Angy Eiter erobert Griechenland

Angy Eiter ist in Griechenland auf Reise gegangen und hat dort jede Menge neuer Routen erschlossen.
Ein neues Kletterparadies.
Von Thomas Wernhart

Angy Eiter ist in ihrer Kletterkarriere schon viel herumgekommen und hat so einiges von der Welt gesehen. Nun hat sie eine neue Leidenschaft gefunden, die sie nicht mehr loslässt: Routen zu erschließen. Es gibt so viele Felsen da draußen, die nur darauf warten, von Kletterern entdeckt zu werden und Angy hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf die Suche zu gehen.

Erstbegehungen am griechischen Peloponnes

Heuer habe ich zum ersten Mal die Leidenschaft, Routen zu erschließen, für mich entdeckt. Ich habe bislang nur eine Handvoll Routen erstbegangen, doch ich konnte von Beginn an spüren, was den Reiz ausmacht. Es ist etwas ganz besonderes, an unberührten Felsstrukturen als Erste Hand anzulegen. Abgesehen von der persönlichen Verwirklichung in Form einer neuen Route, ist es auch schön, damit etwas für andere Kletterer zu hinterlassen.

Nachdem ich gemeinsam mit meinem Freund Bernie Ruech heuer in Leonidio ein neues Klettergebiet namens "Nifada" mit 14 Routen bestückte, verwirklichte ich erstmals meinen Traum, Routen erstzubegehen. In Kyparissi am griechischen Peloponnes setzte ich meine Leidenschaft fort, wo ich im November 2014 zum ersten Mal diesen unerschlossenen Felsriegel oberhalb des Meeres sah. Seither verspürte ich den Drang, zurückzukommen und auch dort neue Routen an diesem perfekten Gestein zu erschließen.

 

Rückkehr nach Kyparissi

Im Juni kehrten Bernie und ich wieder nach Kyparissi zurück und trafen dort den griechischen Kletterpionier Aris Thodoropoulos, der uns bestätigte, dass die Wand noch nahezu unerschlossen ist. Ich machte mich also sofort auf, um das Gebiet zu erkunden und wurde mir des fantastischen Felsangebots dort erst so richtig bewusst. Der Panoramablick aufs Meer und die unendlichen Optionen machen den 50 Minuten Aufstieg allemal bezahlt.

Zwei Linien stachen uns von Anfang an besonders ins Auge und so gingen wir mit voller Motivation ans Werk. Die erste ist etwa 35 Meter lang, sehr steil, mit allen Arten von Sinterstrukturen. Die Kletterei kam mir sehr entgegen und trotz der sicheren Schwierigkeit von 8b+, schaffte ich den Durchstieg in wenigen Versuchen.
Die zweite Route entpuppte sich als viel schwerer. Weniger lang und nicht so steil wie die andere, aber durch ihre komplexen Züge wurde sie mein neues Power-Teststück. Es brauchte ein paar Versuche, bis ich überhaupt mal das Top erreichte. Tage vergingen und ich musste mich immer wieder geschlagen geben - entweder die schlechten Sinter am Anfang, der komplexe Mittelteil oder der trickreiche Sinter am Ende hinderten mich stets am erfolgreichen Durchstieg. Es dauerte bis zum letzten Tag, an dem alles stimmte und ich superglücklich und mit voll gepumpten Unterarme den Umlenker einhängte. Ich entschied mich, die Route "Gloom of Triumph" zu nennen, als Erinnerung an meine großen Momenten in meiner Kletterkarriere. Ich schlage den Grad 8c vor, und hoffe, dass Wiederholer schnell ihre Eindrücke mit mir teilen.

Baum des Lebens – Nifada. © Bernie

Griechenlands rosige Kletter-Zukunft

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Kyparissi in Zukunft viele Kletterer sehen wird. Meiner Meinung nach besitzt der Sektor Babala auf der Hauptwand einige der besten Sinterrouten, die ich je geklettert bin. Vor allem starke Kletterer finden dort ihre Projekte, aber es gibt auch leicht zugängliche Gebiete mit Routen in allen Schwierigkeitsgraden.

Das Festival in Kyparissi Anfang Oktober war auf jeden Fall ein voller Erfolg. Bis zu 200 Kletterer und geladene Gäste tobten sich in den mittlerweile 150 neuen Routen aus. Mein persönlicher Kletterpartner war Aristomenis Thanopoulos, einer der Pioniere in Griechenland. Ich hatte nicht nur einen starken Kletterer, sondern auch ein großes Publikum, das mich in meinen Projekten kräftig unterstützte. Nicht umsonst gelangen mir in Watermill tolle On-Sight Begehungen von "Jerome the Gangster, 7c+", einer technisch anspruchsvollen Sinterroute und "Zarax, 8a", der steilen Route mit herabhängenden Stalaktiten. Obendrein konnte ich das offene Projekt "Medula's Blood", eine weitere Route im Grad 8b, dort erstbegehen.

„Und irgendwann bleib i dann dort.“ © Luka Fonda / Red Bull Content Pool

Mein und auch Aristos Lieblingssektor bleibt aber Babala auf der Hauptwand. Dort holte er sich nach Bernie und mir die dritte Begehung von "Carpe Diem, 8a+", die verkürzte Variante bis zum ersten Stand. Ich konnte dort mein noch ausstehendes Projekt nach nur zwei Versuchen knacken. Ich nenne die Linie "Mythos" und schlage den Grad 8b/+ vor. Der Sektor Babala hatte noch weitere Linien, die meinen Adrenalinpegel anregten. Ich flashte zum einen die grandiosen Sinterjuwele "Leodokardo, etwa 8a" und die 50 Meter lange und steile Ausdauerlinie "Magnum Opus, 7c+".

Nun kann es losgehen und ich wünsche den Einheimischen gutes Gelingen mit ihren neuen Kletterrouten. Bestimmt werde auch ich bald mal wieder in Kyparissi oder auch in Leonidio klettern.

 

read more about
Zur nächsten Story