Die tollsten Laufspots der Welt

Ryan Sandes zeigt uns seine Lieblings-Laufstrecken - und fünf die er noch bezwingen will!
Dieser Mann hat sieben Kontinente bezwungen © Kelvin Trautman/Red Bull Content Pool
Von Jonno Turner

Er ist der erste Mensch, der einen Ultramarathon auf jedem Kontinent der Erde gewonnen hat: Ryan Sandes erobert die Welt wirklich zu Fuß - einen wadenerschütternden Laufschritt vor dem nächsten.

Das südafrikanische Lauf-As isst Kilometer zum Frühstück und seine Passion hat ihn schon in die abgelegenstes Winkel des Planeten gebracht. Wenn es eine Herausforderung darstellt, ist Ryan am Start - egal ob tropischer Regenwald oder ewiges Eis in den Fjorden.

Aber sogar der weitgereiste Traveller hat noch ein paar Ziele auf seiner "To Do"-Liste: Wunderbare Plätze bei denen dir, wenn es das Laufen noch nicht getan hat, die Landschaft den Atem raubt. Uns zeigte Ryan Sandes seine spektakulärsten Laufstrecken - und die, die er noch per Sportschuh erkunden will.

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Thabana Ntlenyana, Drakensberge

Kann sein, dass deine Beine danach hassen... © Kelvin Trautman/Red Bull Content Pool

Wo: Südafrika
Was: Drakensberg Grand Traverse - 220 km über den Bergpass
Wann: 2014
In drei Worten war es: Episch, hart, wunderschön.

Im letzten Jahr habe ich viel Zeit in den Drakensbergen verbracht weil ich sie von einer zur anderen Seite bei der Drakensberg Grand Traverse überquerte. Sie sind so abgelegen und wild, dass man das gegenteilige Gefühl von Platzangst bekommt. Es ist einfach die komplette Flucht. Auf dem Bergplateau ist einfach mal Nichts. Man könnte da für tage laufen und keiner Menschenseele begegnen. Ich bin ja in Südafrika aufgewachsen und da klangen die Geschichten über den Berg immer etwas angsteinflössend, aber ich muss dennoch sagen die Sonnenaufgänge von dort sind die unglaublichsten die ich je gesehen habe.

Parque Nacional Torres del Paine, Patagonien

Wilkommen im "Nichts" © Luis Davilla/Cover

Wo: Chile
Was: Patagonian International Marathon
Wann: 2013
In drei Worten war es: Windig, spektakulär, gebirgig

Schneebedeckte Gipfel, blaue Gletscher: Patagonien ist einer der schönsten Plätze in denen ich jemals gelaufen bin. Wahres Postkarten-Material, aber es ist auch sehr gefährlich dort. Du bist wirklich am Ende der Welt und darfst dort keine Risiken eingehen. Man muss lernen geduldig zu sein und auf die richtige Gelegenheit zu warten. Ich war dort im Oktober, der als gute Zeit gilt, aber ich habe noch nie so starke Winde erlebt.

Die Atacama Wüste

Wer hat vergessen die Blumen zu gießen?

Wo: Westliches Südamerika
Was: Atacama Crossing - 230,5 km durch die Wüste
Wann: 2010
In drei Worten war es: Trocken, heiß, karg

Diesem Platz könnte man auch die Überschrift geben "Man läuft wie im Himmel, aber man ist in der Hölle". Atacama ist der trockenste Platz der Welt. Die Nasa testet dort, weil es harsch ist. Die Luft ist sehr dünn und es wird schon mal 40°. Um dich herum siehst du schneebedeckte Berge und vereiste Ströme. Es gibt riesige getrocknene Salzflächen, die wie Fußballfelder zwischen dem Schnee liegen. Wenn du durch dessen vereiste Oberfläche brichst, schneidest du dir das Bein auf und steckt im Salz fest. Ziemlich schmerzhaft! Sowas kann man nicht vorher im Training üben!

Manaus, Amazonas

Keine Angst vor wilden Tieren © Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool

Wo: Brasilien
Was: Jungle Marathon 250 km
Wann: 2009
In drei Worten war es: Grün, feucht, gruselig

Ohne Zweifel ist das Amazonasgebiet eines der furchteinflößensten Orte der Erde. Im Schunkle ist nichts dein Freund, halte dich einmal am falschen Baum fest und du bist vergiftet, die Pfade sind nur so bevölkert mit Anakondas und beladen mit einem riesigen Rucksack durchquerst du breite Flüsse. Alles ist zehn Mal so groß, die Ameisen sind wie Küchenschaben und die Nacht ist dein grösster Feind. Du liegst in deiner Hängematte und siehst wie dich die verschiedensten Augenpaar anstarren, du hörst alle möglichen Geräusche. Die Erfahrung war dennoch einzigartig. Ich habe als Junge immer davon geträumt mal im Dschungel laufen zu gehen und ich habe es getan.

Aiguille du Midi, Chamonix

Das einzige was man hört sind Laufschritte © Scott Markewitz/Aurora

Wo: Die Alpen
Was: Ultra-Trail Du Mont Blanc - 166 km über die Berge
Wann: 2015
In drei Worten war es: Alpin, großartig, kalt

Ich habe drei Wochen an diesem Platz verbracht und muss sagen, es ist ein echtes Outdor-Paradis. Auf dem Gipfel vom Aiguille du Midi über Chamonix, kann man meilenweit Gletscher sehen. Hier zu laufen ist einfach wunderbar, die Gebirgsketten und die türkisen Landschaften immer im Blick. Mit einer Kopflampe kannst du sogar in der Nacht laufen und siehst einige andere Leute, die das auch tun. Aber das Wetter hier kann sich sehr schnell verändern. Wenn du merkst, es tut sich was, dann musst du schnell wieder ins Tal, sonst hast du ein Problem.

Auf dem Plan: Die Rwenzori Berge, Uganda

Man fühlt sich wie auf einem anderen Planeten

Diesen Ort nennt man auch Mondberge weil er einfach magisch ist. Es ist die höchste Gebirgskette Afrikas und es gibt dort Gletscher und eine unglaubliche Vielfalt an Tieren. Die Gletscher schmilzen und es kann sogar sein, dass sie 2020 nicht mehr da sind. Es ist eine große und harte Herausforderung und Höhe, es wäre wirklich ein Test für mich. Ich hoffe ich kann das Projekt im nächsten Jahr mit Ryno Grießle angehen, der auch mit mir den Grand Traverse in den Drakensbergen gelaufen ist.

Auf dem Plan: Yellowstone National Park, USA

Für diese Aussicht darf's schon mal weh tun - Yellowstone Park
Für diese Aussicht darf's schon mal weh tun

Ich war schon oft in den USA aber noch nie in Yellowstone. Es gibt dort einen Supervulkan und die Teton Mountains direkt daneben sehen unglaublich aus. Ich war letztes Jahr in Whistler in Kanada und das war eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Nord-Vancouver und die ganzen Nationalparks da oben sind fantastisch. Wenn ich auf der Straße laufe, pushe ich mich nicht so hart, wie wenn ich auf Bergen unterwegs bin, einfach nur weil die Szenerie so toll ist, dass du immer weiter willst.

Auf dem Plan: Mount Kenya, Kenya

Kannst du diesen Berg bezwingen? Mount Kenya
Kannst du diesen Berg bezwingen? © Alex Edwards/iStock

Ich bin so viel auf der Welt herumgereist, will aber noch mehr von Afrika entdecken. Als Kind habe ich viel Zeit am Strand verbracht, ich habe ja erst in meinem letzten Jahr an der Uni richtig mit dem Marathonlauf angefangen. Wegen der Aussicht und der Unvorhersehbarkeit des Geländes machen mir Wege viel mehr Spass als Straßen. Ich würde mich gerne am Mount Kenya versuchen, er ist der zweithöchste Berg Afrikas nach dem Kilimanjaro

Auf dem Plan: Fjordland National Park, Neuseeland

So könnte Mittelerde aussehen
Hat jemand Frodo gesehen?

Dieser Ort sieht episch aus. Er hat etwas von allem und ist auf der Südinsel. Ich atme meine Umgebung beim Laufen ein und wenn ich grade ein Tief habe, hilft mir das weiter zu machen. Ich war schon mal in Neuseeland, aber habe es nicht genug entdeckt. Ich hoffe, dass ich für den Red Bull Defiance im Januar nach Neuseeland zurückkehre.

Auf dem Plan: Vatnajokull Nationalpark, Island

Hier trägt man(n) lange Unterhosen
Hier trägt man(n) lange Unterhosen © Iarigan - Patricia Hamilton/Moment

Einige meiner Freunde waren desletzt in Island und ich hab mir mit Neid ihre Fotos danach angeschaut. Ich spiele jetzt schon einige Zeit mit dem Gedanken nach Island oder Grönland zu fahren, ich habe schließlich auch die Antarktis überlebt! Es wird niemals zwei Strecken geben, die genau gleich sind und das macht alles noch spannender. Ich mache mir nur Gedanken über meinen nächsten Laufschritt, nicht über das was morgen passiert.

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