Höhenflug auf dem Karakoram Highway

Ihr sucht Abenteuer in luftiger Höhe? Dann fliegt mit Tom de Dorlodot und seinem Team über Pakistan.
© Krystle Wright/Red Bull Content Pool
Von Evan David

Tom de Dorlodot ist momentan zwar außer Gefecht gesetzt, aber keine Sorge – er ist auf dem Weg der Genesung. In der Zwischenzeit könnt ihr ihn auf einem anderen Weg begleiten, den er gegangen – oder viel mehr geflogen ist. „The Road to Karakoram“ ist eine Dokumentation, die ihn bei seinem Gleitschirmabenteuer in Pakistan begleitet.

Der Film gewann beim Coup Icare Freeflight-Festival eine Auszeichnung und wurde auf vielen großen Outdoor-Filmfestivals wie dem Kendal Film Fest gezeigt.

Ein Wahnsinnsausblick © Krystle Wright/Red Bull Content Pool

„The Road to Karakoram“ nimmt uns mit auf ein luftiges Abenteuer über 8.000-Meter-Berge in Pakistan – Toms Lieblingsort zum Fliegen. „Es ist einfach der beste Ort der Welt. Pakistan ist unglaublich. Dort findet man die höchsten Berge, den größten Spaß und die besten Flugbedingungen, die man nur haben kann. Und dazu ist es noch äußerst abgeschieden!“

Die Piloten fliegen oft in solchen Höhen – meist auf etwa 7.000 m – dass sie Sauerstoff benötigen, um vollkommen bei Bewusstsein zu bleiben und die Kontrolle über ihre Gleitschirme zu behalten. Sie fliegen jedoch nicht nur sehr hoch – sie sind auch noch fernab jeglicher Zivilisation und überfliegen zum Beispiel den Baltoro-Gletscher, in dessen Umgebung es in einem Umkreis von 60 Kilometern keine Landemöglichkeit gibt.

Sauerstoff ist ein Muss © Tom de Dorlodot

Der Film dauert über 40 Minuten, und laut de Dorlodot sind vor allem am Ende einige der schönsten Ausblicke zu sehen – aber eigentlich solltet ihr euch wirklich die Zeit nehmen, den ganzen Film anzusehen. (Bonus: Auf Vimeo kann man den Film mit französischen oder spanischen Untertiteln ansehen!) Nur wer den Film in ganzer Länge sieht, kann das wunderschöne Terrain auch wirklich genießen. Auch Red Bull Athlet David Lama nutzte die Aufnahmen, um sich auf seinen Aufstieg auf Masherbrum vorzubereiten.

„David rief mich vor seiner Reise an“, erzählt Tom, „und fragte, ob er einige Aufnahmen ansehen könnte, die wir von unseren Gleitschirmen aus gemacht hatten. Auf Google Earth kann man schon viel sehen, aber es ist nicht das Gleiche wie tatsächliche Aufnahmen von einem Gletschereisstiel oder einem Gletscher. Ich kann nicht glauben, dass er den Berg besteigen will – dort kommen andauernd und überall Lawinen herunter. Der Berg lebt!“

Tom de Dorlodot hoch über Pakistan © Krystle Wright/Red Bull Content Pool

Ab einer Höhe von 6.000 Metern ist man allein.

Natürlich war der Flug von de Dorlodot, Horacio Llorens und Hernan Pitocco auch nicht weniger gefährlich. Thermische Aufwinde mit einer Geschwindigkeit von 10m/s, wenig Sauerstoff und niedrige Temperaturen machten die Reise zu einer wahren Herausforderung – Llorens verlor auf 7.000 m sogar einmal das Bewusstsein. „Wenn der Sauerstoff schwindet, kann das lebensgefährlich werden!“, sagt de Dorlodot. „Ab einer Höhe von 6.000 Metern ist man allein, und niemand kann kommen, um einen zu retten.“ Auch für die Filmcrew bestehend aus Olivier Van Ashen und Thibault Darscotte war es eine Herausforderung. „Bei seinem ersten Gleitschirm-Tandemflug ging es für Olivier gleich auf über 7.000 Meter“, sagt Tom. „Als er die Kamera bedienen wollte, um zu filmen, froren seine Hände fast ein!“

Eigentlich hatten sich de Dorlodot und das Team zwei Ziele gesetzt: Sie wollten neue Rekorde für den höchsten Flug (unter Kontrolle) und die längste Strecke der Welt aufstellen. Leider haben sie weder den einen noch den anderen Rekord brechen können, doch zumindest hält Tom jetzt den Rekord für die längste Flugstrecke im Himalaya. Ihr Ziel steht jedoch immer noch – ein Flug auf 8.000 Metern Höhe.

An einem gewissen Punkt sagt dir dein Hirn, ‚Hey, du solltest jetzt wieder tiefer fliegen!‘

„Man braucht die perfekten Bedingungen, um so hoch zu kommen – und die hat man nur an ein paar Tagen im Jahr!“ Wie stellt sich Tom einen Flug in der Höhe vor? „Zum einen verhält sich ein Gleitschirm in so dünner Luft ganz anders – man fliegt viel schneller! Zum anderen fühlt es sich irgendwann nicht mehr natürlich an, so hoch wie möglich zu fliegen. Ich würde es mit dem Tieftauchen vergleichen. An einem gewissen Punkt sagt dir dein Hirn, ‚Hey, du solltest jetzt wieder tiefer fliegen!‘“

Am Ende hat es sich jedoch gelohnt – schon allein für den Ausblick. „Der Himmel ist so klar, und man hat einen enorm weiten Blick“, sagt Tom. „Wir konnten die gesamte Strecke von Chitral, an der Grenze Afghanistans, bis zum K2 sehen – das sind über 350 Kilometer!“

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