Caving: Höhlentrekking in Österreich

Wir haben sieben spannende Höhlenwanderungen für dich, die du in Österreich gemacht haben musst.
Ab in die Tiefen unseres Planeten. © Mirko Berardi/Buio Verticale/Gruppo Speleologico CAI Gubbio
Von Thomas Wernhart

Höhlentouren, Höhlentrekking oder auch Caving, wie der englische Trendbegriff für das Abenteuer unter Tage lautet, weckt den Abenteurer in dir und niemand bleibt bei den Touren durch die unterirdischen Labyrinthe unbeeindruckt. Die österreichischen Kalkgebirge sind durchlöchert wie Schweizer Käse und von langen Tunnelsystemen durchzogen, ein Paradies für Menschen, denen „normales Wandern“ einfach zu langweilig ist und die sich wie Frodo auf dem abenteuerlichen Weg durch die Minen von Moria fühlen wollen.

Über 11.000 Höhlen bieten die einzelnen Bundesländer und so ist es nicht verwunderlich, dass im Untergrund auch Superlativen versteckt sind. Wenn du Bock hast, wie Indiana Jones auf Entdeckungstour in die Tiefen unseres Planeten zu gehen, bist du hier richtig. Wir haben ein paar Tipps, wo du dir diesen Adrenalinkick abholen kannst.

Salzburg: Lamprechtshöhle - Die tiefste Höhle Österreichs

Die Lamprechtshöhle in den Leoganger Steinbergen ist wohl die bekannteste und zugleich die beeindruckendste Höhle des Salzburger Saalachtales. Die tiefsten Durchgangshöhle der Welt verbindet, mit einer bis heute erforschten Tiefe von 1630 m und einer vermessenen Ganglänge von über 50 km, das abgeschiedene Nebelsbergkar mit der belebten Talschaft – und das für interessierte Touristen und und auch ambitionierte Höhlenforscher mit einem sehr leichten Zugang.

Die aufregende Welt im Inneren des Gebirges ist schon kurz nach dem Eingang zu erahnen und die kathedralenhafte Ausdehnung der Lamprechtshöhle bringen einen sofort zum Staunen. Möchte man den Schauhöhlenteil hinter sich lassen und die Tiefen und Geheimnisse der Höhle erkunden, sollte man sich Mag. Karoline Glitzner anvertrauen, die als zugelassene Führerin alles über die Welt unter Tage weiß. Gleich nach dem durch ein Eisengitter gesicherten Durchgang zeigt sich die Höhle von ihrer zweiten, wilden Seite. Durch haushohe Klüfte und Spalten folgt man dem gischtenden Höhlenbach durch beeindruckende Hallen vorbei an smaragdgrünen Seen, Wasserfällen und Katarakten weiter ins Bergesinnere. Hier sind immer noch Naturgewalten am Werk und nur mit orts- und wetterkundigen Führern kann man sich in diesen Teil der Höhle vorwagen - bei Starkregen oder während der Schneeschmelze überflutet die Höhle innerhalb weniger Stunden, Vorsicht ist also geraten.

Nach der Überwindung einer oft sturmdurchtosten Engstelle, tritt man in einen der schönsten Höhlenteile, den sogenannten Pokal, ein. In einem rauschenden Wasserfall ergiesst sich der Höhlenbach über Kaskaden aus der Steinbachklamm in den hinteren Teil des Bocksees und dann weiter zum 35m hohen Schleierfall, der sich aus der Tiefe des Berges ergießt. Rund vier Stunden ist man unterwegs und wird von einem Wunder zum nächsten geführt.

Alle Infos und Touren findet man unter www.hoehlenfuehrungen.at.

Salzburg: Prax-Eishöhle – Besuch in der "Großen Eishalle"

In den Lofer Steinbergen liegt die weit weniger bekannte aber wegen ihre oft bis in den Sommer zu bestaunenden Eisbildungen nicht minder beeindruckende Prax-Eishöhle. Vom Eingang, der versteckt in einem Felsband liegt, gelangt man über einen niedrigen Gang in die ersten eisgeschmückten Räume. Geheimnisvoll fällt hier durch einen Tageslichtschacht zartes Licht auf den Kristallpalast. Im Schein der Lampen schreitet der Besucher weiter in den Berg zur "Großen Eishalle", die von glasklaren Eissäulen, welche aus dem Bodeneis zu wachsen scheinen, geschmückt ist. Nach einer Abzweigung führt der Weg weiter in die "Eisdolchhalle" die ihren Namen den bizarr anmutenden Eisbildungen zu verdanken hat.

Über den Sandstollen und den Harnischgang geht es weiter in die Wilde Halle. Der Abstieg in diesen domartigen Raum erfolgt über eine Eisenleiter - nicht ungefährlich und deshalb sollte man sich vom Führer am Seil sichern lassen. Die Szenerie ist wahrlich wild - über mächtige Versturzblöcke kletternd erreicht man von hier über den sogennten Druckstollen den Traumtunnel, einen sand- und lehmgefüllten bis zu fünf Meter breiten und 70 Meter langen Gang der jäh an einer kreuzenden Kluft endet. Führungen bucht man am besten über Mag. Karoline Glitzner, die uns in die Geheimnisse dieser versteckten Welt einführt: www.hoehlenfuehrungen.at.

Tirol: Obstanser Eishöhle in Kartitsch

Im Hochpustertal zwischen Lienzer Dolomiten und den Karnischen Alpen bietet das Bergsteigerdorf Kartitsch ein besonders abenteuerliches Ausflugsziel - die Obstanser Eishöhle, sowie sechs weitere Höhlen. Hannes Grüner und sein Team der Bergschule Alpin Aktiv Hochpustertal bringen interessierten Besuchern gerne die Welt unter Tage näher und es gibt einiges zu entdecken. In keinem der drei Hauptäste der Obstanser Eishöhle, die mit Eis, einem Höhlenbach und Tropfsteinen aufwartet, wurde bisher ein Ende erreicht - Abenteuerlustige, sowie Forscher, erwartet ein grossteils unerforschtes Höhlengebiet, welches teilweise nur gebückt, kletternd oder kriechend mit verlässlichem Licht erkundet werden kann. Im Schein der Stirnlampe entdeckt man glitzernde, bizarre Eisgebilde, sowie die verschiedensten Formen von Tropfsteinen.

Gutes Schuhwerk ist Voraussetzung für den Besuch im landschaftlich reizvollen Winklertal, denn auch der im der 45-minütige Anstieg hat seine Tücken. Wer nach der Höhlenwanderung nicht genug hat, kann sich dem Roßkopf widmen. Zur Besteigung ist alpine Erfahrung im brüchigem Fels nötig, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit wird vorausgesetzt. Östlich der Schutzhütte grüßt die Pfannspitze, wo auch der bekannte Wanderweg „Via Alpina“ vorbei führt.

Vorarlberg: Das Schneckenloch und die Gauerblickhöhle – Unbekannte Äste und Klettersteige unter Tage

Alex Klampfer vom Vorarlberger Höhlenverein kennt die Höhlenlandschaft seiner Heimat wie seine Westentasche und hat zwei Empfehlungen für uns. Das Schneckenloch im Bregenzerwald begrüßt seine Besucher mit einem imposanten Eingangsportal bevor es dann etwa 3,5 Kilometer in den Berg hinein geht. Die Höhle ist komplett unerschlossen und es ist nicht zu empfehlen, ohne Führer (HIER findest du die richtigen Ansprechpartner) einzusteigen.

Die Tour durch Vorarlbergs zweitgrößte Höhle bietet alles, was das Abenteurerherz begehrt. Wasserfälle, Schliefteile und Kletterstellen fordern das Können heraus, doch alles im Rahmen und mit einer langsamen Steigerung der Schwierigkeit. Die zweite Tour, die Alex Klampfer empfiehlt, ist die Erkundung der Gauerblickhöhle, die mit über einem Kilometer Länge und rund 240 Metern Tiefe, eine der größten Höhlen des Rätikon ist. Das besondere an dieser Höhle ist, das sie durch einen Klettersteig erschlossen ist - das heißt, ein Führungsseil führt durch die ganzen 320 Meter unter Tage und macht diese Tour zu einem besonderen und sicheren Erlebnis. Kann man über die Montafoner Bergführer buchen.

Tirol: Area 47 – Stollenwanderung im Amberg

Mit der Area 47 bietet das Ötztal das Extremsport-Mekka Österreichs und nicht nur über der Erde, sondern auch im Untergrund kann man sich dort seinen Adrenalinkick abholen. Wenn du einen Berg einmal von innen entdecken möchtest, dann ist eine geführten Höhlentour durch das Stollensystem im Amberg, das Mitten im Toben des Zweiten Weltkriegs Europas größtes Wasserkraftwerk hätte werden sollen, genau das richtige. Das Höhlensystem bietet so einige Abenteuer und so geht es gleich zu Beginn 110 Meter abwärts in die felsige Dunkelheit. Gemeinsam mit fünf bis zwölf Teilnehmern überwindest du zuerst den Lüftungsschacht, bevor es weitere 350 Meter in die Tiefe geht – die zertifizierten Guides bringen dir den Untergrund näher und nachdem du wieder gut ans Tageslich gekommen bist, kannst du dich in der Water Area der Area 47 weiter austoben.

Alle Infos findest du unter www.area47.at.

Traust du dich?

Salzburg: Eisriesenwelt - die größte Eishöhle der Welt

Klaustrophobie bekommt man hier bestimmt nicht, dafür viel Gänsehaut vom Staunen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war diese Höhle noch vollkommen unbekannt und auch nach ihrer Entdeckung geriet die Höhle wieder in Vergessenheit. Erst nach dem ersten Weltkrieg folgten die bahnbrechenden Erkundungen der kilometerlangen Labyrinthe dieses Höhlensystems und schnell wurde diese beeindruckende Höhle im Tennengebirge weltweit bekannt – kein Wunder, denn mit einer Gesamtlänge von 42 Kilometer wurde sie als die größte Eishöhle der Welt eingestuft – das muss man gesehen haben! Die ersten Spalten und Klüfte im Kalkfelsen entstanden bereits im Zuge der Gebirgshebungen vor etwa 100 Millionen Jahren und auch heute verändert sich die Höhle und ihre wunderschönen Eisformationen stetig. Man muss in dieser Höhle nicht durch enge Schlufe robben, sich nich abseilen oder gar eiskaltes Wasser durchqueren, trotzdem hat ein Besuch der Eisriesenwelt etwas spannendes, das man nicht so schnell vergisst.

Mehr Infos zur Höhle und den Führungen gibt es unter www.eisriesenwelt.at.

Steiermark: Lurgrotte Peggau - Österreichs größte wasserdurchströmte Tropfsteinhöhle

Peggau liegt ca. 15km nördlich der Landeshauptstadt Graz und kann mit Österreichs größte wasserdurchströmte Tropfsteinhöhle aufwarten. Die Schauhöhle ist auf jeden Fall einen Besuch wert, für alle die ein bisschen Nervenkitzel suchen, gibt es fünf bis sieben Stunden lange Abenteuerführungen in die dunklen Tiefen. Vier Kilometer geht es hinein in den Berg und was dort auf einen wartet ist beeindruckend - fantastischen Tropfsteinformationen, Fledermäuse, Strudeltöpfen, Kletterstrecken, die Durchquerung des glasklaren Zierhutsees, Hallen und Höhlengänge – alles,was das Abenteurerherz begehrt.

Leider sind Abenteuerführungen ausschließlich in den Wintermonaten, dass heißt von 1. Dezember bis 31. März, möglich, da in den Sommermonaten durch überraschende starke Niederschläge die Hochwassergefahr in der Höhle zu groß ist. Mindest-Teilnehmerzahl für eine Abenteuerführung sind 6 Personen, maximale Teilnehmerzahl 10 Personen, Teilnehmer müssen das 16. Lebensjahr erreicht haben.

Mehr Infos gibt es unter www.lurgrotte.com.

read more about
Zur nächsten Story