Diesen 6 Klettertypen bist du sicher mal begegnet

Jeder kennt sie und in jedem Freundeskreis gibt es sie – welche Klettertypen sind deine Freunde?
Eine illustre Runde. © bazuco/hfa-studio
Von Thomas Wernhart

Freiklettern, Sportklettern, Alpinklettern, Bigwall-Klettern, Industrieklettern, Eisklettern, Bouldern, Baumklettern und so weiter und so fort, die Liste ist lang. Klettern gibt es schon sehr lange, der Klettersport boomt und es haben sich über die Zeit ein paar Typen herausgebildet, die man sofort erkennt und überall antrifft. Kannst du einen deiner Freunde erkennen?

Der Kletter-Hippie

Vorsicht vor dem „Killermanjaro“. © bazuco/hfa-studio

Kletter-Hippies sind mit dem zufrieden, was sie haben und widmen sich neben der Natur sehr stark der Suche nach dem Selbst – die ein oder andere natürliche Substanz kann da in manchen Fällen schon mal nachhelfen.

Wollpullover, Opas alter Bergrucksack, selbst geflicktes Equipment und ein zerstreuter Struwwelkopf schmücken diesen ruhigen, sympathischen, aber auch oft etwas zu verkopften Charakter. Man kann mit dieser Spezies lange plaudern und weiß nach kürzester Zeit, dass die Erde eigentlich hohl ist und der Eingang irgendwo am Südpol versteckt ist - und sie haben noch sehr viel über diverse andere Verschwörungstheorien auf Lager.

Klettertechnisch lassen sich die Hippies nicht stressen, aber man muss neidlos zugeben, dass einige von ihnen wirklich gut sind und schon fast Inselbegabungen aufweisen.

Der Gear-Freak

Knowh-how and what. © bazuco/hfa-studio

Immer bestens ausgerüstet und für jede Lage vorbereitet, bewegt sich dieses Exemplar durch die Kletterwelt. Ob am Fels, im hochalpinen Gelände oder in der Boulderhalle, der „Gear-Freak“ hat das neueste, technisch ausgereifteste und unnötigste Equipment stets griffbereit – und das in mehrfacher Ausführung! „Hat jemand...“ der Satz ist noch nicht fertig gesprochen, tönt es auch schon aus der Entfernung „Ja, klar, hab ich dabei!“ – ob man sich das Gewünschte jedoch ausborgen möchte, ist eine andere Frage, denn ein Vortrag über den neuesten Stand der Technik steht dann ohne Widerrede am Programm.

Auch wenn diese Spezies manchmal nerven kann, alles was der „Gear-Freak“ macht ist gut gemeint und man darf sich ruhig über die überschwängliche Hilfsbereitschaft freuen.

Der Vollprofi

Climb-Eat-Sleep-Repeat. © bazuco/hfa-studio

Durchtrainiert, kein Gramm Fett am Körper und für jede Session einen Plan im Kopf. Der Vollprofi muss zwar nicht unbedingt in den Top-Rängen der Kletter-Weltranglisten rangieren, seine Einstellung tut es jedoch allemal. Er oder sie lebt die professionelle Seite des Kletterns und da gehört Training abseits der Wand an Hangboards oder allen möglichen anderen, oft ausgefallenen Trainingsgeräten, zum täglichen Leben mit dazu.

Eine spezielle High-Performance Ernährung sowie ein oft schon übertrieben, gesunder Lebensstil zeichnen dieses Exemplar aus – eine unangenehme Eigenschaft, die für die soziale Umgebung des Vollprofis ziemlich anstrengend sein kann. Fragen wie „Willst du das wirklich essen?“ oder „Wie, du hast heute noch keinen einzigen Klimmzug gemacht?“ arten in sarkastische Antworten und eine Abkapselung vom Vollprofi aus. Doch so einen Kletterenthusiasten im Freundeskreis zu haben, hat auch seine Vorteile: hat man einmal keinen Kletterpartner, der Vollprofi ist immer dabei - egal welche Tages-oder Nachtzeit, denn „Wer schläft, trainiert nicht!“.

Der Alpinist/Purist

„Früher war alles besser.“ © bazuco/hfa-studio

Wettergegerbtes Gesicht, dicker Bart, riesige UV-Schutzbrillen, eine weiße Nase wahlweise ein dicker Wollpullover und jede Menge abenteuerlicher Geschichten zeichnen den Alpinisten aus. Es gibt sie in mehreren Ausführungen, auch in der Hochglanz-Version (und in Kombination mit all den anderen Klettertypen), doch eines haben sie alle gemeinsam: Die Berge sind ihr Leben!

Der Alpinist verbringt die meiste Zeit seines Daseins in der Natur, schläft zu jeder Jahreszeit unter dem klaren Himmelszelt und ist ständig auf der Suche nach neuen Bergspitzen und Abenteuern. Meist sind diese Typen ein wenig zurückhaltend und kochen ihr eigenes Süppchen, doch bringt man sie zum Reden, dann eröffnet sich eine Welt voller Wunder und außergewöhnlicher Geschichten – Bergsteiger-Philosophie, der bildliche Vergleiche zwischen dem Leben und dem Besteigen eines Berges, darf dabei niemals fehlen! Oft rümpfen sie die Nase, wenn es um andere Kletterstile geht! Bouldern? “Lächerlich!” Hallenklettern? “Wie kann man nur!” Sportklettern? “Ach, hör mir auf damit!” – diese Spezies versteht sich als Bewahrer des Sports und es kann vorkommen, dass sie in den Routen “Permadraws” und Haken entfernen, wenn sie diese für unnötig empfinden.

Sie wissen über alles, wirklich alles, Bescheid. Entsteht irgendwo eine “neue” Route, so haben sie sofort die Info parat, dass diese “ja schon vor vielen Jahren ohne Chalk geklettert wurde“. Im digitalen Zeitalter ist auch das Internet vor diesen, meist schon in fortgeschrittenem Alter befindlichen Kletterern, nicht sicher. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht die “guten alten Zeiten” weiterhin im Gedächtnis der jungen, schon fast als blasphemisch angesehenen, Nachwuchs-Kletterer zu halten und posten gerne verschwommene Schwarzweiß-Aufnahmen der “richtigen Legenden” wie dem “Father of Rock Climbing” Walter Parry oder dem Yosemite-Freeclimber Lynn Hill.

Das Boulder-Ass

Du musst nur ein #bissistarksein. © bazuco/hfa-studio

Klettern von seiner technischen Seite und in Absprunghöhe sind für das Boulder-Ass genug, um selig zu werden. Kletterhelm, Seil, Schlingen, Keile und Karabiner sind nur überflüssiger Ballast auf dem Weg zum Glück, lieber ist dieser Klettertyp so spärlich wie möglich ausgerüstet unterwegs. Eine Bouldermatte, Chalk und die Zahnbürste des Vertrauens reichen, um große und kleine Probleme zu lösen.

Ab und zu zieht es diese Spezies auch in luftigere Höhen und sie stürzen sich ungesichert in den Kampf mit den Highballs. Anzutreffen sind Boulder-Asse in der freien Wildbahn und in den städtischen Boulderhallen, wo sich selbst die Stadtmenschen dem Berg so nah fühlen können.

Der urbane Hallenkletterer

„Aufreißzone“ Kletterhalle. © bazuco/hfa-studio

Klettern boomt und die Kletterhallen in den Städten sind von früh bis spät voll gestopft. Dort treffen sich alle motivierten Stadtklettterer, doch eine Spezies kann man sehr schnell erkennen: den Fitness-Kletterer. Die Philosopie, sich in der Natur zu bewegen, den Fels zu spüren und die Ruhe im Freien zu genießen, sind bei dieser Ausprägung vollkommen verlorengegangen. Lieber taucht diese Spezies, die zum größten Teil männlich ist, im Tanktop auf und präsentiert beim „kraftvollen“ Klettern ohne Technik, dass sie ihre durchtrainierte Astralkörper auch außerhalb des Fitnessstudios bewegen kann.

Oft haben diese Jungs neben einem massiven Bizeps einen lockeren Spruch auf den Lippen und es kann schon vorkommen, dass sie die Kletterhalle als perfekte „Aufreißzone erachten –die ungenierte Jagd ist eröffnet! Ist die „Klettersession“ beendet, werden die Kletterschuhe für alle gut sichtbar mit Karabiner auf den Rucksack geschnallt und ab durch den Großstadschungel, im Optimalfall mit einer neuen Nummer im Gepäck, nach Hause.

Illustrationen von bazuco/hfa-studio, mehr auf bazuco.tumblr.com oder auf Instagram instagram.com/bazuco.

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