7 Schmalkämme mit Schwindelfaktor

Steile Abhänge und wilde Natur - diese spektakulären Kammlinien hauen euch von den Socken
Von Tarquin Cooper

“Oben auf einem Schmalkamm hat man die beste Aussicht”, sagt Kletterer und Fotograf Jon Griffith. Das mag stimmen, aber wie ihr auf unseren Fotos von den extremsten Exemplaren unter ihnen sehen könnt, ist eine gewisse Höhentauglichkeit auch von Vorteil.

Wildes Alaska

Tommy Baynard auf einem Schmalkamm in Alaska
Atemberaubende Kammlinie auf dem Xanadu, Alaska © Corey Rich

Wo: Xanadu, Alaska
Wildheit: 10
Schwindel-Faktor: 10

Im Jahr 2011 machte Fotograf Corey Rich dieses Foto von Tommy Baynard, nachdem er über eine neue Route den Gipfel am Südhang des Xanadu in Alaska erklettert hatte.

“Wir waren auf dem Weg zu einem Bergsattel, von dem wir uns zum Basislager abseilen wollten”, erinnert sich Corey. „Ich schoss ein paar Fotos von Tommy, wie er sich einen Weg über den mit Moos und Eis bedeckten schmalen Grat bahnt. Das mit 21 Jahren bei weitem jüngste Teammitglied Hayden war schon voraus geprescht.“

Als wir uns gerade entschlossen hatten, uns anzuseilen, verloren wir Hayden aus den Augen, aber glücklicherweise konnte er sich selbst rechtzeitig wieder fangen.“ Wir seilten uns an und stiegen zum Gipfel auf“, erklärt Rich. „Angeseilt sehen wir auf den Fotos leider nicht unbedingt denkwürdig aus. Das erste Bild von Tommy, ganz allein und mit dem Seil aufgerollt auf seinem Rücken, gehört zu den stärksten und authentischsten Bildern des Trips.“
 

Das Matterhorn

Wo: Schweiz
Wildheit: 7
Schwindel-Faktor: 10

Das Jahr 2015 steht im Zeichen der 150-Jahr-Feier der Erstbesteigung des legendären 4.478 Meter hohen Schweizer Gipfels – und dieser hat seitdem nichts von seiner Faszination verloren. Der spektakulär schmale Gipfelgrat ist so fulminant wie immer.

Das kann auch Alex Cowan bestätigen, dessen GoPro diese schwindelerregende Aufnahme eingefangen hat. „Das ist definitiv nicht der beste Moment, um ein Steigeisen zu fangen“, sagt er. „Der Grat ist wirklich sehr schmal. Ich erinnere mich nur daran, dass ich mich extrem auf meine Schritte konzentriert und versucht habe, den Abgrund auf jeder Seite zu ignorieren. Mir wird leicht schwindelig und deshalb habe ich mich in diesem Moment nicht gerade wohl gefühlt.“

Trotz alledem waren Joshua Pennell und ihr Guide Remo Baltermia erfolgreicher als Edward Whymper im Jahr 1865. Einer aus dem Team rutschte aus, das Seil riss und vier Mitglieder stürzten in den Tod.

Der Innominatagrat am Mont Blanc

Wilde Natur am Südhang des Mont Blanc © Jon Griffith / Alpine Exposures

Wo: Mont Blanc, Italien
Wildheit: 7
Schwindel-Faktor: 9

Der Innominatagrat am Mont Blanc ist seit Jahrzehnten Anziehungspunkt für Kletterer – und in letzter Zeit auch für ein paar Verrückte aus der französischen Wingsuit-Szene. Fred Fugen und Vince Reffet wagten einen Sprung aus 10.000 Meter Höhe und flogen dann im Sturzflug ganz nahe über den Kamm des Mont-Blanc-Massivs.

Man kann leicht erkennen, warum dieser Ort so anziehend wirkt. Dieser Grat bietet atemberaubende Ausblicke – und atemberaubende Abhänge – in jede Himmelsrichtung. Aber für geübte Kletterer wie den Fotografen Jon Griffith ist dieser Grat eine irre Erfahrung. „Das Klettern ist dort nicht besonders schwierig, aber es fühlt sich total verrückt an. Der Anblick mag zu Beginn etwas entmutigend wirken, aber das trägt zur Spannung bei.“
 

Crib Goch – „Red Ridge“

Wo: Snowdon, Wales
Wildheit: 7
Schwindel-Faktor: 7

Lasst euch von der geringen Größe der Waliser Berge nicht irritieren, so wie das lokale Rugby Team haben sie es wirklich in sich. An den Flanken des höchsten Berges in Wales, dem Mount Snowdon (1.085 Meter), liegt ein kleiner fieser Kamm, der den lokalen Namen „Crib Goch“ trägt – aus dem Walisischen übersetzt bedeutet dieser Name „Roter Kamm“.

Rob Johnson, Vorsitzender der lokalen Bergrettung, sagt: „ Der Kamm ist ungefähr einen Kilometer lang und für die Überquerung braucht man auf jeden Fall seine Hände und eine gute Höhentauglichkeit. Unser Rettungsteam wird mehrere Male im Jahr gerufen, um Kletterer zu retten, die dort oben stecken geblieben sind und Angst haben, weiter zu gehen. Im Winter, wenn Schnee liegt, wird die Strecke zur klassischen Bergsteiger-Route, dann sind Eispickel und Steigeisen ein Muss.

Der Weinberg Arete

Wo: La Cresta del Palomares, Spanien
Wildheit: 5
Schwindel-Faktor: 7

Es ist verständlich, dass man in der Nähe der nordspanischen Weinberge von Rioja keine schwindelerregenden Dinge erwartet. Das dachte auch die Fotografin Crista-Lee Mitchell, bevor sie dieses Kleinod auf einer Klettertour entdeckte.

„Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich in dieser scheinbar berglosen Gegend einen der eindrucksvollsten und unglaublichsten Schmalkämme finden würde, die ich je erlebt habe“, staunt sie. „Wer hätte gedacht, dass diese erstklassige Weinregion so eine sagenhafte Kammlinie bietet! Zum Abschluss dieses erstaunlichen Tages haben wir eine Flasche des lokalen Weins geöffnet und den gigantischen Ausblick genossen! Ein Olé auf Spanien!”
 

Der Eiger Gipfelgrat

Der Gipfelgrat des Eiger © Jon Griffith / Alpine Exposures

Wo: Eiger, Schweiz
Wildheit: 6
Schwindel-Faktor: 7

Schaut euch dieses Bild an. Schwer zu glauben, aber dies hier ist tatsächlich der einfache Teil. Es zeigt Will Slim nach seinem eintägigen Aufstieg an der legendären Eiger-Nordwand.

„Es hat echt Spaß gemacht, das kann man als legendär abhaken“, sagt Griffith. „Auf der linken Seite sieht man noch das Oberland und auf der rechten das Grindelwald-Tal – und unten wartet das Bier.“

Wir sind sicher, dass er es sich verdient hat.

Red Bull Rampage

Wo: Zion National Park, Utah
Wildheit: 6
Schwindel-Faktor: 9

Selten waren POV-Aufnahmen spektakulärer als dieses Exemplar von Kelly McGarrys legendärem Ride während des Red Bull Rampage-Events im Jahr 2013. Er ist bekannt dafür, über große Distanzen und andere Dinge zu springen. Sein Flip über eine 21 Meter breite Schlucht brachte ihm den zweiten Platz auf dem Podium ein. Schon der Start seines fantastischen Rides würde die meisten Fahrer ausflippen lassen. Singletrail über dem Schmalkamm – und kein Platz für Fehler.
 

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