Die anspruchsvollsten Klettersteige Österreichs

Österreich von West nach Ost – stellt euch diesen sieben Klettersteigen noch in diesem Sommer.
Der Berg ruft! © Martin Lugger
Von Thomas Wernhart

Klettersteige erfreuen sich großer Beliebtheit und sind eine willkommene Abwechslung zum Klettern oder „normalen“ Wanderungen. Die mit Eisenleitern, Eisenstiften, Klammern und (Stahl-)Seilen gesicherten Kletterwege entstehen im Moment überall und vom Anfänger bis zum Profi kommen hier alle Könnerstufen zum Schwitzen. Wir haben hier eine Liste zusammenstellt, die von Westen nach Osten die anspruchsvollsten Klettersteige beschreibt und euch für diese schwierigen Touren Informationen liefert. Ungeübte und Anfänger sollten unbedingt noch etwas trainieren, um sich diesen Via Ferratas stellen zu können, die Profis müssen diese Liste von vorne bis hinten abarbeiten.


Vorarlberg: Abendrot-Klettersteig Widerschrofen

Die Felsabbrüchen des sog. Widerschrofen bei Schnepfau befinden sich gute 30 Minuten von Dornbirn entfernt und bieten zwei wunderschöne Sportklettersteige, von denen der Abendrot-Klettersteig mit Schwierigkeit D/E der schwerere ist. Von Mai bis Oktober hat man hier seit 2013 die Möglichkeit sich selbst etwas zu beweisen, doch man sollte gewarnt sein, denn dieser Klettersteig erfordert eine Menge Armkraft. Schon der Anfang, der über einen vorgelagerten Block führt, verlangt einen Spreizschritt - hat man diese Passage überwunden, geht es kompromisslos mindestens senkrecht, aber auch überhängend, nach oben. Die anspruchsvollsten Stellen sind die Plattenpassage nach dem ersten Band, ein Überhang im Mittelteil und die Ausstiegswand, die alle Schwierigkeiten D bis E aufweisen und nur für Geübte überwindbar sind. Für die rund 100 Höhenmeter braucht man ca. 1,5 Stunden und danach garantiert eine ausgedehnte Pause.

Am "Widarschrofa" geht’s steil nach oben.

Tirol: Galitzenklamm - Dopamin

Der wohl schwierigste Klettersteig Österreichs liegt in den Lienzer Dolomiten, direkt am Eingang der Galitzenklamm. Kommt man mit dem Auto von Lienz fährt man nach Leisach-Gries, wo man unmittelbar nach der Eisenbahnbrücke links abbiegt und die Drau übersetzt. Vom großen Parkplatz bei der Galitzenklamm ist man nicht mehr weit entfernt - den Einstieg erreicht man mit einer Seilbrücke über den Galitzenbach. Der Dopamin Klettersteig ist einfach zu erreichen, aber wirklich nur den Profis mit guter Technik und ordentlich Muskelkraft zum empfehlen. Vor allem die direkte Variante mit dem bezeichnenden Namen "Masochist" ist extrem aufregend und für einen Nervenkitzel der besonderen Art gut. „Dopamin“ ist nur mit einem Stahlseil, um sich einzuhängen, gesichert, den Rest muss man mit perfekter Klettertechnik und den eigenen Muskeln erledigen - es gibt also keine Trittklammern, was die Tour noch einmal erschwert.
Der 250 m lange Aufstieg ist größtenteils steile Wand- und Plattenkletterei, bei der zwei weitere Seilbrücken für Abwechslung sorgen. In den zwei Stunden, die der Aufsteig in etwa dauert, bewegt man sich zwischen Schwierigkeitsgrad C und D, stellt man sich der „Masochisten“-Variante hat man auch den beschwerlichen Schweinebauch-Überhang (E/F) zu überwinden. Der Normalweg ist aber auch nicht von schlechten Eltern, die teilweise sehr glatten D-Stellen können einen zum Verzweifeln bringen.
Mehr Infos gibt es unter
www.osttirol.com

Stell dich dem Schweinebauch! © Martin Lugger

Salzburg: Weißbach bei Lofer - Wilde Gams

In der Pinzgauer Gebirgslandschaft liegt ein Klettersteig, der von April bis Oktober die Könner des Faches lockt und mit seiner Schönheit die Weiße und die Zahme Gams ergänzt. Die „Wilde Gams“ befindet sich ca. 500 m südlich von Weißbach (in Richtung Saalfelden) und ist vom Ghf. Frohnwies, wo man übrigens nach getaner Arbeit eine köstliche Einkehr einplanen sollte, in etwa fünf Minuten erreichbar. Diese Sportferrata im Salzburger Saalachtal verlangt selbst den Profis sehr viel ab und das gnadenlos bis zum Ausstieg, denn die Schwierigkeiten steigern sich nach oben stetig. Dieser Klettersteig gehört mit Sicherheit zu den schwersten Steigen in Österreich und ist auch erstmals eine Ferrata bei der der Schwierigkeitsgrad E/F nicht als „Variante“ erreicht wird. Im Fall der Fälle gibt es vor der Schlüsselstelle einen Notabstieg.
Nähere Infos findest du HIER.

Kannst du die „Wilde Gams“ zähmen?

Kärnten: Maltatal - Fallbach Klettersteig

Das Maltatal hat alles zu bieten, was das Kletterherz begehrt und neben der Vielzahl an Möglichkeiten ist auch die Natur dort atemberaubend schön. Der Klettersteig befindet sich rund vier Kilometer nach der Ortschaft Malta direkt beim Fallbach-Wasserfall, Österreichs höchsten freifallenden Wasserfall. Beim Zustieg muß man einmalig eine Klettersteigkarte (5 Euro) lösen, welche dann ein ganzes Jahr gültig ist und die Erhaltung dieses wundervollen Gebiets sichert. Die Tour ist einfach zu erreichen und führt auf der rechten Seite des Wasserfalls über eine sehr gut versicherte Steiganlage hinauf. Nach dem ersten Drittel kann man sich auf einer Aussichtsplattform ein wenig Ausruhen und die Perspektiven genießen. Das ist auch in vielen Fällen zu empfehlen, denn gerade der zweite Teil erfordert eine Menge Kraft und Konzentration. Die zweite Hälfte ist mit Schwierigkeitsgrad E beschrieben und bietet überhängende Stellen sowie eine senkrechte Kante, welche die Schlüsselstelle (E) des Steiges darstellt. Hat man diesen Teil erst einmal überwunden, geht es in in abfallender Schwierigkeit nach links zum oberen Ende des Wasserfalls und weiter zum Ausstieg.

Neben dem Wasserfall geht’s nach oben.

Oberösterreich: Beisteinmauer - Mammut Klettersteig

In den letzten Jahren erfreuen sich Klettersteige immer größerer Beliebtheit und wie Pilze schießen die Ferratas aus den Felsen – die Beisteinmauer bei Trattenbach wurde systematisch mit Klettersteigen bedeckt und in einen beeindruckenden Klettersteig-Park, der für jeden etwas zu bieten hat, verwandelt. Die „Mammut-Route“ ist dabei der schwerste Klettersteig in der Klettersteig-Arena, wobei hier vor allem Ausdauer und viel Kraft benötigt werden, um den langen, immer leicht überhängenden E-Passagen Paroli zu bieten. Zu erreichen ist die Route über den Hetschi-Klettersteig nach dem es dann zum größten Teil im Schwierigkeitsgrad D und E weitergeht. Nach der langen E-Passage, die sich nach oben unwesentlich abschwächt geht die Route in D über und eröffnet realistische Chancen das Ende zu erreichen – bitte beachte, dass es nach dem ersten E-Überhang keinen Notausstieg mehr gibt.
Bei bergsteigen.com bekommst du alles Wissenswerte.

Die „Mammut Route“ ruft.

Steiermark: Bürgeralm

Auf der Bürgeralm bei Aflenz entstand 2009 eine kleine Steiganlage, die insgesamt nicht sehr schwer ist und für alle Könnerstufen einen interessanten Querungs-Klettersteig, der etwa 70 Höhenmeter überwindet, bildet. Wäre da nicht die Arena Variante! Vom Parkplatz Aflenz Bürgeralm hat man den Einstieg in ca. zehn Minuten erreicht und dann kann es auch schon losgehen. Von Juni bis Oktober kann man sich hier in der Natur challengen, der Klettersteig ist auch für Anfänger geeignet – doch wie schon vorher erwähnt, sollte man sich vor der „Arena“ in Acht nehmen. Der 12 Meter lange 50° steile Überhang macht die Tour zur derzeit schwierigste Kletterpassage europaweit, wenn nicht sogar weltweit. Über die Sinnhaftigkeit von Extremstvarianten wird immer wieder heftig diskutiert, nur sehr erfahrene Kletterer sollten sich diesen Herausforderungen stellen. Auf der Bürgeralm lässt sich die Arenavariante allerdings umgehen, was für den Großteil der Besucher wohl sehr zu empfehlen ist.

Harte Kämpfe in der „Arena“.

Niederösterreich: Hohe Wand - HTL Steig

Niederösterreich ist zwar nicht sehr bekannt für seine Berge, doch wenn man sich auskennt, findet man so einige Schmankerl. Der HTL Klettersteig (mehr Infos dazu auch auf Bergwelten) an der Hohen Wand ist so ein Geheimtipp, der nach der Erstbegehung etwas entschärft und im Jahr 2011 wieder begehbar gemacht wurde. Gute Klettersteiggeher und Kletterer, die einmal "luftige Aktionen" erleben wollen, haben auf dieser genialen Route eine Menge Spaß. Vom Sonnenuhr-Parkplatz über die Wiese (Steigspuren) in Richtung Völlerin geht man aufwärts zum Wandfußsteig, wo man sich dann rechts hält und in wenigen Minuten den Einstieg erreicht. Steile, stellenweise überhängende und ausgesetzte Stellen im Schwierigkeitsgrad E folgen steile, rinnenartige Verschneidungen und glatte, plattenartige Rampen – insgesamt eine sehr abwechslungsreiche Ferrata, die sich mit der "Blutspur", einem kurzen, aber extrem schweren Klettersteig, kombinieren lässt. Zusammen bilden die beiden die schwierigste Klettersteigunternehmung im Wiener Raum und eines sei gesagt, das Warnschild "Achtung Steinschlag" steht beim Einstieg nicht ohne Grund.

Mehr Klettersteige, Sicherheitstipps und Ausrüstungstests findest du auf bergwelten.com/klettersteige

Folge der „Blutspur“ © János Pásztor/www.janoszen.com
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