Der unglaubliche 2149 Kilometer-Trip ist geschafft

Finde heraus, warum Tom de Dordolot & Paul Guschlbauer fast ein Jahr für den Alpenzirkel brauchten.
Von Josh Sampiero

Die Zahlen verraten schon viel über die Story: 2149 zurückgelegte Kilometer, verteilt über 45 Tage, 10 Stunden und 59 Minuten, im Durchschnitt also 46,7 Kilometer am Tag. Ein Paar Schuhe, mehr Kalorien, als du zählen kannst, und acht gebrochene Knochen - darunter auch Wirbel. Wenn der Adriatic Circle kein Abenteuer ist, wissen wir auch nicht weiter.

Ein Tag, 83062 Schritte...

Tom de Dordolot und Paul Guschlbauer brachen 2014 zu Fuß in Ancona auf den wohl längstmöglichen Hike-and-Fly-Trip in den Alpen auf. Sie wollten zurück nach Ancona kommen, im Uhrzeigersinn über Italien, Frankreich, die Schweiz, Österreich, Slowenien und Kroatien und dann über das Meer zurück nach Ancona.

Die Route über die Alpen

Doch auf halber Strecke schlug das Schiksal zu: Tom crashte in einen Baum, als er versuchte, seinen Paraglider im gefährlichen Wind zu landen. Er wurde schwer verletzt und Paul beschloss, dass er lieber auf Tom warten würde, als alleine weiterzumachen. Tom wurde wieder gesund und am 8. Mai 2015 machten die beiden da weiter, wo sie stehen geblieben waren.

Ein Fuß vor den anderen... Ein Tag nach dem nächsten...

Tom de Dorlodot und Paul Guschlbauer wandern und fliegen in den Alpen
Der Kampf nach oben © Lukas Pilz

Nun zurück zu den Zahlen. Von Anfang an bestand das Abenteuer aus mehr Wandern als Fliegen - die Jungs legten knapp 700 Kilometer über mehrere Tage verteilt in der Luft zurück, doch wanderten 1454 Kilometer - weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass sie über einen Monat unterwegs waren, bis sie das Ziel erreichten - sogar mit den anstrengenden und straffen Tagen am Ende, an denen sie oft 70 Kilometer schafften. Paul sagt: "An den letzten Tagen hatten wir einen starken Wind aus Nordosten, so dass wir am Boden bleiben mussten. Da konnten wir einfach nicht fliegen."

 Dünne Luft über Italien

Tom de Dorlodot und Paul Guschlbauer wandern und fliegen in den Alpen
Ein Moment in der dünnen Luft © Lukas Pilz

Als sie in Zadar ankamen, war der eigentliche Plan, einen Paramotorflug über die Adria zurück nach Ancona zu machen - aber Kleinigkeiten wie internationale Grenzgesetze machten das unmöglich. Weil sie es dann auch noch nicht schafften, sich zu ihrer Sicherheit ein Boot zu schnappen, mussten sie wie ganz normale Leute mit der Fähre nach Italien fahren. (Wir sind uns ziemlich sicher, dass wohl alle sauberer waren als die beiden Jungs...)

Bereit für einen neuen Tag im Dreck

Tom de Dorlodot und Paul Guschlbauer wandern und fliegen in den Alpen
Die Schuhe sind schon ein paar Kilometer gelaufen © Lukas Pilz

Was haben die zwei also gelernt? Dordolot, der ja zuerst verletzt war, konnte viel mitnehmen: "Ich hatte immer noch ein bisschen Angst, bevor es wieder losging", gibt er offen zu. "Aber am Ende habe ich es doch geschafft, und das ohne Schmerzen, obwohl ich mich sehr angestrengt habe - es ist ein tolles Gefühl, das hinter mir zu lassen!"

Hoch oben im Schnee über Italien

Tom de Dorlodot und Paul Guschlbauer wandern und fliegen in den Alpen
Oben liegt viel Schnee © Lukas Pilz

Paul erzählt: "Es war eine anstrengende, aber interessante Erfahrung. Wir wissen beide, was es heißt, richtig lange zu gehen. Das mussten wir noch nie außerhalb eines Wettbewerbs tun, aber trotzdem konnten wir uns motivieren - und es ist faszinierend, wozu man in der Lage ist!"

Geschafft und glücklich!

Doch mal abgesehen von der Erschöpfung ist das, was bleibt, das Gefühl, etwas geschafft zu haben. "Letztes Jahr haben wir gesagt, wir bringen das zu Ende, und jetzt haben wir es geschafft", sagt Tom. "Jetzt müssen wir uns auf das Red Bull X-Alps konzentrieren und auf alles andere, was noch vor uns liegt!"

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