Red Bull Dolomitenmann Gipfelsturm - per Einrad!

Gerald Rosenkranz stellt sich der ultimativen Herausforderung – er geht auf dem Einrad ins Rennen.
Besser ein Rad als kein Rad. © Lupi Spuma
Von Thomas Wernhart

Gerald Rosenkranz geht bzw. fährt gerne den harten und steinigen Weg und da ist der 21-Jährigen mit seinem Einrad beim Red Bull Dolomitenmann genau richtig. 1400 qualvolle Höhenmeter warten am 12. September 2015 auf den Grazer - im Interview verrät der Steirer, was ihn antreibt, wovor er Angst hat und wie er sich das Extremrennen vorstellt.

Gerald, du bist einer der besten Einradfahrer der Welt – erzähl uns, wie ist es dazu gekommen, wie hat alles begonnen?
Ich hab als Kind ein Einrad, welches damals ein Werbegeschenk einer Fluglinie war, geschenkt bekommen und habe auf diesem Ding meine ersten Geh- oder besser gesagt, Tret-Versuche unternommen. Sofort war ich fasziniert und habe dann mit großer Neugierde YouTube nach Clips durchstöbert und wurde schnell fündig. Die Fahrer in den Videos sind auf allen möglichen Hindernissen herumgehüpft und steile Waldwege hinunter geprescht und ich dachte nur “des kann’s net gebn!”. In dem Moment wollte ich nur noch Downhill fahren und hab mich mit Freude, Spaß und Überzeugung voll reingehängt – mittlerweile bin ich soweit, dass ich die Double Black Diamond Strecken in Whistler fahr.

Kurz zu Material, worauf bist du unterwegs?
Die Einräder sind mit der Zeit immer robuster und technisch spezieller geworden und mittlerweile bin ich auf Kris Holm Bikes unterwegs, eine Marke, die sich auf Gelände-Einräder fokussiert. Wichtig ist ein starker Rahmen, 3 Zoll Reifen und eine hydraulische Bremse, die unter dem Sattel montiert ist – da steckt mittlerweile viel Technik drinnen.

Sieht einfach aus, ist es aber nicht © Lupi Spuma

Der Dolomitenmann steht vor der Tür und du hast Großes vor – wie kam es zur Idee, diese überaus anspruchsvolle Strecke mit dem Einrad in Angriff zu nehmen?
Ich war 2014 vor Ort und wurde von dieser außergewöhnlichen Stimmung dort mitgerissen und hab mir geschworen, eines Tages selbst auf der Strecke mit dabei zu sein. Voriges Jahr hab ich dann begonnen, das Projekt zu planen, habe das OK von Niki Grissmann und der Organisation eingeholt und seitdem trainiere ich, mit diesem Ziel vor Augen, in jeder freien Minute.

Wie sehen deine Trainingseinheiten aus?
Ich versuche so viele steile Stücke rauf und natürlich auch hinunter wie möglich in meine Ausfahrten einzubauen. Der 1445 Meter hohe Schöckl in der Nähe von Graz hat einiges zu bieten und ich habe dort gute Trainingsbedingungen vorgefunden. Außerdem ist Intervalltraining, also genau geplante Belastungs- und Erholungswechsel, ein großer Teil des Trainings. Wenn ich nicht am Rad unterwegs bin, dann laufe ich auf den Schlossberg in Graz hinauf oder mache Kniebeugen mit meiner Freundin auf dem Rücken.

Was erwartet dich, kennst du die Strecke schon?
Ich weiß, dass es unheimlich hart wird, denn ich habe mir die Strecke letzte Woche aus nächster Nähe angesehen und habe größten Respekt davor. Schon nach der Besichtigung, in die ich auch die ein oder andere Pause eingebaut habe, war ich zwei Tage platt und hatte neben den physischen Grenzen auch meine psychischen ausgelotet. Es wird richtig heftig, aber das ist genau das, was mir taugt. Alles, was aus dem Rahmen fällt, das eine größere Challenge ist, zieht mich an und ich muss fast dabei sein.

Mit einem Lächlen im Gesicht in die Dolomiten. © gerald rk

Gibt es für dich Schlüsselstellen oder besondere Moment auf der Strecke, die für dich ganz besonders herausfordernd werden?
Eigentlich ist die gesamte Strecke eine riesige Herausforderung! Vom Start, der ja in diesem Jahr im Dolomitenstatdion stattfindet, bis zur Übergabe am Leisacher Sportplatz heißt es für mich 100% zu geben. Es geht 1400 Höhenmeter steil zum Hochsteinkreuz bergauf und dabei wird es unmöglich sein, in einen runden Tritt zu kommen. Auch bergab über die ehemalige Weltcupabfahrt H2000 stehe ich vor einer riesen Challenge, einerseits muss man mit dem Einrad auch bergab treten und voll konzentriert sein, andererseits wird das Material extrem an seine Grenzen kommen. Ich kann nur hoffen, dass die Bremse bei dem Durchschnittsgefälle von 26 Prozent der Beanspruchung standhält, nicht überhitzt, verglast und dann komplett die Leistung aufgibt - davor hab ich am meisten Angst, muss ich gestehen.

Kann man als Einradfahrer mit den Mountainbikern konkurrieren?
Mit der Elite kann man weder rauf noch runter mithalten, weil das Einrad auch von der Gangschaltung her begrenzt ist. Bergauf trau ich mir zu sagen, dass ich wahrscheinlich relativ gut dabei sein werde, da rechne ich mir einen Platz im guten Mittelfeld aus. Die Flachpassage wird für mich sehr schwer, weil ich da aufgrund der technischen Beschränkungen Zeit gegenüber der Konkurrenz verlieren werde bzw. auch die Passage bergab wird nicht einfach. Die Mountainbiker können da mit 70 km/h den Berg hinunter brettern, ich komme nur auf etwa 25 bis 30 km/h, weil ich ja auch immer noch mittreten muss. Trotzdem gibt es zwei genau definierte Ziele: Nummer eins ist ganz klar “Durchkommen” und das zweite Ziel ist „nicht der langsamste Mountainbiker zu sein“.

Auf einem Rad übe Stock und Stein. © Lupi Spuma

Mit welchem Team wirst du unterwegs sein?

Unser Team besteht aus zwei Steirern und zwei Tirolern, das besondere ist, dass wir höchstwahrscheinlich mit der größten Altersspanne aufwarten können. Wir haben mit Lukas Gomig einen blutjungen Kanuten, der mit seinen 16 Jahren schon wirklich gut unterwegs ist, und Robert Koller, unser Bergläufer, ist 53 Jahre alt und wird mit viel Erfahrung an das Rennen heran gehen. Phillip Frick komplettiert die Mannschaft - Ein sehr interessantes Team, das sich hier gefunden hat.

Du bist ja bei allen möglichen Wettkämpfen dabei, was steht nach dem Dolomitenmann an, hast du wein weiteres großes Ziel auf dem Radar?

Ja und ob! Ich möchte den Downhill Weltmeistertitel, das ist mein erklärtes Ziel für 2016. Die UNICON 18 finden vom 27. Juli bis 7. August 2016 in San Sebastián, Spanien statt und alle Weltklasse-Fahrer werden am Start sein – 2014 wurde ich Dritter, nächstes Jahr möchte ich ganz oben stehen.

Alles Wissenswerte zum Red Bull Dolomitenmann findest du HIER und auf dem Redbull.com Adventure Channel.

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