Die Entdecker der Unterwasserwelt der Maya

Unter der Halbinsel Yucatan verbirgt sich ein unendlicher Schatz - in Form eines Naturwunders!
Von Will Gray

Höhlentauchen ist eine der gefährlichsten Freizeitaktivitäten der Welt - aber wer die richtigen Vorkehrungen trifft, hat unvergessliche Erlebnisse, wie sie ein Mensch sonst kaum haben kann. Einer der spektakulärsten Orte, um die Unterwasserwelt zu entdecken, ist die Halbinsel Yucatan, wo die sogenannten Cenotes den Taucher Luis Leal in das düstere oder manchmal auch helle, aber immer wunderbare ozeanische Königreich der Maya zu entdecken.

Was ist ein Cenote?
Ein Cenote ist eine Meeresschlucht, die durch den Zusammenbruch einer Höhlendecke entstanden ist. Das Wort stammt vom Mayawort "Dzonot", was so viel wie heilige Quelle bedeutet und einen Ort meint, an dem sich die Überwasserwelt mit der Unterwelt, der sogenannten Xibalba, verbindet.

Tauchen in den mexikanischen Cenotes
Dem Licht entgegen... © Luis Leal

Wie groß sind Cenotes?
Es gibt tausende von ihnen und sie sind alle verschieden, sie können von ein paar Zentimetern bis zu 100 Meter groß sein. Man findet sie überall auf der Halbinsel Yucatan.

Luis Leal und sein Tauchbuddy erforschen die Stalaktiten in einer mexikanischen Cenote
Von oben kommt Licht durch © Luis Leal

Wann hast du angefangen in den Cenotes zu tauchen?
Mein allererster Tauchgang war in einem Cenote und ich fühlte mich absolut schwerelos, als ob ich fliegen würde. Diese 45 Minuten haben mein Leben verändert. Ich würde es fast Offenbarung nennen. Von diesem Moment an habe ich für mich den Auftrag angenommen, diese Fenster in die Unterwelt zu bewachen.

Tauchen in den mexikanischen Cenotes
Das neue Abenteuer lauert an der nächsten Ecke © Luis Leal

Wie fühlt es sich an?
Es ist eine absolut friedliches Gefühl - als ob man in seinem Innersten schwebt. Aber man fühlt sich auch Teil eines größeren Systems, eine Reise in die Venen der Erde. Hier ist kein Platz für Adrenalin oder Macho-Taucher. Die besten Höhlentaucher, die ich kenne sind disziplinierte, respektvolle und sehr versierte Frauen.

Luis Leal taucht zwischen den Stalaktiten und Stalagmiten in einer Cenote in Mexiko
Zwischen Stalagmiten und Stalaktiten schwimmen © Luis Leal

Was ist das Gefährliche am Tauchen in den Cenotes?
Wahrscheinlich der Weg dort hin! Die Straßen sind voll mit Verrückten! Wenn du einmal in der Natur bist und in dem Cenote tauchst, macht alles plötzlich Sinn und du fühlst dich connected.

Der grüne Raum © Luis Leal

Wie oft tauchst du in komplett neuen Cenotes?
Nicht wo oft, wie ich gerne würde. Meine Zeit geht vor allem damit drauf, andere Taucher zu trainieren. Wenn ich einen neuen Cenote erforsche, dauert das meistens ewig. Ich fühle mich dann wie der glücklichste Mensch auf der Welt, weil ich diese Plätze als Erster sehen darf.

Hast du schon mal etwas da unten gefunden?
Ich habe Überbleibsel der Maya Kultur gefunden, aber viel spektakulärer waren Funde, die noch viel älter waren! Sie müssen von Prähistorischen Menschen oder auch Säugern stammen. Ich melde meine Funde immer bei den zuständigen Stellen, diese waren schätzungsweise 13.000 bis 15.000 Jahre alt. Sie sind jetzt im Anthropologie Museum in Mexiko Stadt.


Luis Leal tasted sich langsam tauchend durch die Höhlen der Cenotes in Mexiko.
Gruselstimmung in den Höhlen © Luis Leal

Was ist deine größte Angst wenn du in einem Cenote tauchst?
Ich habe dort keine Furcht. Das einzige was mir etwas Sorgen bereitet, ist wenn es eine Baustelle mit einem Bulldozer in der Nähe des Cenotes gibt. Dass der Mensch die Natur zerstört, das ist meine größte Angst.

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