Abenteuer mit zusätzlicher Herausforderung

Für diese Menschen sind das Erklimmen von Bergen oder der Lauf durch eine Wüste extraschwierig.
Lüderitz Speed Challenge © Jonathon Tait
Von Evan David

Abenteuer sind anstrengend – und das sollen sie auch sein. Deshalb handelt es sich ja um Abenteuer! Für die Outdoor-Helden, die wir euch unten vorstellen, kommt jedoch noch eine Schwierigkeit hinzu – z. B. die Tatsache, dass sie ihre Hände, Füße oder Augen nicht nutzen können. Trotzdem sind sie der Inbegriff von „Willenskraft“ und nehmen Herausforderungen an, die selbst für Durchschnittsmenschen beeindruckend wären! Im Folgenden lernt ihr sechs Athleten kennen, deren Leistung lediglich von ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit übertroffen wird.

Ein Rennen blind bestreiten

Athlet: Vladmi Virgilio Moreira dos Santos
Disziplin: Dauerlauf
Herausforderung: Blindheit
Riesenerfolg: Abschluss der Atacama Desert Crossing

Die Atacamawüste erstreckt sich hunderte von Kilometern quer über Südamerika, und obwohl es sich um eine Wüste handelt, müssen neben endlosen Sandflächen auch Bäche und Felslandschaften bewältigt werden. Was viele als härtesten Wettlauf in der Adventure-Welt bezeichnen würden, war für Vladmi Virgilio Moreira dos Santos noch um einiges schwieriger: Er absolvierte den Wettkampf blind, und zwar mithilfe seines Kollegen Alex Silva de Lima, der ein kleines Seil nutzte, um dos Santos durch die Wüste zu leiten. Das Duo benötigte zwei Tage, um den (sehr heißen) Wettlauf abzuschließen.

Ein Straßenrennen auf dem Skateboard

Jesse in Aktion © Wing for Life World Run

Athlet: Jesse Swalley
Disziplin: Skateboarding
Herausforderung: Lähmung
Riesenerfolg: Wings for Life World Run

Jesse Swalley erlebt jeden Tag ein Abenteuer – denn die Lähmung seiner linken Körperhälfte hält ihn nicht vom Besuch des Skateparks ab. Mithilfe von „Schiebern“ an seinen Händen befördert er sich selbst aufs Skateboard und konnte so im letzten Jahr auch am Wings for Life World Run teilnehmen. Sein größter Nachteil – und Vorteil? Hügel. „Was mich beim Skaten am meisten beeinträchtigt, ist der Weg bergauf. Manchmal bin ich dann so langsam, dass Leute mich zu Fuß überholen können“, so Jesse. „Aber bergab gleicht sich das wieder aus – da kann ich mich ausruhen!“

Athletin: Karen Darke
Disziplin: Klettern, Tourenski, Adventure
Herausforderung: Lähmung von der Hüfte abwärts
Riesenerfolg: Expeditionen im Himalaya

Karen Darke war ihr Leben lang Abenteurerin – und als sie im Alter von 21 Jahren nach einem Unfall ihre Beine nicht mehr benutzen konnte, ließ sie sich davon nur kurz ausbremsen. Seitdem klettert sie wieder, sie fährt Handbike und erkundet Hochgebirge – u. a. den Himalaya. Bei diesem Trip musste sie auf dem Karakoram Highway 1400 Kilometer von Kirgisistan nach Pakistan zurücklegen – einer der schönsten Routen der Welt. Wenn sie nicht gerade mit dem Handbike Gebirgsketten bezwingt, klettert sie trotzdem und plant neue Abenteuer. Besucht ihre Website karendarke.com.

Alpenflug mit einem Rollstuhl

Athlet: Vincent Delepeleire
Disziplin: X-Country-Gleitschirmfliegen
Herausforderung: Die Teilnahme an den Red Bull X-Alps
Riesenerfolg: Er hat die Red Bull X-Alps auf beeindruckende Weise beendet!

Die Überquerung der Alpen ist keine leichte Aufgabe, egal wie sie anpackt. Aber man kann sagen: Niemand ist so taff wie Vincent Delepeleire. Warum? Er hat es ohne den Einsatz seiner Beine geschafft. Delepeleire, der seine Beine seit einem Arbeitsunfall im Jahr 2011 nicht mehr benutzen kann, nahm im letzten Sommer mithilfe dreier Freunde am Alpen-Abenteuer teil. Unter dem Motto „Alle für einen“ fuhren sie allesamt Handbikes. Die Gruppe schaffte es in 22 Tagen von Salzburg nach Monaco.

Klettern wie ein Rockstar

Wild One © Wildonemovie.com

Athlet: Philippe Ribiére
Disziplin:
X-Country-Gleitschirmfliegen
Herausforderung:
Rubinstein-Taybi-Syndrom
Riesenerfolg:
Hat’s einfach drauf

Das Rubinstein-Taybi-Syndrom – von dem die Ärzte glauben, dass Philippe Ribiére es seit Geburt hat – beeinflusst Wachstum und Entwicklung von Muskeln und Knochen. Doch es hat Philippe nicht davon abgehalten, ein Profi-Kletterer zu werden. „Jeden Tag befreie ich mich von meinem Handicap“, sagt Ribiére. „Es ist wunderbar und dank des Kletterns sind die Ergebnisse fantatstisch.“

Wild One © Wildonemovie.com

Ribiére begann mit dem Klettern, nachdem seine Ärzte und seine Adoptiveltern ihn ermunterten, den Sport auszuprobieren. Vor kurzem wurde die Dokumentation „The Wild One“ gedreht, die ihn bei seinem Sport und auf seiner Suche nach seinen leiblichen Eltern begleitet. Den Trailer könnt ihr euch hier ansehen.

Geschwindigkeitsrekord mit dem Kiteboard

Luderitz Speed Challenge © Jonathon Tait

Athlet: Chris Ballois
Disziplin:
Kiteboarden
Herausforderung:
Prothese am linken Arm
Riesenerfolg:
Geschwindigkeitsrekord von 40 Knoten auf einem Kiteboard

Um ein Surfboard zu lenken, braucht man Füße. Doch die helfen einem nicht, wenn man auf einem Kiteboard steht – zum Glück ist das für Chris Ballois kein Problem. Er wurde zwar mit einer Behinderung am linken Arm geboren, doch der Windsport-Enthusiast hat dennoch einen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. In Luderitz, Namibia, erreichte er auf dem Wasser eine Geschwindigkeit von 43 Knoten (80 km/h). Unter all den Surfsportarten, die Ballois betreibt, zählt das Speedkiten zu seiner Lieblingssportart. „Es ist eine Mischung aus Adrenalin, Kontrolle und Technologie!“

Kletterer Jamie Andrews © Thiago Diz

Athlet: Jamie Andrew
Disziplin:
Klettern, alpines Bergsteigen
Herausforderung:
Bergsteiger ohne Hände und Füße
Riesenerfolg:
Mehrere alpine Aufstiege

Jamie Andrew verlor bei einer Bergexpedition im Jahr 1999 beide Hände und Füße. Doch bis heute lässt er sich vom Klettern und Erkunden nicht abhalten.

Natürlich ist es nicht einfach. „Ich war mal Wandern in Spanien. Es gab ein lautes Krachen und ich fiel fast hin und konnte mich nur mit meinen Stöcken auffangen. Dann schien ich mich nicht aufrichten zu können, bis ich bemerkte, dass mein einer Fuß fehlte! Er lag dort wie ein totes Tier. Ich humpelte zurück zu meinem Wagen. Zum Glück fanden wir einen Tischler, der mir einen Holzfuß formte, mit dem ich dann den Rest der Wanderung fortsetzte!“

Kletterer Jamie Andrews © Thiago Diz

Sein großes Ziel? Das Matterhorn. „Das ist für mich viel schwieriger als jeder andere Berg, den ich bisher bezwungen habe. Es ist ja selbst für alle Bergsteiger ohne Behinderung eine echte Herausforderung! Letztes Jahr haben wir es bis 250 Meter unter dem Gipfel geschafft, doch dann fehlte uns einfach die Zeit. Es ist eine lange Tour – 1.400m – und ein ernstzunehmender Berg. Das Klettern an sich ist nicht weiter schwierig für mich, doch die Umstände sehr wohl. Für mich ist jeder Schritt ohne Hände und Füße ermüdend, logistisch kompliziert und wenn auch nur eine Kleinigkeit schief geht, schlägt mein Plan fehl. Das eigentliche Klettern ist machbar. Die Zeit, die Strecke und die Höhe sind die Schwierigkeit.“

Doch wenn man Jamies Ehrgeiz der letzten anderthalb Jahrzehnte so betrachtet, dann sind wir uns sicher, dass er auch diesen Berg bald bezwingen wird. Auf seiner Website könnt ihr Jamie auf seinen Abenteuern begleiten.

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