Ein Blick in die Gedankenwelt eines Highliners

Was geht einem Highliner, hunderte Meter über der Erde durch den Kopf? Mich Kemeter erklärt es.
Von Tarquin Cooper

Der Anblick von einem Highliner ist beeindruckend: wie er gefährlich hoch im Himmel balanciert und es den Anschein erweckt, als würde er durch die Luft schweben. Man benötigt Gleichgewicht und Nerven aus Stahl. Was geht einem Highliner in diesem Moment durch den Kopf? Das ist genau die Frage, die wir Pro Slackliner Mich Kemeter stellten. Im unteren Video führt er uns auf seine neue Highline in sechs Schritten über die Verdonschlucht in Frankreich. Anschließend kannst du runter scrollen, um Zeuge der ganzen wahnsinnigen Überquerung zu werden.

Die ganze Überquerung kannst du dir hier unten anschauen - anschießend gibt es jeden Schritt einzeln im Instagram Clip.

Den perfekten Spot auswählen

„Es gibt viele Faktoren, die bei der Auswahl des richtigen Spots mit einfließen. Ich dachte, dies wäre ein cooler Platz. Die Distanz ist sehr wichtig und man muss bei der Auswahl aufpassen, dass man die Befestigungen gut anbringen kann. Auf sie muss man sich im Ernstfall verlassen können. Man hat zwei verschiedene Systeme, falls eins reißt, hat man immer noch ein Backup.

Und was die Highline angeht, die muss natürlich offen freiliegen! In diesem Fall waren es nur 40 Meter bis zum Boden, aber der Fluss befand sich 300 m unter der Highline. Man braucht auch coole Leute."

Die ersten Schritte

"Für mich beginnt die Highline, wenn ich anfange, alles anzubringen. Ich versetze mich in eine Art Meditation. Es ist ein langer Prozess und man beginnt sich visuell auf der Highline vorzustellen.

Bevor ich los laufe, gehe ich nochmal alles in meinem Kopf durch und denke an richtig gute Dinge. Ich dehne mich ein wenig, aber nach dem Spaziergang und dem Aufstieg ist man eh aufgewärmt. Alles verläuft fließend.

Man ist so fokussiert auf den Moment. Sobald man den Knoten in seinen Klettergurt gemacht hat, will man los laufen. Alles worauf man sich konzentriert, ist der nächste Schritt."

Der Moment, in dem du fällst

„Mein Ziel war es, beim ersten Versuch die Schlucht zu überqueren. Fast wäre es mir gelungen. Ich musste mich auf so viele Dinge konzentrieren - so viele verschiedene Dinge. In der Mitte war mein Gehirn wie ausgebrannt, ich hatte einen negativen Gedanken in meinem Kopf. Das führte dazu, dass ich runter stürzte. Ich habe nicht ans Herunterfallen gedacht, aber ich verlor die Konzentration. Es ist einfach wieder hoch zu kommen. Das ist kein Problem."

Schau runter

„Für mich funktioniert es am besten, wenn ich runter schaue. Die Erde unter mir ist nur 40 m entfernt, aber es sind 300 m bis zum Fluss und das ist schon ein kleiner Schock! Du möchtest nicht im Fluss landen. Du denkst zwar nicht an den Fluss, aber du siehst ihn. Du denkst, aber denkst wiederum auch nicht! In dem Moment bist du einfach nur da.

Ehrlich gesagt, ist es richtig nett, den Fluss zu sehen. Der Fluss hört nicht auf. Das macht einen großen Unterschied in deinem Kopf. Du darfst auch nicht aufhören. Du musst weitergehen. Es ist eine coole Metapher, immer weiterzugehen. "

Der Moment, in dem dein Herz schlägt…

"Mein Herz hat am Anfang sehr stark geschlagen, weil ich dachte, ich schaffe es beim ersten Versuch und zu viele Dinge gingen durch meinen Kopf. Mein Kopf ist nicht komplett leer. Aber ich versuche zu atmen. Atmen ist das Wichtigste. Man muss wie ein Yogi atmen. Highlinen ist fast wie Meditation.

Ich erreiche meine maximale Herzfrequenz von 149 nach der Hälfte des Wegs. Dies ist ziemlich hoch, da ich noch nie vorher über diese Highline gegangen bin. Man braucht viele Energie um high zu bleiben. Man versucht ruhig zu bleiben, aber nach einer Weile hat man so viel um die Ohren, das es egal ist. Du lässt das Herz einfach weiter das Blut durch deinen Körper pumpen. "

Die letzten Schritte bis zum Ziel

"Du konzentrierst dich nur auf den nächsten Schritt. Jeder Schritt ist eine große Reise und es ist egal, ob man beim ersten oder letzten Schritt fällt. Wie beim BASE, muss man sich beherrschen, aber am Ende ist es sehr schwer - so viele Gefühle gehen einem durch deinen Kopf. Du bist nicht wirklich da.

Der eine Teil ist geschafft und etwas Neues wird kommen. Es ist schwer zu beschreiben. Man muss trainieren, mit diesen Gefühlen umzugehen! Es ist nicht nur ein Gefühl, wie toll, Job erledigt. Es ist mehr als das. Wenn man für einen Traum lebt und der Traum wird wahr, braucht man lange, um dies zu verarbeiten. "

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