Der Mann, der durch den Pazifik schwimmen will

Ben Lecomte will die Welt verändern, indem er aus eigener Kraft durch den Pazifik schwimmt.
Von Romuald Clariond

Ben Lecomte war der erste Mensch, der 1998 ohne die Hilfe eines Kickboards den Atlantik durchschwamm. 2015 will der französische Langstreckenschwimmer den nächsten Schritt wagen. Ben will von Tokio nach San Francisco schwimmen, von Juli bis Dezember, acht Stunden am Tag, ungefähr 8000 Kilometer. Hier ist sein verrückter Plan...

Check den Teaser für einen kleinen Vorgeschmack auf sein unglaubliches Vorhaben aus

© Ben Garrett

Du willst also von Tokio bis nach San Francisco schwimmen?
Ja, das ist mein Plan. Es sollte ungefähr fünf Monate dauern. Ich schwimme acht Stunden am Tag und den Rest der Zeit werde ich auf einem Boot verbringen, um dort zu essen und zu schlafen. Wir starten von Tokio aus in Richtung San Francisco wegen der Ströme – dem Kuroshio und dann dem Nordpazifik – die in Richtung USA verlaufen. An Land wird außerdem ein Team von Routern sein, die Satellitenbilder analysieren werden und uns genau sagen, wo der Strom gerade ist, wie das Wetter wird und so weiter. Es ist also nicht nur die Person, die schwimmt, sondern das ganze Team um sie herum.

Dein Boot wird auch ein bisschen besonders sein...
Ja, es ist ein 24 Meter langes Boot, das 1940 gebaut wurde. Alles ist aus Holz, ursprünglich war es als Fischerboot gedacht und dann wurde es für verschiedenste Zwecke eingesetzt. Seine Geschichte ist auch die Einstellung, die wir vermitteln wollen: Recycling und Dinge clever wieder- oder weiterverwenden.

Warum brauchst du eine solche Herausforderung?
Als kleines Kind bin ich schon in Flüssen und Seen und im Meer geschwommen. Der erste Schwimmtrip, den ich startete, war gedacht, um Spenden für die Krebsforschung zu sammeln, nachdem mein Vater an Krebs gestorben war. Als er so krank war, wurde mir klar, dass ich es bereuen würde, wenn ich meinen Träumen nicht nachgehen würde. Irgendwie hat mir der Anblick meines leidenden Vaters den nötigen Trick in den Hintern verpasst, den ich brauchte, um meine Grenzen zu überschreiten und meine Träume wahr werden zu lassen.

Wie hältst du so lange mit dem Schwimmen durch?
Ich schwimme schon immer. Ich liebe es einfach. Aber ich will meine Lust darauf natürlich aufrechterhalten und deshalb gehe ich auch viel Laufen und Radfahren, um fit zu bleiben. Für die Ausdauer. Aber der große Unterschied zwischen mir und Beckenschwimmern ist beispielsweise, dass ich nicht schnell schwimme. Ich habe einen Anzug, Flossen und einen Schnorchel, damit ich meinen Kopf nicht ständig zum Atmen drehen muss. Auch nicht, damit ich sehe, wo das Boot ist. Es zieht unter Wasser eine Leine mit sich, die verschiedene Farben hat, so dass ich weiß, ob ich vorwärts oder rückwärts schwimme. Ich muss also meinen Kopf nicht oben halten, was viel Energie kosten würde. Und die Flossen vervielfachen die Kraft der größten Muskeln unseres Körpers, die in den Beinen sind. Wenn man allerdings ohne schwimmt, müsste die ganze Kraft aus Armen und Schultern kommen.

Wie schaut dein Training in einer normalen Woche aus?
Ich trainiere drei bis fünf Stunden am Tag, fünf bis sechs Tage in der Woche. Es kommt darauf an, ob ich reisen muss, und hängt von meinem allgemeinen Plan ab, aber das ist generell das, was ich so mache.

Aber was in diesem Bereich noch wichtiger ist als körperliche Form, ist geistige Fitness. Wenn ich schwimme, wäre ich kein Läufer, sondern eher jemand, der schnell geht, was die Geschwindigkeit angeht. Aber die Schwierigkeit liegt darin, das gleiche stunden-, tage- und monatelang zu tun. Wenn du dir lange Dinge ansiehst, wurden die meistens von Leuten mit 40 oder 50 Jahren gemacht. Denn wenn du älter wirst, verlierst du an Kraft und Geschwindigkeit, aber deine Ausdauer nimmt nicht um so viel ab. Und auf der psychischen und geistigen Seite wirst du besser. Schau dir Pat Farmer an: Er läuft elf Monate lang vom Nord- zum Südpol, insgesamt also zwei Marathons am Tag, und das mit 49. Die geistige Stärke ist das, was zählt.

Wenn Wissenschaft auf Abenteuer trifft

Was willst du mit dieser Challenge erreichen?
Heute bin ich ein Vater. Ich habe zwei Kinder und ihre Zukunft liegt mir natürlich sehr am Herzen. Deshalb versuche ich, meine Leidenschaft einzusetzen, um den Menschen klar zu machen, wie wichtig es ist, unsere alltäglichen Gewohnheiten zu ändern, um die Umwelt und unseren Planeten zu schützen.

Du schwimmst also, um den Planeten zu retten?
Das Schwimmen selbst ist nicht das Ziel. Der Typ zu sein, der von Tokio nach San Francisco schwimmt, ist auch nicht das Ziel. Mein Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich dazu zu bewegen, den Event zu verfolgen und zu verstehen, wie schlecht sich unser Lebensstil auf die Weltmeere auswirkt.

Wie können wir dir folgen?
Wir werden hier einen Live-Stream senden und dabei mit den Leuten vom Boot aus diskutieren und interagieren. Nicht nur wir auf dem Boot, sondern auch Experten auf mehreren Kontinenten werden sich an den Gesprächen beteiligen.

Unterstütze Bens Reise www.thelongestswim.com

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