Der Typ rannte quer durch die USA wie Forrest Gump

Er ging nicht nach Vietnam, traf nicht den Präsidenten und brachte Elvis nicht das Tanzen bei, ABER!
Von Evan David

Eins sollten wir klarstellen: Anders als die berühmte Filmfigur, die Tom Hanks spielte, ist Patrick Sweeney körperlich und geistig voll und ganz gesund. Aber während er nie sagen würde: „Ich bin nicht schlau“, müssen wir doch seinen Verstand in Frage stellen. Der 36-Jährige begab sich auf ein Abenteuer von Los Angeles nach Boston. Zu Fuß. Oft ohne Schuhe. Und am Samstag, den 9. Mai, kam er an.

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Wir trafen den begabten Trailrunner vor ein paar Tagen in New York City, um ein paar Highlights zu erfahren, darunter zum Beispiel, wie er Rohdiamanten fand und angeschossen wurde – ja, von einer Pistole!

Kein gewöhnlicher Lauf...

Extremläufer Patrick Sweeney mit der Karte seiner Transamerika-Laufstrecke von Los Angeles nach Boston, die er in 114 Tagen gelaufen ist.
Ein langer Lauf © Stan Evans

Gleich vorweg: Hast du schon genug davon, standing mit Forrest Gump verglichen zu werden?
Die Vergleiche verfolgen mich. Ich habe meinen Bart abrasiert, als ich losgelaufen bin (du hättest sehen sollen, wie lächerlich ich ohne ihn ausgesehen habe), vor dem Washington Monument habe ich für ein paar Bilder angehalten. Ich höre oft: „Lauf, Forrest, lauf!“. Aber ich mag den Film. Das ist schon in Ordnung.

Das ist nicht die echte Bank…

Cross-Amerika Läufer Patrick Sweeny entspannt in NYC, nachdem er einmal quer durchs Land gelaufen ist.
Nein, das ist nicht die Bank aus dem Film © Stan Evans

War Gump also dein Vorbild?
Haha, nein, eigentlich nicht. Ich habe ein Mädchen getroffen, das barfuß durch die USA gegangen ist und ich wollte etwas machen, um Spenden für eine Wohltätigkeitsorganisation zu sammeln, die ich unterstütze. 100 Mile Club. Es ist ein Programm, das versucht, Kinder dazu zu bringen, im Lauf eines Schuljahres mindestens 100 Meilen zu laufen.

Protokoll der Meilen durch die Stadt

Trans-Amerika Läufer Patrick Sweeney läuft auf seinem unglaublichen 5200 Kilometer Lauf am berühmten West Side Highway in New York entlang.
Patrick auf Roosevelt Island © Stan Evans

Was du in zweieinhalb Tagen läufst…
Ja, ungefähr. Als ich angefangen habe, schaffte ich am Tag einen Marathon, und steigerte mich dann auf 40 Meilen (ca. 64 Kilometer) pro Tag. Das ist langsam – ich schaffe einen Marathon in 2 Stunden 37 Minuten – aber ich kann ewig laufen. Heute fühlen sich meine Beine ziemlich gut an und ich habe zwei Bars mit dem Namen Sweeney’s gefunden, das war cool.

Ein Trab über den Times Square

Lern den neuen Forrest Gump kennen: Pat Sweeney, der amerikanische Läufer, der in 114 Tagen von Los Angeles nach Boston quer durch die USA gelaufen ist
Auf Trab auf dem Times Square © Stan Evans

Hast du auf dem Weg viele coole Dinge gesehen?
Du findest so viel Müll auf dem Weg, aber auch Schätze – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe einen Diamant-Verlobungsring in einer Schmuckdose gefunden. Meine Theorie ist, dass der Kerl einen Korb bekommen hat und den Ring aus dem Autofenster geworfen hat.

Nur noch ein Staat…

Wie kamst du zu dieser Strecke?
Google Maps und dann auf Fußgänger klicken. Laut Google sind es 5400 Kilometer und man braucht dafür über 1000 Stunden.

Im Ernst?
Ja, ganz im Ernst. Die Route fing zu Hause in Los Angeles an, wo ich jeden Tag am Strand laufe, und mein Plan war, in Boston anzukommen – wo ich in den letzten drei Jahren auf dem Marathon war. Ich schaffte es dieses Jahr nicht rechtzeitig (Ich wusste schon, dass ich zu spät losgelaufen bin – am 16. Januar, meinem Geburtstag), aber ich freue mich, wenn ich überhaupt nach Boston komme!

Hier ist Pats 5400-Kilometer-Strecke

Und wie geht es dir? Würdest du es wieder machen?
Ehrlich gesagt fühlen sich meine Beine richtig gut an und ich bin immer noch total begeistert. Wenn ich es nochmal machen würde, würde ich gerne mit 40 Meilen am Tag anfangen. Und ich würde auch gerne jemanden unterstützen, der das gleiche machen will. Das wäre super.

Ein Sprint durch den Central Park

Langstreckenläufer Patrick Sweeney auf seinem 114 Tage-Lauf durch die USA in New York
Ein Sprint vor der Skyline der Stadt © Stan Evans

Weil du auch nicht auf dich alleine gestellt warst?
Ich habe ein tolles Team an Unterstützern – meine Freundin Vanessa und ihr Partner Shacky, auch Läufer. Sie hat gerade ein Buch geschrieben über Langstreckenlaufen für Frauen. Es heißt Daughters of Distance.

Und stimmt es, dass du nicht immer Schuhe anhattest?
Haha, nein. Manchmal bin ich barfuß gelaufen, aber ich rannte viel in meinen Luna-Sandalen – das sind Minimalschuhe nach dem Vorbild der berühmten Tarahumara Indianer von Mexiko aus dem Buch Born to Run.

Das sind mal kaputte Füße…

Trans-Amerika Läufer Patrick Sweeney zeigt uns seine abgetragenen Füße nach seinem unvergesslichen 114-Tage-Lauf durch das Land
Die Füße, die quer durch die USA gelaufen sind. © Stan Evans

Und wo hast du geschlafen?
Egal wo. Mein Unterstützungsteam hat einen Camper und nach langen oder anstrengenden Tagen ist das ein guter Platz, um sich auszuruhen. Der verrückteste Ort? Ein Tornado-Schutzbunker. Mein Team hat den Bürgermeister einer kleinen Stadt angerufen und gefragt, ob ich in einer Gefängniszelle schlafen könnte; er bot uns den Bunker an. Besser als im Gefängnis!

Der echte Forrest Gump!

Man sieht sie nicht, aber da hinten stehen Fans © Stan Evans

Aber einer hätte eigentlich ins Gefängnis kommen müssen…
Ja, der Kerl, der auf mich geschossen hat. Ich muss dazu sagen, ich weiß nicht, ob er mich treffen wollte oder ob es nur ein Warnschuss sein sollte. Ich bin an einem Garten vorbeigelaufen und hörte den Schuss, schaute mich um und sah diesen Typen mit einem Gewehr.

Was war bis jetzt der längste Tag?
52 Meilen (ca. 84 Kilometer). Das war wirklich ein langer Tag. Aber die längste Strecke? 10 Tage ohne Dusche. Danach habe ich mich geduscht und fühlte mich gut, aber ich glaube, mein Team fühlte sich noch besser.

Und jetzt bist du am Ziel…
Ja, ich bin am Samstag, den 9. Mai nach 5400 Kilometern und 114 Tagen in Boston angekommen.

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