Paragleiten durch das magische Polarlicht

Einzigartig: Der erste Gleitflug mit der "Aurora Borealis" als wunderbarer Naturkulisse.
Von Josh Sampiero

„Vor tausenden von Jahren blickten Menschen in den Himmel und sahen die Polarlichter. Sie dachten, es wäre Magie“, sagt Horacio Llorens. „Es fühlt sich so an, als wären das Wolken direkt vor dir, nur 500 Meter weit entfernt, in Wirklichkeit spielt sich das Ganze aber 15.000 Meter über deinem Kopf ab.“

Die Aurora Borealis, wie die Polarlichter auch genannt werden, sehen zu dürfen, ist eine seltene und einzigartige Erfahrung für jeden von uns. Llorens kann nun auf eine noch viel seltenere Erfahrung zurückblicken – er hat die Lichter vom Himmel aus unter seinem Gleitschirm betrachtet. Schlicht und ergreifend atemberaubend.

Schau dir das wunderbare Video von Llorens an und genieße, wie er als erster Mensch überhaupt durch das Polarlicht fliegt.

Der spanische Acro-Pilot musste in der Stadt Trømso, in Norwegen bereits am Boden mit minus 15 Grad kämpfen. Da halfen nur ein Neoprenanzug und beheizte Handschuhe. Dann aber konnte er seinen Paramotor endlich starten und vom Flachland weg in den wunderschönen Nachthimmel vor dem Hintergrund der leuchtenden grünen Wellen eintauchen.

Wenn du jetzt glaubst, das ganze Projekt klingt wie eine knallharte Mission, dann hast du vollkommen Recht. In der Nacht bei solch kalten Temperaturen zu fliegen ist schon eine besondere Herausforderung – und das Ganze dann auch noch vor der Kulisse der Aurora Borealis hinzulegen, lässt die Challenge nur noch größer erscheinen.

Spanish paraglider Horacio Llorens performs the first ever flight during the Aurora Borealis in Tromso, Norway on January 13, 2016
Horacio Llorens fliegt Kreis in den Himmel © Frode Sandbech/Red Bull Content Pool

Um abheben zu können, benötigte Llorens zwei Dinge: Zum einen eine Genehmigung der norwegischen Regierung, zum anderen seinen Thor200-Paramotor, der von Kangook, einem Hersteller von Gehäusen für Paramotoren, und Polini, einem Hersteller von Motoren für Motorräder, gebaut wurde.

„Ich wollte sicher gehen, dass ich einen wirklich leistungsfähigen Paramotor habe“, meint Llorens. „Die 200-Kubik-Maschine hat mir die Möglichkeit gegeben, zu steigen, wann immer ich wollte – oder mich eben aus der Schlinge zu ziehen, sobald dies erforderlich war.“

Und der Neoprenanzug? Die meiste Zeit flog Lloren über Wasser und falls irgendetwas schief gelaufen und er im kalten Nass gelandet wäre, hätte ihm der Neoprenanzug zumindest gute 20 Minuten Zeit gegeben, um auf seine Retter zu warten – besser, als 2-3 Minuten, die er ohne den Anzug gehabt hätte.

Die beheizten Handschuhe haben seine Finger warm genug gehalten, um die volle Kontrolle über den Gashebel ausüben zu können. Zusätzlich hatte er auch batteriebetriebene Scheinwerfer bei sich, damit seine Manöver auch vom Boden aus zu sehen waren.

Das Endergebnis? Gut, das hast du dir ja oben schon zu Gemüte geführt. In jedem Fall war es eines der atemberaubendsten Erlebnisse im abenteuerlichen Leben von Lloren.

Spanish paraglider Horacio Llorens performs the first ever para flight during the Aurora Borealis in Tromso, Norway on January 13, 2016
Kalte, reine Kurven © Frode Sandbech/Red Bull Content Pool

Was hier so wunderbar aussieht, ist auch der Technologie am Boden zu verdanken. Brandneue, supersensible Kameratechnik erlaubte es, den Flug von Llorens nicht im Zeitraffer, sondern in Echtzeit einzufangen.

Während es hier so aussieht, als würde Llorens friedlich und gelassen dahingleiten, war es in Wirklichkeit ganz anders. Gute 97 km/h Gegenwind aufgrund des Motors zusammen mit den windigen und kühlen klimatischen Bedingungen machten den Flug zu einem frostigen und manchmal auch turbulenten Erlebnis – nicht zu vergessen, dass irgendwann zwischen Spätabend und 4 Uhr am Morgen gestartet wurde.

Das schlimmste am ganzen Flug? Das Warten. Die Polarlichter vorherzusagen ist eine verdammt inexakte Wissenschaft. „Sie ist schüchtern“, beschreibt Llorens die Aurora Borealis. „Ich habe sie ein paar Mal um einen Tanz gebeten und sie brauchte eine Weile, bis sie auftauchte und zustimmte – aber als es soweit war, war sie eine richtige Schönheit!“

read more about
Zur nächsten Story