In 100 Tagen 10.000 Kilometer laufen? Abgehakt!

Patrick Malandain erzählt uns, wie es schaffte, 100 Tage hintereinander 100 Kilometer zu laufen.
Patrick Malandain near Nice, France, during his 10,000km running challenge
Neuer Tag, weitere 100 Kilometer! © Gilles Béllières/Patrick Malandain
Von Dom Granger

Patrick Malandain gehörte nicht immer der Gattung Läufer an, die man gemeinhin als „Ultra-Runner“ bezeichnet. Er war immer sportlich, lief hie und da, um fit zu bleiben, bis er sich eines Tages dazu entschloss, 20 Kilometer anzugehen. Das machte er dann auch am nächsten Tag und am darauffolgenden Tag ebenso – solange, bis das Laufen zu einem der wichtigsten Dinge in seinem Leben wurde.

Von Ost nach West durchlief er Australien (und brach dabei den Rekord mit fünf Tagen Vorsprung), von West nach Ost die USA – eine gute Vorbereitung also, um in seinem Heimatland Frankreich seine größte Herausforderung anzutreten: 100 Kilometer an 100 aufeinanderfolgenden Tagen zu laufen.

Warum genau 10.000 Kilometer? Woher nimmst du die Motivation für solch eine Challenge?

Zum einen ist 10.000 eine runde Zahl, zum anderen hatte ich die Idee dazu bereits lange im Kopf. Als ich durch Australien gelaufen bin, musste ich pro Tag 91 Kilometer schaffen, um den Rekord zu brechen. Da wurde mir klar – zum Teil auch durch Zufall – dass die 100 Kilometer pro Tag wirklich möglich sind. Am Anfang wusste ich nicht ganz, was mich erwartet, aber an einem bestimmten Punkt gewöhnen sich Körper und Geist so sehr daran, dass du dich selbst gar nicht mehr fragen musst, ob du es schaffst oder nicht.

Die Motivation dahinter…naja, es ist eine Möglichkeit, wirklich zu fühlen, dass du lebst, dass du existierst. Ich mach das für mich selbst, da ich mich gern Herausforderungen stelle: Ich mag es Wände aufzuziehen, Hindernisse zu bauen, die ich dann überspringen muss. Das gibt dir wirklich das Gefühl, dass du am Leben bist und du erkennst, dass wir wirklich große Dinge erreichen können.

Patrick Malandain running with supporters in Deauville, France
Unterstützung ist jederzeit willkommen! © Gilles Béllières/Patrick Malandain

Wo liegen bei einer solchen Challenge die größten Schwierigkeiten? Im Geist oder in der Physis?

Wahrscheinlich in der mentalen Komponente. Es gibt Tage, an denen es einfach nicht gut läuft, aber ich dachte in keinem Fall daran, aufzuhören. Obwohl ich Zweifel hatte und oft entmutigt war, ich konnte dem Ganzen nicht den Rücken kehren: Die Gedanken an meine Familie, meinen Sohn, die Leute, die mich in diesem Projekt unterstützt haben, waren mein Antrieb. Seltsamerweise war es aber auch der Gedanke an die Menschen, die mir online via GPS folgten, der mich immer weiterlaufen ließ: Dieses blaue Pünktchen auf ihren Bildschirmen musste sich immer weiterbewegen! Es mag ja richtig sein, dass das Projekt vor allem mit meiner Person zu tun hatte, dennoch sind eine Menge Menschen und Partner darin involviert – ich konnte die Leute ja nicht enttäuschen, die von Anfang an an mich geglaubt haben.

Was waren die schwierigsten Abschnitte deiner Route?
Die Normandie und die Bretagne – es war dort ziemlich kompliziert, da das Wetter echt abartig war. Mein Körper brauchte länger, als erwartet, um sich diesen Bedingungen anzupassen. Aber alles, was du in einem solchen Moment tun kannst, ist es, dir die Zeit zu nehmen, die es braucht und geduldig zu sein.

Und woher nimmst du deine Motivation für weitere Challenges?

Viele Leute haben Träume, aber setzen sie nie in die Realität um. Möglicherweise haben sie zu viel Angst davor, es zu versuchen oder die Herausforderung erscheint ihnen zu groß. Wenn sie dann ein Projekt, wie dieses hier verfolgen, dann leben sie indirekt mit und wir teilen all diese besonderen Momente miteinander.

Ich habe viele Leute in meinem Leben getroffen, die mich inspiriert und dazu motiviert haben, eigene Projekte anzugehen. Vielleicht kann ich das auch für andere tun. Ich hoffe, ich kann sie dazu anregen, ihre Träume zu verwirklichen und ihre Ziele zu erreichen.

Die Zahlen:

18: So viele Paar Schuhe verbrauchte er.
6500-7000: So viele Kalorien verbrannte er pro Tag.
30: So oft musste er sich im Durchschnitt einen Snack gönnen (und im Gehen verspeisen).
11: So viele Kilogramm nahm er insgesamt ab.
101: So viele Kilometer rannte er durchschnittlich pro Tag.
14: So viele Stunden rannte er durchschnittlich pro Tag.
237: So viele Marathons hätte er stattdessen laufen können.
16 Stunden: Die längste Zeit, die er für seine 100 Kilometer benötigte.
12 Stunden und 5 Minuten: Die kürzeste Zeit, die er für seine 100 Kilometer benötigte.

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