Die 4 härtesten Passagen in den Dolomiten

Andi Goldberger, Benjamin Karl & Co über das ihnen bevorstehende Leiden beim Red Bull Dolomitenmann.
Red Bull Dolomitenmann 2013 © Philipp Schuster / Red Bull Content Pool
Von Michael Schwarz

Am 10. September 2016 stellen sich einige der härtesten Männer unter der Sonne in Lienz dem mittlerweile legendären Teambewerb Red Bull Dolomitenmann. Wir haben mit vier (prominenten) Teilnehmern gesprochen und sie gefragt, mit welchen Streckenpassagen sie eine besondere Hassliebe verbindet.


1. Berglauf

2.000 Höhenmeter, zahlreiche Rhytmuswechsel, extreme Steigungen: Auf die Teilnehmer wartet einer der härtesten Bergläufe der Welt.

Andreas Goldberger (Wings for Life Team): So etwas wie Zeit zum Ausruhen gibt es beim Red Bull Dolomitenmann sowieso nicht, nur: Es gibt zwei Teilstücke, mit denen ich bisher immer besonders zu kämpfen hatte. Zum einen ist das der Goggsteig, also der erste Anstieg nach den Start. Du bist vorher ja drei Kilometer mit Vollgas im Flachen unterwegs, bevor es plötzlich felsig und steil wird. Die 360 Höhenmeter bis zur Gogghütte fühlen sich wie 3.000 Höhenmeter an, weil man eine Zeit lang braucht, um sich auf den Wechsel vom Flachen ins Steile einzustellen.

Wirklich brutal wird es dann noch während des letzten Anstiegs zum Kühbodentörl. Da verschießt man endgültig seine letzten Körner – umso schöner ist das Gefühl, endlich im Ziel zu sein.

Stellt sich dem Berglauf: Andreas Goldberger © Mirja Geh / Red Bull Content Pool


2. Paragliding

Nach dem Start in 2.441 Meter Höhe gleiten die Teilnehmer die Dolomiten entlang. Nach einer Zwischenlandung wartet ein 500-Meter-Aufstieg – zu Fuß – bevor die Paraglider in Laisach zu einer Punktlandung ansetzen.

Paul Guschlbauer (Red Bull Team): Der letzte Lauf zur Moosalm, wo der zweite Start stattfindet, ist richtig hart. Du warst gerade noch in der Luft und tust dich extrem schwer, dich auf das Laufen umzustellen. Heuer wird es besonders spannend, weil die Strecke etwas verändert wurde. Bisher war der Anstieg ja ziemlich konstant, diesmal wird es zu Beginn gleich recht steil losgehen, dann kommt ein Flachstück und am Ende wird es noch einmal so richtig, richtig steil.

Wie ich mich darauf vorbereitet habe? Durch kurze, aber intensive Trainingsintervalle, damit ich eine gewisse Spritzigkeit bekomme, da ich ja sonst eher längere Distanzen gewohnt bin – siehe Red Bull X-Alps. Sonst gibt es beim Red Bull Dolomitenmann für uns Paraglider nur eine Regel: Fehler – vor allem beim Start  – sind tabu, sonst verlierst du in der Einzelwertung gleich mal eine halbe Minute.

Will ins Spitzenfeld: Paraglider Paul Guschlbauer © Mirja Geh / Red Bull Content Pool


3. Mountainbike

Streckenlänge: 26 Kilometer, Höhenunterschied: 1.600 Meter, Durchschnittsgefälle:
26,4 %, 15 Pflichttore. Noch Fragen?


Benjamin Karl (Wings for Life Team): Der erste Anstieg ist schon brutal. Man ist noch kalt und schon musst du an deine Grenze gehen. Spätestens dort stellst du dir die Frage: „Warum tue ich mir das an?“ Natürlich gibt es bergauf auch große Unterschiede zwischen den Fahrern, aber als wilder Hund beim Downhill kann man gegenüber guten Uphillern noch die eine oder andere Minute herausholen oder gutmachen.

Die Tragepassage kurz vor dem Hochsteinkreuz ist brutal. Man(n) ist schon kaputt vom Fahren, du probierst, alle Schmerzen nochmal auszublenden und da mit dem Bike am Rücken die 150 Höhenmeter so schnell wie möglich hinaufzulaufen, natürlich immer mit dem Gedanken an das Team!

Startet im Mountainbike-Rennen: Benjamin Karl © Mirja Geh / Red Bull Content Pool


4. Wildwasserkajak

Ein 7-Meter-Klippensprung beim Start, danach fünf Kilometer Wildwasserregatta mit Slalom – und 35 Minuten Kampf gegen die Strömung der Drau und Isel.

Tobias Bong (Rise & Fall): Also die härteste Passage ist wahrscheinlich die sogenannte "Drau-Walze." Wenn man hier die schnellste Route fahren will, muss man einmal durch die Walze traversieren, um das kommende Abwärtstor zu erwischen. Manchmal kann man jedoch nicht ganz beeinflussen, wie man aus der Walze herauskommt. Es kann passieren, dass man „eskimotieren“ muss. Außerdem sind die beiden Aufwärtspassagen auf der Drau sehr hart, weil sie unheimlich anstrengend sind und es wichtig ist, die optimale Linie zu treffen. Hier wird die Zeit gemacht!

Besonders wichtig ist auch der Klippenstart: Der Sieben-Meter-Sprung sind schon enorm und da hofft man, dass die Spritzdecke nicht „aufplobbt“, da ansonsten schnell 15 Liter Wasser im Boot sind und man somit das Rennen quasi schon beenden kann, bevor es richtig angefangen hat. Außerdem sind die Passagen am Inselkatarakt wichtig: Auf den rutschigen Steinen gilt es, keine Zeit zu verlieren, aber dennoch nicht auszurutschen oder sich gar zu verletzen.

Extreme Herausforderung: Der Wildwasserkanal © Mirja Geh / Red Bull Content Pool
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