Verfolgt von Elefanten, attackiert von Krokodilen!

Ein Gespräch mit dem britischen Entdecker und Abenteurer Colonel John Blashford-Snell.
Ein Mann, der Abenteuer liebt
Der Beweis, dass die Geschichten stimmen! © Scientific Exploration Society
Von Josh Sampiero

Es gibt Menschen, die ab und zu Abenteuer erleben, und es gibt Menschen, die daraus einen Beruf machen. Colonel John Blashford-Snell gehört zu Letzteren, und egal, wie eure verrückteste Geschichte lautet – er kann sie vermutlich toppen.

Der 1936 geborene Offizier der British Army ist auf dem Blauen Nil gerudert, er hat die berüchtigte Darién Gap überquert, er ist von Alaska nach Patagonien gefahren und hat in jeder Ecke der Welt nach Abenteuern gesucht. Wir haben mit ihm telefoniert (ja, die altmodische Kommunikationsform), um von einigen seiner interessantesten Erlebnisse zu erfahren. Viel Spaß!

Colonel Blashford-Snell posiert für ein Foto.
Markenzeichen: Blashford-Snell mit seinem Hut © Tarquin Cooper

Sprechen wir über Tiere, die außer Kontrolle geraten!
Oh, ich wurde schon von einem Elefanten angegriffen, von einem Büffel, von großen Wildkatzen… Von einem Krokodil wurde ich nur einmal attackiert. Es war nicht groß – etwa drei Meter lang – aber es war schnell! Es hat sich genähert und das Ende meines Gewehrs mit den Zähnen gepackt. Zum Glück war ich so geistesgegenwärtig, den Abzug zu betätigen.

Sie sind vielen wilden Tieren begegnet… Trotzdem behaupten Sie, der Mensch sei gefährlicher.
Natürlich! Ein Tier wird generell nur aus Gründen der Selbsterhaltung angreifen (mit Ausnahme von Kaffernbüffeln – die sind bösartig). Der Mensch ist heimtückischer. Während unserer Fahrt auf dem Blauen Nil hat uns eine Gruppe von Banditen entführt und Lösegeld verlangt. Wir mussten uns freikämpfen.

Sie waren vor kurzem auf Zypern. Hört sich nach Urlaub an…
Nordzypern. Teils Urlaub, teils Erkundung – ich arbeite mit einer Wohltätigkeitsorganisation zusammen, die Frischwasserbrunnen in Gegenden installieren möchte, die kein sauberes Wasser kriegen.

Ein Mann, der Abenteuer liebt
Close-up: John Blashford-Snell auf dem Kongo

Ihr Lieblingsland ist...
Ich liebe Neuseeland. Meine Eltern haben dort gelebt – mein Vater hat den örtlichen Verband für Pfadfinder gegründet und meine Mutter den für Pfadfinderinnen. In den 20er-Jahren war es noch ein wilder Ort. Heute ist das Terrain recht gut erschlossen, trotzdem ist es immer noch ein wunderbares Land für Erkundungstrips. Wie eine gigantische Version von Schottland.

Ein Mann, der Abenteuer liebt
Vor kurzem in Peru... © Scientific Exploration Society

War die Fahrt auf dem Blauen Nil Ihr riskantestes Abenteuer?
Nein, das war letzte Woche der Sturz aus meiner Hängematte! Doch, der Blaue Nil war vermutlich das gefährlichste Abenteuer. Wir hatten keine Ahnung, was uns erwartet und mussten Stromschnellen durchqueren, bevor Wildwasser-Rafting überhaupt erfunden wurde. Vor wenigen Jahren war [Red-Bull-Athlet] Steve Fisher bei mir, um über den Blauen Nil zu sprechen, vor allem über den Abschnitt, den wir ausgelassen haben – die Grand Inga Rapids. Ich habe ihm Karten und 8mm-Aufnahmen gegeben, die es später in den Film geschafft haben. Netter, junger Mann – nur hat er seine Red-Bull-Mütze nicht abgesetzt! Wir fragten uns schon, ob er vielleicht ein Problem am Kopf hat.

Haben Sie seinen Film inzwischen gesehen?
Erst letzten Monat! Hochdramatisch. Ich erinnere mich noch gut an die großen Strudel – in einem davon haben wir ein ganzes Boot verloren und die Crew nur knapp gerettet.

Ein Mann, der Abenteuer liebt
Entschuldigung, haben Sie auch Senf? © Scientific Exploration Society

Was ist der größte Vorteil, den Entdecker heutzutage haben?
GPS. Jeden Tag mittags anzuhalten, um die eigenen Koordinaten zu bestimmen, ist sehr zeitaufwändig. Hinzu kommt leichte, wasserdichte Ausrüstung. Was hätten Entdecker früher nicht alles für ein Paar moderner Dschungelstiefel gegeben!

Ein Mann, der Abenteuer liebt
Blashford-Snell sucht nach dem Riesenelefanten. © Scientific Exploration Society

Sind noch Traumreisen übrig?
Ich würde gerne die Halbinsel Kamtschatka im Osten Russlands besuchen, um den Sibirischen Tiger zu sehen. Die Jahreszeit ist ideal dafür – es gibt zwar viele Moskitos, trotzdem ist es deutlich erträglicher als im Winter. Vor 20 Jahren musste ich mich noch vom KGB zum Baikalsee eskortieren lassen, wo man den einzigen Binnenland-Seehund der Welt bewundern kann. Wir haben dort auch ein Feriendorf für Kinder gebaut, die nach der Tschernobyl-Katastrophe evakuiert werden mussten. Kurze Zeit später musste ich den KGB-Jungs dann London zeigen. Sie sind zu Harrods gegangen und haben dort so viel eingekauft, dass fünf Londoner Taxis voll waren.

Ein Mann, der Abenteuer liebt
Adler lassen sich überall nieder... © Scientific Exploration Society

Sie möchten auch neue Entdecker ermutigen...
Wir möchten die nächste Generation junger Entdecker dazu bringen, Spaß zu haben und sich Herausforderungen zu stellen – vorausgesetzt, dass sie gleichzeitig etwas für die Menschheit tun. In der Bewilligung von Zuschüssen besteht derzeit der größte Teil meiner Arbeit. Noch bin ich allerdings nicht im Ruhestand – im nächsten Monat reise ich nach Peru, um den Brillenbären zu sehen. Ihr wisst ja sicherlich, dass es sich dabei um die einzige südamerikanische Bärenart handelt!

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