Weise: Ein starker Kletterer hat eine Vision, entwirft eine Route auf allerhöchstem Niveau und berichtet darüber. Dann wartet die Route auf einen zweiten Anstieg und die Bestätigung ihrer Schwierigkeit – durch jemanden, der aller Voraussicht nach zu den absolut stärksten Kletterern der Welt zählt. Manchmal verstreichen Jahre, bis ein Anstieg wiederholt wird. Die Auswahl der Allerschwierigsten ist subjektiv und kompliziert, da sich zwei Anstiege eigentlich nicht miteinander vergleichen lassen, aber die folgenden Beispiele sollten es auf jeden Fall auf die Liste schaffen. Vorerst…

Traditionell: Rhapsody, E11 7a oder 8c+, Dumbarton Rock, Schottland, Dave MacLeod
Nachdem er sich über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren 70 Tage lang mit der Route abgemüht hat, konnte der schottische Kletterer Dave McLeod das legendäre Teststück in seiner Heimat im Jahr 2006 endlich vollenden: Rhapsody, der erste traditionelle E11-Anstieg der Welt. Die Klettertour war schwierig und kompliziert (8c+) und erfolgte traditionell, also unter Verwendung mobiler Sicherungsmittel und ohne Bohrhaken – und die letzten 18 Meter fehlt jegliche Sicherung.

MacLeod kam bei seinen vielen Versuchen dutzende Male zu Fall und erklärte nach dem erfolgreichen Abschluss der Route: „Ein weiterer Aspekt ist die Gefahr. Von oben stürzt man etwa 20 Meter in die Tiefe und prallt dabei manchmal an den Felsvorsprung mit dem Sicherungspunkt. Das Baumeln am Seil ist extrem brutal – verstauchte Knöchel, böse Schnittwunden an Füßen, Beinen und Rücken sowie ein kaputter Wadenmuskel waren die Folge.“

David Lama am 21. Januar 2012 an der Gipfelwand des Cerro Torre während des ersten freien Anstiegs des Südostkamms bei seiner dritten Expedition in Patagonien.
David Lama an der Gipfelwand des Cerro Torre. © Lincoln Else/Red Bull Content Pool

Alpin: Compressor-Route, Cerro Torre, Patagonien, David Lama
Nachdem er es über drei Jahre lang versucht hatte, erfüllte sich David 2012 endlich seinen Traum: Als erster Freikletterer bezwang er die berühmt-berüchtigte Compressor-Route am Cerro Terro in Patagonien. Der 22-Jährige bewältigte die Ostwand des 3128 Meter hohen Berges mit seinem Partner Peter Ortner ohne künstliche Hilfsmittel. „Es war das wahrscheinlich größte Abenteuer meines Lebens“, erklärte Lama hinterher.

Steinhart
Einfach mal abhängen... © Boone Speed

Sport: La Dura Dura, 9b+, Oliana, Spanien, Adam Ondra und Chris Sharma
La Dura Dura rückte 2012 und 2013 ins Zentrum des Sportkletterns und war sogar Thema eines Films, als zwei der weltbesten Sportkletterer den ersten Anstieg wagten.

Steinhart
Chris Sharma auf der Route La Dura Dura © Boone Speed

Chris Sharma versah die Route mit Bohrhaken und ermutigte Adam Ondra anschließend, einen Versuch zu unternehmen. Nach 70 Versuchen bezwang Ondra die Route im Februar 2013 und verlieh ihr den Schwierigkeitsgrad 9b+. Sharma bezwang die Route sechs Wochen später.

Ice, ice, baby
Tim Emmet auf der Wolverine-Route (Helmcken Falls) © Courtesy Tim Emmett

Eis: Wolverine (WI11), Helmcken Falls, British Columbia, Klemen Premrl und Tim Emmett
Als Will Gadd an den Helmcken Falls in Kanada das Sprüheis entdeckte, verkündete er, es wäre das coolste Eis, das er je gesehen hätte oder geklettert wäre, und wählte eine Kletterroute, die er und Tim Emmett als WI10 einstuften – ganze zwei Grade höher als alle bisher gekletterten Routen, denn es gibt keine WI8- oder WI9-Routen. Im Februar 2012 kehrten Emmett und sein Kletterpartner Klemen Premrl zu den Helmcken Falls zurück: Sie befestigten Bohrhaken und kletterten Wolverine, eine Route, die sie als WI11 einstuften.

Bouldern: Gioia, V16, Varazze, Italien
Als Christian Core 2008 Gioia kletterte, schlug er den Schwierigkeitsgrad 8c (V15) vor. Dabei blieb es, solange die Route auf eine zweite Besteigung wartete. 2011 verbrachte Adam Ondra elf Tage mit der schwierigen Route und nachdem er schließlich erfolgreich war, empfahl er eine Hochstufung auf 8c+. Im Februar 2014 gelang Nalle Hukkataival die dritte Begehung der Route, und auch wenn er bisher keinen Schwierigkeitsgrad vorgeschlagen hat, sagte er: „Die Route ist auf jeden Fall schwieriger als die meisten 8cs. Es stellt sich nur die Frage: Ist sie einen ganzen Grad schwieriger?“

Mixedklettern: Iron Man, M14+, Eptingen, Schweiz
Robert Jaspers Iron Man ist mit M14+ die schwierigste Mixed-Kletterroute der Welt. Doch sie stellt auch die Definition von „Mixedklettern“ in Frage – Jasper kletterte die 40-m-Route erstmals, als sie nicht vereist war. Aber ob nun eine Route für Mixedklettern oder Dry-Tooling – schwierig ist sie allemal.

De Agostini/Getty Images
El Capitan (links) im Yosemite-Nationalpark

Technisches Klettern: Nightmare on California Street, A5, El Capitan, Yosemite
Noch unwiederholt (Stand 2014), Warren Hollinger und Grant Gardner.
Es gibt einige technische Kletterrouten der Kategorie A5, bei denen ein Sturz immer tödlich endet. Zwei Kletterouten in den Fisher Towers von Utah wurden zunächst als A6 und A6+ gewertet, doch dann wieder heruntergestuft. Es gibt demnach noch keine „schwierigste Kletterroute im technischen Klettern“, nur Titelanwärter. Nightmare on California Street im Yosemite-Nationalpark hat beste Chancen auf den Titel.

Als die Big-Wall-Legende Ammon McNeely die Route in der Nähe der El-Cap-Route Wings of Steel (A5) 2011 schließlich geschafft hatte, war es die erste Zweitbegehung seit 29 Jahren. Er schrieb, dass es wohl die schwerste Route sei, obwohl seine 20 Stürze während der Begehung relativ folgenlos blieben. Nightmare on California Street, so McNeely, besteht aus schwierigen Passagen – und gefährlichen Stürzen. Das ist wohl auch der Grund, warum sie seit der Erstbegehung im Jahr 1998 bisher nicht noch ein weiteres Mal geklettert wurde.

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