EagleCam: Wie die beeindruckenden Bilder entstehen

Falkner Franz Schüttelkopf und Naturfilmer Otmar Penker verraten ihr Geheimnis hinter den Aufnahmen
Adleraugen sehen mehr.
Von Thomas Wernhart

Die Bilder der EagleCam, die bei der Skiflug Weltmeisterschaft und beim Hahnenkammrennen 2016 entstanden sind, gingen um die Welt und Otmar Penkers filmisches Meisterwerk, das einen jungen Adler zeigt, der eine Gämse attackiert, beeindruckte Menschen auf allen Kontinenten. Wir haben nun ein wenig hinter die Kulissen geblickt und die Experten auf diesem Gebiet befragt, wie man solche unglaublichen Aufnahmen in den Kasten bekommet.

Adler zu trainieren ist eine große Herausforderung, die über Jahre dauert, wie gestaltet sich im Groben die Erziehung eines Adlers bis er, sagen wir einmal zum Thema passend, mit der EagleCam in die Lüfte gehen kann?

Falkner Franz Schüttelkopf: Das Wichtigste ist, die Sprache der Adler zu verstehen, da kommt es vor allem auf die Erfahrung des Falkners an. Der Adler muss sich natürlich entwickeln dürfen, genau so wie ein wilder Adler in freier Natur. Er muss perfekt fliegen lernen und durch artgerechte Aufzucht sozialisiert sein, damit er sich bei den Drehs in freier Wildbahn gegenüber wilden Artgenossen richtig verhält.
Einen Adler kann man nicht erziehen, man kann ihm auch keine Kunststücke beibringen oder ihn dressieren, man muss darauf warten, bis er bereit ist. Man muss in früh an diverses Equipment gewöhnen, um dann solche Aktionen durchführen zu können.

Die Cam liefert beeindruckende Bilder und man fühlt sich ganz nah dran – wie lange dauerte es bis sich der Adler an die Vorrichtung gewöhnt hatte? Welche Hürden mussten dabei überwunden werden oder ging alles ganz einfach von der Hand?

Falkner Franz Schüttelkopf: Für einen "Filmadler" ist es entscheidend, dass er sämtliches Filmequipment von Jugend an als normal, alltäglich und ungefährlich einstuft. Nur so verhält er sich vor oder mit der Kamera (EagleCam) natürlich und stressfrei. Die EagleCam ist speziell entwickelt, winzig klein und federleicht. Die Kamerahalterung ist eine Weiterentwicklung, wie sie sich für das Anbringen von Satellitensendern beim Monitoring in der Wildtierforschung bewährt hat.

Kamerahalterung gibt es immer mehr am Markt, doch für den Adler musste natürlich eine ganz eigene entwickelt werden – wie war die Herangehensweise an dieses Projekt? Wie sieht die Halterung aus, wie darf man sich das vorstellen?

Für die EagleCam, die speziell für diesen Einsatzbereich in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut in Erlangen gefertigt wurde, entwickelte Paul Klima vom Falkenhof Lenggries eine ultraleichte Rucksackmontage die vom Formfaktor exakt an den Körper der Steinadler angepasst wird. Das geteilte Kamerasystem wird mittels eines Karbonriggs und weicher Teflonbänder auf dem Rücken der Adler platziert. Das nur etwa 100 Gramm leichte Kamerasystem wird vom Adler richtiggehend in sein Gefieder eingeputzt, so dass nur noch das kleine Kameraköpfchen mit dem Bildsensor und der Optik zu sehen ist. Ziel war es, ein Kamerasystem und eine Montageform zu entwickeln, die es erlaubt, den Flug des Adler so zu dokumentieren wie er auch in der Natur bei wildlebenden Vögeln stattfindet. Gewicht und Formfaktor waren insofern entscheidend, dass die Adler keinesfalls in ihren natürlichen Bewegungsabläufen irritiert werden dürfen.

Perfekt angepasst.

Diese großartigen Bilder sind aufregend und bringen den Zuschauer hoch in die Lüfte – wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Falkner und Filmer. Welche Wünschen und Anliegen gab es da zu erfüllen?

Um diese einzigartigen Bilder herzustellen war es nötig, dass der Tiertrainer selbst zum Kameramann wird. Paul Klima beschäftigt sich seit mittlerweile acht Jahren mit der Entwicklung hochauflösender Minikameras, um den Vogelflug in nie dagewesener Form dokumentieren können. Entscheidend war es hierbei die Perspektiven zu entwickeln, die dem Zuschauer das Gefühl geben quasi als "Nils Holgersson" auf dem Rücken des Adlers zu sitzen und ihm beim Fliegen über die Schulter zu schauen. Selbstverständlich mussten auch die Filmadler sehr behutsam an das Tragen der Kameras gewöhnt werden. In kleinen Schritten wurden die Adler durch positive Motivation mit dem System vertraut gemacht und lernten mit viel Spaß immer weitere Ausflüge zu unternehmen, um die Zuschauer auf eine aufregende Reise in das Reich der Adler mitzunehmen. Die Filmemacher standen mit ihrer Erfahrung mit den großen Kameras in enger Zusammenarbeit mit den Falknern, um die Bildsprache auf die Szenen des Filmes abzustimmen.

Von filmerischer Seite, was muss unbedingt beachtet werden, um solche Bilder zu produzieren.

Otmar Penker: Diese Aufnahme entstand bei einem der vielen Wildlife-Drehs, bei den man sehr aufmerksam sein muss. Durch ständiges Beobachten des gesamten Geländes mit dem Fernglas weiß ich aus Erfahrung, dass man oft verschiedenste Wildtiere und Situationen zu sehen bekommt, die sonst im Verborgenen bleiben. Das wichtigste ist wohl zu wissen, wo man schauen muss.

Der Clip von Gämse und Adler ging um die Welt und du meintest, dass dieses Naturschauspiel für einen Naturfilmer wie der Olympiasieg ist. Erzähl uns bitte ganz kurz, wie es zu der Aufnahme kam und was im Allgemeinen wichtig ist, um ein renommierter Naturfilmer zu werden.

Otmar Penker: Beim Absuchen entdeckte ich plötzlich am gegenüberliegenden Berghang einen Adler, der gerade dabei war das Tal zu queren. Um den in mehreren hundert Metern Entfernung fliegenden Adler mit der Kamera festzuhalten, musste ich diese erst starten und begann den Flug zu drehen . Was in den nächsten Sekunden geschah, war selbst für mich nicht vorhersehbar und unvorstellbar. Das ganze Schauspiel dauerte nicht lange, ca. 20-25 Sekunden. Ganz perplex versuchte ich die Situation anschließend im Kopf irgendwie zu ordnen. Was ich hier zufällig und mit viel Glück einfangen konnte war ein einzigartiges Schauspiel der Natur.
Ich kann auch nur vermuten, was sich hier abgespielt hat. Wahrscheinlich handelte es sich um einen unerfahrenen Jungadler der versuchte ein Gamskitz zu erbeuten. Erst als dessen Mutter den Adler attackieren wollte, sprang er auf diese.
Was ich am Ende noch beobachten konnte war, dass der Adler anschließend wieder abflog.

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