Markus Kröll freut sich auf die Qualen

Beim RISE&FALL geht’s ums Eingemachte - Berglauf-Legende Markus Kröll weiß, worauf es ankommt.
Rise&Fall © Dominic Ebenbichler
Von Thomas Wernhart

Am 13. Dezember 2014 geht die dritte Ausgabe des RISE&FALL in Mayrhofen über die Bühne und die Athleten feilen noch mit höchster Konzentration an den letzten Vorbereitungen, um siegreich aus dem Kampf gegen die Natur und den inneren Schweinehund hervor zu gehen. RISE&FALL heißt immer am Limit sein und sich körperlichen und seelischen Qualen zu stellen – Markus Kröll, der seit 30 Jahren im Berglauf und Skibergsteigen an der Spitze steht, weiß wie kein anderer, was man braucht, um siegreich zu sein. Wir haben mit ihm über sein Leben, die Faszination Berglauf und die Herausforderungen beim RISE&FALL gesprochen.
 

Hallo Markus, wie bist du eigentlich zum Ausdauersport gekommen?
Ich bin in Ginzling, einem kleinen Tiroler Bergdorf an der italienischen Grenze, aufgewachsen und da es dort nicht viele Möglichkeiten gab und ich schon von Kindesbeinen an sehr viel in den Bergen unterwegs war, bin ich irgendwie zum Berglauf gekommen – das ist nun über 30 Jahre her.

Was fasziniert dich an dieser doch eher extremen Sportart?
Ich finde, dass Wort „extrem“ immer sehr schwierig, weil das was ich mache, für mich das Normalste der Welt ist. Seit früher Kindheit hat sich mein Leben in diese Richtung entwickelt und meine Leistungen sind für den Otto-Normalverbraucher vielleicht etwas Extremes, für mich aber Alltag.

Wie sieht dein typischer Tag aus?
Ich stehe jeden Tag um circa vier Uhr früh auf und laufe mit oder ohne Ski, je nach Jahreszeit, um die 2000 Höhenmeter. Oben angekommen gibt es dann Frühstück und danach geht es wieder ins Tal. Ohne diese Anstrengung bzw. Routine wäre mein Tag nicht komplett, deshalb mach ich das auch an mindestens fünf Tagen die Woche. Außerdem ist mein Beruf als Restaurator vor allem für den Kopf sehr anstrengend und da bringt mir die physische Belastung einfach einen sehr guten Ausgleich – ich brauche das!

Neben dem physischen Training spielt natürlich auch eine sehr starke mentale Komponente mit, hast du da spezielle Betreuung?
Ich hatte natürlich über die Jahre immer wieder Phasen, in denen ich tiefe Löcher zu überwinden hatte und es war nicht immer leicht, doch im Red Bull Trainingszentrum im Thalgau bin ich in guten Händen. Ich habe viel mit Mag.a. Veronika Kreitmayr gearbeitet und dabei ganz neue Erfahrungen gemacht und viel über mich gelernt. Ich habe das Gelernte in den unterschiedlichsten Situationen angewandt und hatte damit viel Erfolg. Druck bedeutet für mich heutzutage aber nicht mehr Stress, ich sehe viele Dinge eher als Herausforderung und Spaß. Dadurch, dass ich auch nicht mehr die ganze Weltcup-Serie im Berglauf durchziehe, sondern die Chance hab, viel für Red Bull und die Firma Salomon zu machen, kann ich mich auf die Dinge konzentrieren, die mir persönlich wichtig sind.

Red Bull Dolomitenmann 2011 - Markus Kröll © Erwin Polanc/Red Bull Content Pool

Du bist seit vielen Jahren im Geschäft und kannst auf viele Erfolge zurück blicken, was war das Highlight bisher?
Die Siege beim Dolomitenmann waren für mich die schönsten Erfolge – ich stand mit dem Red Bull Team sieben Mal ganz oben auf dem Podest und dieser Wettkampf bedeutet mir einfach sehr viel. Ich bin oft nicht zu Welt- oder Europameisterschaften mitgefahren, weil mir die Teilnahme beim Dolomitenmann wichtiger war. Diese Liebe wurde mir dann zwar zum Verhängnis und ich bin aus dem Nationalteam geflogen, aber wie sich die Veranstaltung über die Jahre entwickelt hat, macht mich sehr glücklich und ich bereue nichts.

Was war dein härtester Run bisher, wo kamst du am stärksten an deine Grenzen?
Für mich ist der Red Bull Dolomitenmann das Härteste - von der ersten bis zur letzten Sekunde geht es ans Eingemachte und ich habe mir bei jeder Teilnahme im Ziel die Seele aus dem Leib gekotzt. Beim Goggsteig, der die dritte von sechs Passagen ist, muss man sich schon extrem konzentrieren, weil einem schwarz vor Augen wird, aber auch der bevorstehende RISE&FALL Event wird brutal werden. Auch auf der Langdistanz gibt es einige harte Läufe, der Unterschied ist, dass diese Rennen etwas „gemächlicher“ los gehen, aber am Ende tut es genauso weh.

Wie ist es mit dem Alter, wie lang kann man auf diesem Niveau erfolgreich sein und Topplatzierungen erzielen?
Ich habe über die vielen intensiven Jahre ein Niveau aufgebaut, dass ich unbedingt halten möchte. Besser zu werden ist, ganz ehrlich gesagt, in meinem Alter sehr, sehr schwierig. Man kann auf Weltklasse-Niveau sicher bis Mitte, Ende 30 vorne dabei sein, aber irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man einsehen muss, dass die kurzen und schnellen Läufe von den jungen Startern dominiert werden. Auf der Langdistanz sieht es da ein bisschen anders aus – ich bin in diesem Jahr beim Karwendelmarsch gestartet und habe für die 52 Kilometer, wobei man knapp 2.300 Höhenmeter bergauf überwinden muss, ein bisschen mehr als 4 Stunden und 20 Minuten gebraucht und war mit meinem zweiten Platz zufrieden und voll dabei.

Ich mache das, wie vorhin schon erwähnt, seit 30 Jahren und habe mich mittlerweile vom klassischen Berglauf verabschiedet. Trotzdem werde ich auch im nächsten Jahr wieder bei fünf bis sechs Langdistanz-Wettkämpf an den Start gehen und solange ich mich wohl fühle, die Sache weiter betreiben. Man muss sich aber eingestehen, dass man sich mit dem Alter auch neu orientieren muss.

Sturm auf den Kulm - Markus Kröll in Action © Erwin Polanc/Red Bull Content Pool

Beim RISE&FALL trittst du im Skibergsteigen an, wo ist der Unterschied zum Berglauf?
Der größte Unterschied liegt einfach im Material, das im Skibergsteigen in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Das Ganze hat sich zu einer Materialschlacht entwickelt und man hat nur die Chance mit High-Tech Ausrüstung aus Karbon und mittlerweile auch Kevlar ganz vorne mit dabei zu sein. Von der Anstrengung her ist es genau so beinhart wie der Berglauf.

Was erwartet dich in deiner Disziplin bei RISE&FALL?
Die Strecke beim RISE&FALL ist extrem steil und der Kampf unter den Athleten ist brutal – man kann fast sagen, dass Krieg um die Spitzenpositionen herrscht. Beim RISE&FALL ist die Creme de la Creme am Start und die Luft an der Spitze ganz dünn. Einen Ausnahmeathleten bzw. das Wunderkind unserer Sportart sehe ich aber mit den besten Chancen auf den Sieg, den Berchtesgadener Toni Palzer. Wenn er in seiner normalen Form zum RISE&FALL kommt, dann ist der 21-Jährige der härteste Brocken im Feld.

Was erwartest du dir vom Team, wie stehen die Chancen auf eine Topplatzierung und was ist das Ziel?
Unsere Stärke ist, dass wir team-intern eine sehr gute Einheit und alle dicke Freunde sind. Es herrscht immer eine gute Stimmung und wir pushen uns gegenseitig bis zum Äußersten – viele Teams sind zusammengewürfelt und kennen sich nicht, das sehe ich als Nachteil, Harmonie ist wirklich wichtig. Das Teamgefüge und vor allem die Aufopferung für das Team macht Höchstleitungen aus. Wenn ich keine Chancen auf den Sieg sähe, dann würde ich nicht antreten, wir wollen auf jeden Fall ganz oben mitmischen. Ich, mit meinen 42 Jahren, möchte immer meine Topleistung abrufen und auch den Gegnern, deren Priorität oft ist „den Kröll“ zu schlagen, möchte ich es auch nicht zu einfach machen. Wenn ich Siebter oder Achter werde, dann bin ich nicht zufrieden – war ich nie und werde ich auch nie sein! Wenn das Feuer nicht mehr brennt und man nicht mehr bereit ist, sich zu quälen, dann sollte man besser aufhören.

Wie gestalteten sich die Vorbereitungen zum RISE&FALL?
Die Situation ist im Moment sehr schwierig, da einfach der Schnee fehlt. Ich war viel am Gletscher unterwegs und auch die Skiroller haben in den letzten Wochen gute Dienste geleistet. So wie es mit der momentanen Schneelage aussieht, kann es sein, dass wir am Samstag die Ski auf den Rucksack schnallen und mit unseren Laufschuhen die extrem steile Rampe überwinden müssen. Es gibt für jedes Szenario und jegliche Wetterkapriolen einen Notfallplan - ich freue mich und bin mir zu 100% sicher, dass es ein guter Wettkampf wird.


Mehr Infos zum Programm und den Events rund um den Wettkampf findet ihr unter http://www.riseandfall.at.

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