Red Bull Under My Wing: Bouldern will gelernt sein

Boulder-Urgestein Bernd Zangerl nahm für sein Nachwuchs-Projekt 20 Talente unter seine Fittiche.
Bernd Zangerl mit einem Nachwuchs-Talent © Stefan Kürzi
Von Andreas Gassner

Allez! Allez! "Gehtscho". Andreas Gassner über seinen Abstecher in die Welt der kleinen Wände und großen Projekte...

Bouldern? Das ist ''Klettern in Absprunghöhe''. So technisch und nüchtern definieren das zumindest die alpinen Vereine hierzulande. Doch was steckt hinter diesem Sport, der so viele fasziniert? Die Gemeinde der Boulderer ist mittlerweile eine der am rasantesten wachsenden im Bereich Outdoorsport, und das will ja einen Grund haben. Was macht diesen Sport aus? Was sind seine Merkmale? Diesen Fragen versuch ich in den nächsten Zeilen auf die Schliche zu kommen. Als Grundlage dafür soll mir der Workshop ''Under my Wing'' von und mit dem Boulderprofi Bernd Zangerl dienen, an dem man mich dieses Wochenende teilhaben ließ.

Unter seine Fittiche nahm der Bernd - abgesehen von mir - echte Nachwuchstalente aus ganz Österreich, die bereits bei dem ein oder anderen Wettkampf, oder aber auch durch gute Leistung und individuellen Style aufgefallen sind.

Workshop im Wintersportparadies Galtür © Stefan Kürzi

Erstes Merkmal: Easyness.
Es fand sich also diese Schar 12 bis 29-Jähriger im Wintersportmekka Galtür im hinteren Paznaun ein, um den dort ziemlich neu entstandenen Silvapark - den Playground und Homespot von Bernd - auf Herz und Nieren zu prüfen. Würfelt man um die 20 fremde junge Leute zusammen, so erwartet man eine gewisse Grundschüchternheit. Doch nicht hier.

Von Anfang an wird geplaudert und Schmäh geführt, man versteht sich eben, man kennt sich über die gemeinsame Leidenschaft. Boulderer sind aus dem selben Holz geschnitzt. Bald wird über "Griffe", "Probleme" und "Projekte" gefachsimpelt, immer mal wieder zwischendrinnen auf Bernds Ausführungen zu dem Thema lauschend. Dieser, und sein ehemaliger Mentor und hier Co-Coach Fred Nicole, verstehen es bestens die Mädels und Jungs mit ihren Geschichten und Tipps in ihren Bann zu ziehen - ohne aber angeberisch zu wirken. Das hat hier keiner notwendig, man redet auf Augenhöhe. Das bringt mich zum zweiten Merkmal: Geselligkeit.


Fotogalerie: Die Fotos vom Event:

Zweites Merkmal: Geselligkeit
Dem Bouldern kann man eine gewisse soziale Komponente nicht abstreiten. Natürlich geht’s um Herausforderungen, um Bewegung, um Sport - aber genauso geht’s um deine Freunde, um a gute Zeit und ums Abhängen auf der Bouldermatte - oder im Wellness-bereich deines Hotels. Die meisten der Teilnehmer waren an den gebotenen Luxus keineswegs gewöhnt, schliefen sie doch bei den vorangegangenen Bouldertrips meist in irgendwelchen Autos, Bussen oder Zelten. Die Gastfreundschaft der Galtürer glich einem wahren Verwöhnprogramm. Doch entbehrungsreich ging’s ohnehin während des Tages zu.

Gemeinsam Grenzen überwinden © Stefan Kürzi

Angefangen hat das ganze nämlich mit sommerlichen 8°C am ersten Tag. Das freut den ambitionierten Boulderer natürlich ob des hervorragenden Grips am Felsen. Dem ein oder anderen Gesicht war jedoch anzusehen, dass man den Kompromiss zugunsten etwas wärmerer Temperaturen ohne schlechtes Gewissen eingegangen wäre. Auf die Kletterperformance und Motivation wirkte sich das freilich nicht aus, was mich zum dritten und letzten Merkmal bringt: Focussing.

Konzentriert arbeiteten die jungen Damen und Herren während der drei Tage an ihren persönlichen ''Projekten'', an genau den zwei, drei Griffen, die momentan alles bedeuten. Geht mal trotz eifriger "Allez"-Rufe der Supporter gar nichts weiter, geben Bernd und Fred mit ihrer langjährigen Erfahrung wertvolle Tipps. Hie und da gelingt ein Durchbruch, ein Problem ist abgehakt und das Grinsen geht von einem Ohr zum anderen. Und darum geht's letztendlich: Egal ob man bouldert, klettert oder Briefmarken sammelt - am Ende des Tages zählt, dass man gemeinsam a gute Zeit hatte.

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