Ein Leben fürs Laufen

Andrea Mayr über Misserfolge, Disziplin und den Spagat zwischen Leistungssport und Beruf.
Beim Red Bull 400 nicht zu schlagen: Andrea Mayr © Philipp Schuster / Red Bull Content Pool
Von Daniel Weingartshofer und Ines Schneider

Beim Red Bull 400 siegte sie bereits zwei Mal und deklassierte mit ihren Laufzeiten einen Großteil des vermeintlich starken Geschlechts. Sie ist nicht nur fünffache Weltmeisterin im Berglauf, sondern auch erfolgreiche Langstreckenläuferin und Streckenrekordhalterin beim Empire State Building Run-Up, dem bekanntesten Treppenlauf der Welt. Mit uns hat Andrea Mayr über Disziplin, Urlaub und den Spagat zwischen Leistungssport und Beruf gesprochen.

Woher kommt deine Leidenschaft fürs Laufen?
Es gibt so eine Geschichte über mich, dass ich mit weniger als drei Jahren mit meinen Eltern mehr als 1300 Höhenmeter auf einen Berg gegangen bin. In meiner Kindheit war ich generell oft in den Bergen in meiner Heimat unterwegs. Meine Eltern waren selbst Hobbyläufer und ich war daher immer wieder bei Kinderläufen dabei, die ich auch oft gewonnen habe. Mir hat das Laufen einfach großen Spaß gemacht. Später kam ein Punkt, wo ich nicht mehr vorne war, ich bin deswegen einem Leichtathletikverein beigetreten, um professionell zu trainieren und weiter gewinnen zu können.

Und wie bist du zum Berglauf gekommen?
Eigentlich hat mich ein Misserfolg dazu gebracht. Ich lief einmal bei den Berglauf-Landesmeisterschaften mit, meine Leistung war an diesem Tag aber sehr schlecht. Alle anderen, die normalerweise im Flachen hinter mir waren, sind vor mir durchs Ziel. Das war mir peinlich. Ich habe mich dadurch selbst motiviert und wollte besser werden. Im nächsten Jahr habe ich dann gewonnen.

Was ist das Schöne am Berglauf?
Ich trainiere für Bergläufe einfach am liebsten, weil man dabei die Natur so gut genießen kann. Beim Berglauf gibt es auch keine genauen Durchgangszeiten, das mag ich. Es gibt keine Kilometerzeiten, weil jeder Kilometer völlig unterschiedlich ist. Es geht einzig und allein darum, den Berg zu bezwingen.

Österreich-Rekord beim Linz Marathon 2015 © GEPA pictures / Florian Ertl

Du bist Ärztin und Leistungssportlerin. Wie bringt man Beruf und Training unter einen Hut?
Man muss versuchen, das Training in den Tagesablauf einzubauen und Leerzeiten zu vermeiden. Nicht zuletzt muss man effektiv und diszipliniert sein. In der Früh setze ich mich in Gmunden aufs Rad und fahre nach Vöcklabruck in die Arbeit. Mit dem Rad fahre ich auch wieder nach Hause. In der unmittelbaren Vorbereitung vor internationalen Events gibt es außer der Arbeit fast nur noch Essen und Schlafen.

Wow, da braucht man viel Disziplin...
Für mich ist es keine Belastung, weil es mir Spaß macht. Ich setze mir selbst auch Limits, gehe immer vor 10 Uhr ins Bett, weil der Wecker am nächsten Tag klingelt.

Kann man Training auf Hochleistungsniveau denn auch zur Entspannung nutzen?
Ja klar, das Training hilft mir auch, meinen Kopf frei zu bekommen.

Gibt es Zeiten, in denen du absolut nichts tust, wo du auch nicht läufst? Im Urlaub beispielsweise?
Ich kann mich definitiv nicht daran erinnern, wann ich das letzte mal so richtig Urlaub gemacht habe. Meinen Urlaub brauche ich für Trainingslager oder Wettkämpfe. Bei meinem letzten richtigen Urlaub muss ich noch ein Kind gewesen sein.

Im Treppenlauf hält Andrea Mayr auch einen Rekord. © Jean-Christophe Dupasquier/Red Bull Content Pool

Ein 400-Meter-Sprint wie Red Bull 400 ist eigentlich überhaupt nicht deine "Disziplin". Wieso bist du trotzdem dabei?
Red Bull 400
ist ein Wettkampf, der mir außerordenlich viel Spaß macht! Es ist zwar kein Berglauf, weil es am Berg nie so lange so steil ist. Beim Berglauf muss man auch nie Angst haben, die Bodenhaftung zu verlieren. Bei Red Bull 400 ist das schon so. Außerdem ist auch die Stimmung beim Event sehr cool!

Tipps für die richtige Lauftaktik beim Red Bull 400?
Das ist reine Einteilungssache. Viele, die schnell weglaufen, verlieren die Kraft im steilsten Teil. Bei mir ist es so: Ich nehme mir vor, so lange wie möglich einen Laufschritt beizubehalten und auch im Rhythmus zu bleiben.


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