Das Kult-Abenteuer des Jahres?

Will Gadd und Gavin McClurg für ihren Flug über die Rockies als „Abenteurer des Jahres“ nominiert
Von Katy Dartford

Der Flug dauerte insgesamt 35 Tage und die zurückgelegte Strecke betrug 650km, von den entlegenen kanadischen Rockies bis zur US-Grenze. Als Gavin McClurg und Will Gadd im August starteten, wussten sie, dass es kein normaler Biwakflug, sondern der längste „wahre Gleitschirmflug” aller Zeiten sein würde – jede Weiterbewegung nach vorne musste fliegend erfolgen, damit sie eine kontinuierliche Flug-GPS-Spur der Route vom Start bis zum Ziel erstellen konnten. Hat sich die Mühe gelohnt? Offensichtlich – das Paar ist nun für die Auszeichnung „National Geographic Adventurers of the Year“ nominiert. (Wählt sie hier, damit sie die Publikumswahl gewinnen.)

„Es macht mich wirklich demütig, es ist phänomenal und ich freue mich sehr. Ich bin begeistert!“

„Für mich ist es klar, dass man jedes geographische Ziel erreichen kann, wenn man den Gleitschirm trägt, statt mit ihm zu fliegen“, so Will. „Man lernt nichts, wenn im Boden des Tals einen Weg entlang läuft. Aber es gibt so viele unbeschreibliche Erfahrungen, wenn man sich auf das Fliegen konzentriert und dann die Landschaft an den Tagen erkundet, an denen man nicht fliegen kann.“

Wandern in den Rocky Mountains.
Lieber nasse Füße als ein nasser Gleitschirm © Jody MacDonald

Diese Art des Fliegens und Zeltens in freier Natur ist als „Vol Bivouac“, zu Deutsch Biwakflug bekannt. Weil das Terrain so unwegsam war, wollten sie so viel wie möglich fliegen und jede Nacht weit oben landen.

Routen-Check in den Rocky Mountains.
„Wir fliegen von hier nach hier, dann nach hier…” © Jody MacDonald

Das Überfliegen der Berge war wirklich atemberaubend. „Es verkörperte in einem einzigen Unterfangen alles, was ich an diesem Sport liebe“, stimmt Gavin zu. „Das war das Furchterregendste und Gefährlichste, was ich bisher gemacht habe. Es war intensiv. Durch ein weites Gebiet zu fliegen, durch das zuvor noch nie jemand geflogen war, war wirklich cool. Dass man so was in der heutigen Welt noch machen kann, ist erstaunlich. Andere Leute haben längere Flüge geschafft, aber sind dabei auch tagelang gewandert. Was wir gemacht haben, war wahrhaftiger“, sagt Gavin.

Das war das Furchterregendste und Gefährlichste, was ich bisher gemacht habe.

Zelten in den Rocky Mountains.
Irgendwo muss man ja die Nacht verbringen... © Jody MacDonald

Keine Frage, sie machten es auf ihre Art. „Wir campten in Zelten weit oben in den Bergen, wo es weitaus mehr Grizzlybären als Menschen gab. Leute, die noch nicht in den Rockies waren, können sich schwer vorstellen, wie wenig „zivilisiert“ die Berge sind“, sagt Will.

Man lernt nichts, wenn im Boden des Tals einen Weg entlang läuft.

Wandern in den Rocky Mountains.
Einer der seltenen Momente am Boden © Jody MacDonald

Gadd weiter: „Dort, wo wir waren, konnte man nicht zu Fuß gehen; keine Straßen, keine Pfade, breite Flüsse, die man nicht durchschwimmen konnte, lediglich die wilde Natur, Kein Vergleich zu den Alpen oder anderen Bergen, über die ich schon geflogen bin. Wir haben auf der 350km langen ersten Flugstrecke nur eine einzige asphaltierte Straße überquert, und auf der gesamten Strecke vielleicht zehn Städte, wo man ein Bier hätte kaufen können. Wir mussten fliegen, um da herauszukommen!”

Routen-Check in den Rocky Mountains.
Im Hinterland, aber nicht ohne Kontakt © Jody MacDonald

Während ihres Monate währenden Abenteuers erlebten die beiden zwei lange Schlechtwetterphasen, die sie jeweils für mehr als eine Woche völlig blockierten – doch letztlich hat es sich gelohnt. Und was die Auszeichnung betrifft – „Ich kann es nicht fassen…“, sagte Gavin, als er von seiner Nominierung erfuhr. „Es macht mich wirklich demütig, es ist phänomenal und ich freue mich sehr. Ich bin begeistert!“

Gleitschirmflug über die Rocky Mountains.
Man sieht kilometerweit in die Ferne © Jody MacDonald

Will stimmt ihm zu. „Es gab so viele fantastische Momente; als wir auf besseres Wetter warteten und riesige neue Höhlengebiete entdeckten, als wir bei starkem Wind flogen, der mich wirklich antrieb, als wir über wilde Gipfel flogen, in deren Nähe wirklich noch niemand geflogen war; so viele Dinge, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Doch weil wir es gewagt und versucht haben, haben wir gewonnen, und das ist eine Lehre, die mir einfach immer wieder viel gibt…herrlich!“

Die Auszeichnung ist nicht die einzige gute Nachricht für McClurg. Er wurde gerade als Teilnehmer für die Red Bull X-Alps nächsten Sommer angenommen – ein 1.000km langes „Hike-und-Fly“-Rennen über die Alpen, von Salzburg nach Monaco.

„Das ist die Definition wahren Abenteuers“, sagt er. „Ich freue mich riesig.
 

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