Der Mann, für den immer Wochenende ist

Jim Harris erlebt Abenteuer – haufenweise. Uns erklärt der Fotograf unsere Lieblingsbilder.
Von Brendan Leonard

Jim Harris‘ Leidenschaft für Fotografie hat ihn in die Mongolei, die Alpen und die Antarktis geführt. Er hat eine Menge Zeit damit verbracht, zu klettern, Ski zu fahren und neue Horizonte zu erschließen. Wir haben ihn nach einigen seiner Lieblingsbilder gefragt.

Jim Harris
Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Wrangell-St. Elias National Park, Alaska
Im Jahr 2009 habe ich mit drei Freunden den Wrangell St. Elias National Park durchquert – zu Fuß und per Rafting. Zu gefährlichen Begegnungen mit Bären kam es nicht, aber wir haben einige gesehen. Auf dem Bild sieht man Bärenspuren und darüber meinen Handabdruck.

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Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Chris Davenport, Antarktis
Wer auf der Wand, auf der Chris Davenport sich hier befindet, stürzt, landet wahrscheinlich in brechenden Wellen – das Risiko ist hoch, aber die Kulisse ist umwerfend. Wir haben die 965 km lange Bootsfahrt zur Antarktischen Halbinsel innerhalb von drei Tagen zurückgelegt. Bis dahin war es noch nie vorgekommen, dass ich kein Land mehr gesehen habe! Immerhin war ich seefest. In der Antarktis Ski zu fahren, gehört zu den coolsten Erfahrungen meines Lebens.

Jim Harris
Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Granite Range, Wrangell-St. Elias National Park, Alaska
Im Gegensatz zu den meisten anderen Buschpiloten ist Paul Claus ein Bergsteiger – er hat ein paar Erstbesteigungen in den Wrangells absolviert und ist ansonsten auf der ganzen Welt geklettert, u. a. im Himalaya. Dadurch hat er ein Verständnis für Berge, das den meisten anderen Piloten meiner Meinung nach fehlt. Zudem schätzt er Skifahrer und Bergsteiger.

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Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Mt. Bona, Wrangell-St. Elias National Park, Alaska
Andrew McLeand wollte auf einem Gipfel namens Mount Bona (5005 Meter) Ski fahren. Als wir dort ankamen, war die Bergwand völlig durchbrochen – 2400 Meter Eisfall. Schnee war fast gar nicht mehr vorhanden. Wir sind in 900 bis 1000 Metern Höhe gefahren, wo sich auf dem Gletschereis eine kalte, dünne Schneedecke befand. Wir waren drei Tage dort, und ich habe beim Camping noch nie so gefroren.

Jim Harris
Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Solveig Waterfall, Waddington Range, British Columbia
Auf diesem Foto sieht man Solveig Waterfall bei der Abfahrt von Waddingtons Nordwest-Gipfel. Es gibt dort viele große Gletscher inklusive Gletscherspalten. Es ist vermutlich eine der verwittertsten Gegenden an der Küste, weil sie nur 40 km vom Salzwasser entfernt liegt und jeden Sturm abkriegt, der vom Pazifik kommt. Dadurch entstehen Riesengletscher, und diese Riesengletscher sorgen für breite, tiefe Gletscherspalten.

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Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Mike Curiak, Main Fork vom Salmon River, Idaho
Forrest McCarthy hat sich diesen Packrafting- und Wanderrundweg ausgedacht. Wir nannten in „Fluss mit Wiederkehr“, was auf den anderen Namen des Flusses, „Fluss ohne Wiederkehr“, anspielt. In der Woche haben wir rund 240 Kilometer zurückgelegt – 185 km auf dem Fluss und 55 km zu Fuß. Der anstrengendste Tag war der, an dem wir knapp 2000 Meter aus Main Fork – der zweittiefsten Schlucht in Nordamerika, tiefer als der Grand Canyon – hinausgeklettert sind.

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Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Neon Canyon, Grand Staircase-Escalante National Monument, Utah
Dieser Ort wird Golden Cathedral genannt. Es gibt dort in der Gegend eine seltsame Formation: Am Ende des technischen Abschnittes der Klamm muss man sich ein paar Mal abseilen und Gletschertöpfe durchschwimmen und dann gelangt man dort hin.

Jim Harris
Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Alex Stoy, Choprock Canyon, Grand Staircase-Escalante National Monument, Utah
Choprock Canyon ist nicht ungefährlich. Dort fließt enorm viel Wasser durch und kilometerweit findet man viele Nebenflüsse. Beim Canyoning sorgt das für zusätzliche Gefahren: Selbst wenn es in der Schlucht selbst nicht regnet, kann es dort doch zu Sturzfluten kommen, wenn acht oder zehn Kilometer entfernt ein Gewitter wütet.

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Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Jim Holland und Alex Stoy, Grand Staircase-Escalante National Monument, Utah
Dies ist der Subway-Abschnitt vom Choprock Canyon. Er wurde nach Zions Subway-Canyon benannt. Der Grim-Abschnitt hat es wirklich in sich – dort sind schon Menschen gestorben. Man muss über lange Strecken in 10 °C kaltem Wasser schwimmen, und es gibt Treibholzansammlungen, die zehn, zwölf oder 15 Meter in die Höhe ragen. An einigen Stellen war mein Helm zu breit für die Lücken. Ich musste ihn absetzen, um hindurchschwimmen zu können und konnte ihn erst an breiteren Stellen wieder aufsetzen.

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Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Luc Mehl, Pico de Orizaba, Mexiko
Wir haben außerhalb von Mexiko-Stadt diese billigen Räder gekauft und sind damit drei Tage lang auf eine Höhe von 4.000 Metern geradelt, wo sich auf der Nordseite vom Pico de Orizaba ein Refugio befindet. Der Pico de Orizaba ist gut 5600 Meter hoch und damit der dritthöchste Berg in Nordamerika. Wir ließen die Räder am Refugio zurück, stiegen auf den Berg, kamen wieder herunter, aßen Mittag und fuhren weiter. Wir mussten auf den beschissenen Fahrrädern 3,6 Kilometer bergab fahren – dabei mussten wir andauernd anhalten, um Bremsbeläge auszutauschen oder lockere Speichen wieder zu befestigen.

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Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Neil Provo, Ostkaskaden
Holden Village ist eine Kupferminenstadt in den östlichen Kaskaden. Die Mine wurde jedoch bereits 1950 geschlossen. Erst Jahre später schenkte die Minengesellschaft der Kirche die komplette Mine samt Stadt und jetzt ist es ein spirituelles Zentrum der Lutheraner. Einige Bürger betreiben Skilanglauf, doch die meisten Leute wissen gar nicht, welche Ski- und Snowboard-Möglichkeiten sich direkt vor ihrer Haustür befinden. Wir blieben eine Woche vor Ort und gingen jeden Tag auf dem Berg Skifahren.

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Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Forrest McCarthy und Gregg Treinish, Mongolei
Hier fahren wir gerade mit unseren Skiern über Aufeis. Als „Aufeis“ bezeichnet man das Phänomen, wenn Quellwasser auf kaltes Klima trifft und gefriert. Dabei tritt ständig neues Wasser durch Risse an die Oberfläche und gefriert, sodass sehr dicke Eisschichten entstehen. Es besteht daher auch nicht die Gefahr, dass man einbricht.

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Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Forrest McCarthy, Mongolei
Forrest McCarthy betrachtet seinen Sonnenbrand von zwei Wochen. Wir befanden uns auf einer 23-tägigen Durchquerung der Mongolei. An der Außenstation einer Lodge pausierten wir, um unsere Vorräte mit Lebensmitteln aufzufüllen, die uns ein Helfer dorthin gebracht hatte. Ich nahm diesen Spiegel und betrachtete meine aufgesprungenen Lippen und meinen Sonnenbrand. Ich legte ihn zur Seite und griff nach meiner Kamera. In dem Moment hatte Forrest den Spiegel auch schon zur Hand genommen und begutachtete nun den Sonnen- und Windbrand, den er sich innerhalb von zwei Wochen zugelegt hatte.

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Jim Harris © Jim Harris / Perpetual Weekend

Forrest McCarthy, Labyrinth Canyon, Utah
Große Teile vom Süden Utahs waren wenige Wochen vorher bei einem Unwetter überflutet worden. In der Wüste kann man nach heftigen Fluten ein seltsames Phänomen beobachten: Der aufgewühlte Schlick bildet Ablagerungen aus Treibsand. Das ist nicht gefährlich, aber sehr frustrierend, wenn man ständig dagegen ankämpfen muss, dass die Schuhe stecken bleiben.

Ich glaube, als ich das Foto schoss, war Forrest sehr frustriert und sagt etwas wie „Pack die verdammte Kamera weg und hilf mir lieber“, und ich antwortete „Nein, nein, du schaffst das schon“.

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