Madagaskar: das große Abenteuerziel im Indopazifik

Ein armes Land mit überwältigendem Reichtum & ein Traumziel für Abenteurer mit sensiblem Blick!
Wandern auf der wohl vielfältigsten Insel der Welt © Klara Harden / Karsten Pruehl
Von Sissi Pärsch

Die österreichische Filmemacherin und Fotografin Klara Harden war zwei Monate mit dem Rad in Madagaskar unterwegs – und erlebte das besondere Land auf eine besonders intensive Art. Polizeibeamte, die per Anhalter fahren, unbekannte Früchte, aussterbende Tierarten und sensationelle Sonnenuntergänge. Uns verrät sie, wer warum hin sollte.

Klara, warum sollte man nach Madagaskar reisen?

Weil es so wenig touristisch und eines der schönsten Länder auf dieser Erde ist – mit einer unglaublichen Pflanzen- und Tierwelt, die sich allerdings leider rasant minimiert. Die Insel ist so reich an allem: Tiere, die man noch nie gesehen hat, Früchte, die man noch nie gegessen hat, eine ungemeine Gewürzvielfalt und dazu die Landschaft. Von wunderbaren, weißen Stränden bis zum kargen Hochland mit seinen Steinformationen. Madagaskar hat alles. Aber keine Infrastruktur.

Vom weißen Sandstrand in die karge Hochebene. © Klara Harden / Karsten Pruehl

Das heißt? Wie reist man als Tourist?

Naja, das kommt drauf an, was für eine Art Tourist man ist. Ich kann nicht viel über die Luxusvariante sagen. Dann gibt es einen berühmten Zug, der aber nur von Touristen benutzt wird. Von öffentlichen Bussen muss ich unbedingt abraten. Da pressen sich nicht nur so viele Leute wie möglich rein, sondern werden auch noch Hunderte Hühner und Reissäcke dazu gepackt. Vor allem ist es wirklich gefährlich – die Straßenzustände sind, ähm, ebenfalls sehr variantenreich: von gut asphaltiert bis hin zu einem 2 Meter Loch mitten in einer Brücke. In den Gräben liegen gerne diverse Fahrzeuge... Man kann sich aber ein Auto mit einem privaten Fahrer mieten. Die kennen dann auch die Straßen ganz gut.

Ihr seid mit dem Rad gereist – empfehlenswert?

Unbedingt, wenn man dafür der Typ ist! Du bist einfach viel näher dran an allem. Du bekommst Wetter, Natur und Menschen mit und erlebst alles so viel intensiver. In jedem Dorf stürmen die Kids auf dich zu und du hast sofort einen Anknüpfungspunkt. Übernachtet haben wir dann viel auf den unterschiedlichsten Schlafgelegenheiten in Dörfern. In Holzhütten und auf Reissäcken. Das muss man in Kauf nehmen. Vom Zelten wird abgeraten.

Ist Madagaskar denn gefährlich?

Ich habe niemals Aggressionen wahrgenommen und habe mich immer sehr sicher gefühlt. Die Menschen sind unglaublich freundlich und eher sanft, anfangs meist etwas schüchtern. Ich wurde auch nicht so sehr als Frau wahrgenommen, sondern in erster Linie als Weiße. Und Weiß bedeutet, dass man unglaublich reich ist. Und exotisch. Da kommt es vor, dass einem 20 Kinder in der Früh beim Zähneputzen zuschauen.

Was für uns eher exotisch ist: Es kann vorkommen, dass die Polizeibeamten per Anhalter fahren...

Dörfliche Fast-Food-Bude. © Klara Harden

Was gilt es unbedingt zu tun?

All die tropischen Früchte genießen. Bis zum Schluss habe ich von einigen den Namen nicht gewusst. Oder auch kleine Reisküchlein, in süßer oder salziger Variante, die es in den kleinen Dorfläden gibt und dazu frischen Kaffee – direkt von der Insel. Vanille ist ja das madagassische Produkt schlechthin und macht die einfachsten Speisen unglaublich lecker. Oder die kleinen, unglaublich süßen Bananen, die in einen weichen Teig getaucht und dann heraus frittiert werden. Das traditionelle Getränk ist Reistee. Leicht angebrannter Reis am Topfboden wird nochmal aufgekocht – es klingt absurd, aber es schmeckt und man hat abgekochtes Wasser. Und einen Schnaps gibt es auch. Der schmeckt nach Benzin und macht irgendwas mit einem...

Und abgesehen vom Essen?

Oh, so viel. Natürlich die Natur und die Tierwelt entdecken. Die Ostküste fand ich unglaublich schön und angenehm. Diese wunderschönen Sonnenuntergänge über dem rauen indischen Ozean... Aber im Grunde kann man nicht wirklich etwas falsch machen. Vielleicht sollte man so wenig wir möglich in den Städten bleiben und mindestens einen Nationalpark besuchen. Dort unbedingt einen Guide buchen. Sie erklären wahnsinnig viel.

Was unbedingt nicht tun?

Sich zu wenig Zeit nehmen! Es ist ein solch reiches, volles, vielseitiges Land. Nehm Euch Zeit, die Diversität der Landschaft und der Menschen zu entdecken. Man muss sich auch auf Situationen einlassen können, die grenzwertig sein können. Abraten kann ich außerdem vom Fisch im Inland. Der wird in Reisfeldern gezüchtet und schmeckt nach Schlamm.
 

Die einzigartige Inselwelt Madagaskars ist immens gefährdet und zum Teil schon zerstört. Mehr erzählt Klaras Video:

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