Ein Mann geht über alle acht Eiskappen dieser Welt

Der Nordpol ist nicht genug für Mike O’Shea. Er möchte alle Eiskappen überqueren.
Auf der Kilimandscharo Eiskappe © The Ice Project
Von Will Gray

Wenn Eis und Schnee dich zum Frösteln bringen, dann schick jetzt warme Gedanken an Mike O’Shea und seinen Abenteuerbruder Claire O’Leary – denn die beiden haben sich aufgemacht, die Eiskappen dieser Welt zu bezwingen.

Das eisige Projekt umfasst alle acht Herausforderungen, die es in diesem Zusammenhang gibt: Südpol und Nordpol, das südliche und nördliche patagonische Eisfeld, den Kilimandscharo, Grönland, Island und Baikal.

Aber: Diese Unternehmung ist nicht so einfach, wie O’Shea erklärt im Interview …

Der Abenteurer Mike O’Shea © The Ice Project

Warum ausgerechnet Eiskappen?
Sie sind so einsam und abgelegen – auf sich selbst gestellt zu sein, ist die echte Herausforderung.

Was sind die größten Herausforderungen?
Das Wetter in dieser extremen Welt. Am Nordpol hatten wir minus 55 Grad Celsius. Nur damit man sich das vorstellen kann: In einer Tiefkühltruhe hat es minus 18 Grad. Da war schon das bloße Überleben schwer. Dann gibt es noch die katabischen Winde mit mehr als 200 km/h. Die hauen dich um und brechen Zeltstangen in Sekunden ab.

Außerdem müssen wir alles, was wir brauchen, selbst transportieren. Obwohl wir alles tun, um Gewicht zu reduzieren – etwa Zahnbürsten in der Mitte abbrechen – hat der Schlitten 90 Kilo. Das ist eine körperliche und mentale Herausforderung.

Zu guter Letzt sind einzigartige Trips auch nicht billig. Der Ausflug auf den Nordpol etwa kostet für Zwei rund 250.000 Euro.

Mike O’Shea mit dem Schlitten in Iqualuit (Kanada) © The Ice Project

Warst du je in einer Situation, in der du dachtest, dass du es nicht raus schaffst?
Ja! 2014 steckten wir am Nordpol auf einer Eisplatte fest, die sich zwischen zwei Eisschollen bewegte und plötzlich brach. Unsere Schlitten stürzten ins Wasser, neben uns ragten Eisberge zwei Meter hoch empor und es gab keinen Ausweg. Zum Glück bewegte sich das Eis und wir konnten über ein Loch aus der Falle entkommen. Nur unsere Schlitten zogen uns fast wieder zurück. Das war knapp. 

Kälteschauer beim Nordpol-Training © The Ice Project

Was war die seltsamste Erfahrung?
Gehen und schlafen auf dem offenen Eis auf dem Baikal-See in Russland. Der liegt auf einer seismischen Störungszone und wir spürten etliche Beben. Das ist ziemlich scary, wenn man auf Eis schläft, das die ganze Nacht lang knackt und rumort. In Wahrheit ist das Eis dort aber ziemlich sicher – so sicher, dass riesige Trucks darüber fahren. Am Nordpol ist das Eis viel dünner und dort mussten wir einige Male mit dem Camp übersiedeln, weil sich mitten in der Nacht plötzlich Risse rund um unser Zelt auftaten.

Mike auf dem gefrorenen Baikal-See © The Ice Project

Wie plant man so ein Abenteuer?
Es dauert oft zwei Jahre vom Gedanken bis zum Einsteigen ins Flugzeug. Man braucht Genehmigungen, Flüge, Hundeschlitten, Bootsfahren, Karten, das Equipment muss getestet und das Essen geplant werden. Die Vorbereitungen genieße ich aber genauso wie das Abenteuer.

Wie viele Leute sind daran beteiligt?
Normalerweise organisieren wir alles selbst und für alles was wir nicht wissen oder können holen wir dann Leute ins Team. Wie etwa Hundeführer. In South Georgia etwa waren wir zu sechst plus zwei Boot-Crews.

Das Team auf der Eiskappe von Grönland © The Ice Project

Am Nordpol seid ihr schnell gescheitert – warum und wie hast du dich gefühlt?
Wir sind einen großen Eisblock runter geklettert, als er sich zu bewegen begann. Unsere 90 Kilo-Schlitten sind auf uns gelandet. Der Zeitplan war so straff, dass wir uns nicht ausrasten konnten, also mussten wir abbrechen. Der Nordpol ist eine große Herausforderung – nur 152 Menschen haben es bereits zum Pol geschafft. Im Vergleich dazu – 500 waren bereits im All.

Unser Equipment steht bereit für einen neuen Versuch. Aber bedauerlicherweise werden Expeditionen nicht mehr unterstützt, von der Fluglinie, die die Teams zum Start gebracht hat.

Auf dem Weg zur Grönland-Eiskappe © The Ice Project

Kannst du die Stürme auf der Eiskappe von Island beschreiben?
Acht Tage lang hat uns ein Sturm nach dem anderen verblasen. Wir mussten unser Zelt alle zwei Stunden aus dem Schnee graben. Es war wirklich unbarmherzig.

2015 hast du die Gröndland-Eiskappe bezwungen. Was war die größte Herausforderung?
Die Arbeit mit den Hunden. Ich würde die Zeit nicht noch einmal zurückdrehen, um mehr als 25 Tage durch Hundegacke zu fahren.

Claire O’Leary auf dem Baikal-See © The Ice Project

Wer oder was inspiriert dich dazu immer weiter zu machen?
Tom Crean and Ernest Shackleton mit ihrer Ausdauer und Tapferkeit. Aber auch moderne Abenteurer wie Borge Ousland und Joe Simpson.

Welche Eiskappe ist die zugänglichste für Otto-Normalverbraucher?
Auf Island. Da gibt es einige Firmen, die solche Touren auch für Bergsteiger mit wenig Erfahrung organisieren.

Halbzeit auf der nördlichen patagonischen Eiskappe © The Ice Project
Weit weg sieht man Mike O’Shea auf dem Baikal-Se © The Ice Project

In deinem Brotjob hast du bei Star Wars mitgearbeitet. Was hast du gemacht?
Ich biete Höhenrettung an und berate auch. Ich habe auch bei zwei Red Bull Cliff Diving-Events in Irland gearbeitet und bei Crashed Ice in Belfast. Bei Star Wars war ich dabei, als sie auf den Skellig Islands gedreht haben. Es war schon toll, all die Schauspieler zu treffen und mit ihnen sogar auf ein Bier zu gehen.

Ein alter US-Radar-Stützpunkt in Grönland © The Ice Project
read more about
Zur nächsten Story