Sieben unglaubliche historische Expeditionen

Lernt die Abenteurer kennen, die die gewaltigen Expeditionen der großen Entdecker nacherlebten.
Der Fluss schlängelt sich durch den Dschungel. © Tom McShane
Von Tarquin Cooper

Man sagt, die Entdecker schreiten voran und der Rest trottet einfach hinterher. In manchen Fällen sind die historischen Expeditionen aber auch heute noch ziemlich abenteuerlich, wie die Route des Polarforschers Scott zum Südpol oder die Route der spanischen Konquistadoren in Zentralamerika. Selbst kürzere und besser zugängliche Expeditionen, wie Napoleons Treck über die Alpen, können heutigen Abenteurern noch zu Ruhm verhelfen. Plant euer eigenes historisches Abenteuer oder lernt die Abenteurer kennen, die sich selbst auf den Weg machten.

Die Expedition von Burke und Wills durch Australien

Wo: Von Melbourne zum Golf von Carpentaria
Distanz: 3.250km
Geeignet für: Abenteurer mit viel Zeit
Gefahren: Hitze, Luftfeuchtigkeit, Moskitos und Sümpfe
Wissenswertes: Burke machte seinem Namen alle Ehre und lehnte die Hilfe der Aborigines ab. Sonst hätte er vielleicht überlebt.

Die Durchquerung Australiens von Norden nach Süden ist eine der schwierigsten Unternehmungen der Welt. Die Temperaturen in der Wüste steigen regelmäßig über 40 Grad, während die Luftfeuchtigkeit 80 Prozent erreichen kann.

Burke und Wills' Route durch Australien © zooom.at/Adi Sumic

Dave Phoenix ging die Route 2008 in fünf Monaten nach. Er hatte einen Hund namens Cooper dabei, benannt nach dem Cooper Creek, an dem Burke und Wills an Erschöpfung starben. „Am heißesten Tag stieg das Thermometer auf 44° Celsius“, so Phoenix hinterher. „Die letzten zehn Kilometer waren die härtesten des gesamten Trips. Wegen des Schlamms brauchte ich dafür drei Tage.“

Die Menindee Lakes in der Dämmerung.
Menindee Lakes, Australien © Getty Images/Flickr RF

Napoleons Überquerung der Alpen

Wo: Von Martigny nach Aosta
Distanz: 75km
Geeignet für: Skitourengeher und Bergsteiger
Gefahren: Lawinen
Wissenswertes: Der Pass ist berühmt für seine Bernhardiner Lawinenhunde. Die hatten entgegen der Legende allerdings nie eine Ration Brandy dabei (der allerdings in der Hütte verkauft wird).

Als Napoleons Truppen 1800 die Alpen überquerten, verzehrten sie dabei 22.000 Flaschen Wein, die sie von den Mönchen des Hospizes auf dem Grossen Sankt Bernhard erhielten.

Napoleons Überquerung der Alpen © zooom.at/Adi Sumic

Wer die zehn Kilometer zum Hospiz im Winter (der erwähnenswerteste Teil der Route) hinaufsteigt, erlebt ein echtes Abenteuer, denn man kommt nur auf Skiern oder mit Schneeschuhen herauf – und passiert einen Abschnitt, der wegen seiner Lawinengefahr berüchtigt ist. Im Gegensatz zu Napoleon muss man oben nach der Ankunft allerdings für den Wein bezahlen. Der französische General zog bekanntermaßen weiter, ohne zu bezahlen.

Der schneebedeckte Sankt Bernhard Pass in der Schweiz
In den Fußstapfen Napoleons am Sankt Bernhard © Tarquin Cooper

Die Lewis-und-Clark-Expedition durch Amerika

Wo: Von St. Louis zum Pazifik
Distanz: 6.000km
Geeignet für: Multisport-Abenteurer
Gefahren: Stromschnellen, Kentern, künstliche Hindernisse, Gewitterstürme
Wissenswertes: Clark musste nicht nur die üblichen Gefahren überstehen, sondern wurde auch von einem einäugigen Geigenspieler in den Hintern geschossen.

Der Lewis and Clark National Historic Trail erstreckt sich über fast 6.000 Kilometer quer durch Amerika entlang der überwältigsten und wildesten Landschaften, die das Land zu bieten. Der größte Teil der Route ist auf dem Wasser – die beiden Entdecker legten 3.000 Kilometer allein im Boot zurück – und die Gefahren sind seit ihrer Zeit gleichgeblieben. Einzelne Etappen können auch zu Fuß, mit dem Pferd oder dem Fahrrad zurückgelegt werden.

Die Lewis-und-Clark-Expedition durch Nordamerika © zooom.at/Adi Sumic

Im letzten Jahr bewältigte Janet Moreland als erste Frau einen großen Teil der Route und legte im Kajak, auf dem Rad und auf Skiern über 4.000 Kilometer auf dem Missouri und darüber hinaus zurück. Die Expedition dauerte sieben Monate.

Sie paddelte zwischen sechs und acht Stunden am Tag, überlebte schwere Gewitter und war in solcher Abgeschiedenheit unterwegs, dass sie Proviant für drei Wochen dabei hatte. „Das war das perfekte Abenteuer für mich“, so Moreland.

Ein junger Mann fährt im Kajak auf dem Clearwater River.
Der größte Teil der Route ist auf dem Wasser © Getty Images/All Canada Photos

Der Südpol: Gnadenlose Anstrengung

Wo: Antarktis
Distanz: 3.000km
Geeignet für: Ausdauer-Freaks
Gefahren: Schneestürme, extreme Kälte, Hungertod
Wissenswertes: „Ich geh mal eben raus und brauche vielleicht eine Weile.“ – Das waren die letzten heldenhaften Worte einer der Männer von Scott, bevor er hinaus in den Schneesturm ging, um zu sterben.

Es dauerte mehr als 100 Jahre, bis jemand auf den Spuren von Captain Scott und seinen Männern auf ihrer legendären Reise wandeln und ihre Reise zum Südpol und zurück vollenden würde. Die britischen Abenteuer starben nur einen Tagesmarsch von der Rettung entfernt, nachdem ihre norwegischen Rivalen den Nordpol vor ihnen erreicht hatten.

Scotts Expedition führte zum Südpol © zooom.at/Adi Sumic

Anfangs dieses Jahres bewältigten Ben Saunders und Tarka L'Herpiniere die insgesamt 2.888km lange Strecke in 105 Tagen. Das Paar zog 200kg schwere Schlitten, ertrug von Temperaturen von bis zu -46°C und wurde beinahe Opfer von Unterkühlung und Hunger.

„Ich kam hierher, um herausgefordert und auf die Probe gestellt zu werden, um mich mit aller Energie der härtesten Aufgabe zu stellen, die ich mir jemals gestellt habe“, sagte Saunders damals. Man kann wohl sagen, dass ihm das gelungen ist.

Saunders wird zum Südpol und zurück wandern. © Andy Ward

La Ruta de los conquistadores

Wo: Costa Rica
Distanz: 470km
Geeignet für: Mountainbiker, die den Dschungel (und Kaffee) lieben
Gefahren: Feuchtigkeit, Ungeziefer und Unterkühlung (ja, wirklich).
Wissenswertes: Die Route durchkreuzt neun Mikroklimata.

Die Ruta gilt als das „härteste Mountainbike-Rennen des Planeten“, und das aus gutem Grund. Das Rennen dauert vier Tage und führt quer durch Costa Rica, mit mörderischen 11.887 Klettermetern durch Klimazonen hindurch, die von dunstigem Dschungel bis zu ungesichertem Vulkangebiet reichen.

Die Ruta de los Conquistadores in Costa Rica © zooom.at/Adi Sumic

Dennoch, das ist sehr viel schneller als Juan de Cavallón, der 20 Jahre brauchte, um die beeindruckende tropische und bergige Landschaft des Landes zu durchqueren. Die Belohnungen sind jedoch gleich – schmerzende Beine, aber unendlicher Ruhm.

Teilnehmer tragen ihre Räder während des La Ruta-Radrennens.
La Ruta: Mehr als nur ein Radrennen © J. Andrés Vargas - Lead Adventure Media

Die Route du Rhum

Wo: Von Saint Malo (Frankreich) nach Pointe-à-Pitre (Guadeloupe)
Distanz: 6.500km
Geeignet für: Segler und Boote aller Art
Gefahren: Stürme, Kentern, Erschöpfung
Wissenswertes: Die Route hat in Wirklichkeit kaum etwas mit dem Rumhandel zu tun.

Die Route du Rhum ist ein klassisches Solo-Transatlantik-Rennen, das einzigartig ist, da es Boote aller Klassen – von super schnellen Mehrrumpfbooten bis zu kleinen Hochseeyachten – sowie Profi-Skipper und Amateure gleichzeitig anzieht. Sie alle haben einen Wunsch gemein: sich dem Meer und all dem, was es bereithält, stellen.

Die Route du Rhum überquert den Atlantik © zooom.at/Adi Sumic

Trotz des Namens gibt es keine offizielle Verbindung zum historischen Rumhandel. Das Rennen wurde ursprünglich erdacht, um das Rumgeschäft in der Karibik zu fördern und Guadeloupe erzeugt einige der reinsten und stärksten Rumsorten, die bei Seeleuten sehr beliebt sind. Diejenigen, die die Überquerung schaffen, erwartet ein sehr warmer Willkommensgruß.

Menindee Lakes in der Abenddämmerung.
Banque Postale bei der Route du Rhum-Segel-Regatta © AFP PHOTO / MARCEL MOCHET

Den längsten Fluss der Welt entlanglaufen

Wo: Nil
Distanz: 6.500km
Geeignet für: Abenteuer der alten Schule
Gefahren: Krokodile, Malaria, Stromschnellen, Wüstensoldaten...
Wissenswertes: Die Abenteurer des 19. Jahrhunderts schafften es nicht, dem Nil zu folgen

Es ist eine der beeindruckendsten Wanderungen der letzten Jahre. Levison Wood folgte dem Nil in seiner gesamten Länge von seiner Quelle in Ruanda bis zur Mittelmeerküste von Ägypten.

Damit gelang dem 31-järigen Engländer das, was zahllose Abenteuer vergeblich versuchten. Die Suche nach der Quelle des Nils war vor 150 zwar eine der großen geographischen Herausforderungen, doch keinem der großen Entdecker gelang es, dem Nil von Anfang bis Ende zu folgen.

Der Nil ist der längste Fluss der Welt © zooom.at/Adi Sumic

„Das war das Abenteuer meines Lebens“, berichtete Levison den Medien. „Man kann ein Land auf so viele unterschiedliche Weisen erkunden und ich empfinde es als ein Privileg, zu Fuß durch sechs verschiedene Länder zu gehen, und so unterwegs Menschen verschiedener Kulturen kennenzulernen.“

Manchmal bedeutet "laufen" eher "waten". © Tom McShane

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