Klettern: Toprope – Der perfekte Einstieg

Klettern boomt und macht unheimlich Spaß – hier die ersten Sicherungstipps für Einsteiger.
Los geht’s! © Alpenverein
Von Thomas Wernhart

Klettern erfreut sich steigender Beliebtheit und nicht nur die Boulderhallen werden immer voller, immer mehr Menschen wollen hoch hinaus und begeben sich in den Hallen, aber auch am Fels, in luftige Höhen. Bevor man sich an den Vorstieg wagt und damit das Vergnügen kein jähes oder sogar dramatisches Ende findet, widmen wir uns vorher den Basics. 

Toprope – Der perfekte Einstieg

Für Einsteiger eignet sich Klettern in der Toprope zum risikoarmen Kletternlernen, in den meisten Hallen gibt gibt es mittlerweile unzählige Routen, die mit dieser Technik gesichert sind und zu bewältigen sind. Beim Toprope-Klettern reichen beide Seilenden bis zum Boden und der Partner sichert den Kletternden vom Boden aus. Dabei muss der Sichernde laufend Seil nachreichen, während sein Partner klettert. Der Vorteil besteht darin, dass sich der Kletterer jederzeit ohne Sturz in das Seil hängen kann, um auszuruhen, oder bei Unsicherheit oder Übermüdung von seinem Sicherungspartner wieder auf den Boden abgelassen werden kann. Wenn man einen erfahrenen Kletterer dabei hat, der den sicheren Vorstieg beherrscht und weiß wie man den Umlenker richtig einhängt, kann man auch am Fels in den Genuss dieser unkomplizierten Technik kommen.

Gut gesichert macht jede Menge Spaß.

Anseilen

Das Anseilen des Kletternden ist eine einfache aber trotzdem eine sensible Angelegenheit, da jeder Fehler zu ernsthaften Unfällen führen kann. Oft ist das direkte Einbinden im Toprope-Bereich vieler Kletterhallen nicht mehr möglich, da die Toprope-Seile mit fix abgeklebten Achterschlingen versehen sind und. Das macht die Prozedur für Kletterschüler natürlich unkomplizierter, weniger fehleranfällig und man kommt schneller zum Klettern. Trotzdem sollte jeder, der sich für den Klettersport interessiert, in der Lage sein, seinen Klettergurt mittels Achterknoten mit dem Seil zu verbinden. Der Achterknoten hat den Vorteil, dass er sich unter Belastung zuzieht, aber dennoch nach einem Sturz relativ gut zu lösen ist. Das übersichtliche Knotenbild, das Fehler leicht erkennbar macht, wird von Anfängern und Profis sehr geschätzt. Wichtig ist auch, dass das lose Seilende von Topropes, die nicht bis zum Boden reichen, auf der Seite des Sichernden mit einem Knoten fixiert werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es beim Ablassen durch das Sicherungsgerät rutscht.

Achterknoten

Zuerst wird eine einfache Acht in das Seil gelegt (Abb. 1;1-3). Im nächsten Schritt wird das Seil durch die Anseilschlaufe gezogen, so dass der Knoten direkt vor der Anseilschlaufe ist. Nun folgst du dem gleichen Seil durch den Knoten (Abb. 1;4-6). Am Ende sollten überall zwei Seile nebeneinander liegen und das Seilende mindestens zwei Handbreit aus dem Knoten herausragen.Im Anschluss siehst du, wie man

Ist man eingebunden und der Sichernde hat sich seinerseits mit der Toprope verbunden, steht dem Spaß nichts mehr im Wege. Spielerisch und ohne größeres Risiko kann man erste Erfahrungen mit der Höhe machen und seine ersten Erfahrungen mit den technischen Anforderungen und den konditionellen Aspekten machen. Das dabei Gelernte bildet das Fundament für das spätere Erlernen des Vorstiegs.

Kleine Knotenkunde © Alpenverein

Niemals vergessen: Partnercheck!

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Beim Klettern können Unaufmerksamkeit, fehlende Konzentration und blindes Vertrauen schnell in einem Drama ändern, deshalb muss man immer, und wir meinen damit wirklich IMMER, den Partnercheck durchführen. Üblicherweise klettert man im Zweier-Team und kann sich so gegenseitig perfekt kontrollieren – folgen Dinge müsst ihr vor dem Losklettern immer checken:

*Anseilknoten?
Ist das Seil direkt in den Gurt eingebunden, entweder in den Sicherungsring oder in Bauchgurtöse und Beinschlaufensteg. Der Anseilknoten (Achterknoten oder doppelter Bulin) ist richtig geknüpft und festgezogen. Seilüberstand circa 20 cm. Kleines „Knotenauge“ im Anseilpunkt. Beim Toprope Klettern sind oft schon Achterschlaufen in den Seilen vorhanden, diese sollte mit einem Safe-Lock- Karabiner oder zwei gegenläufigen Karabinern mit dem Gurt verbunden sein.

*Gurtverschluss?
Ist der Hüftgurt ist richtig angelegt (über dem Beckenkamm) und korrekt verschlossen. Hier auch die Gebrauchsanleitung beachten!

*Sicherungsgerät & Karabinerverschlusssicherung?
Das Seil ist korrekt in das Sicherungsgerät eingelegt, das vertraute Sicherungsgerät ist richtig am Gurt eingehängt und der Karabiner ist verschlossen, eine Hand umschließt immer in der korrekten Position das Bremsseil. Bei Verwendung eines halbautomatischen Sicherungsgerätes prüft der Kletterer zusätzlich durch Zug am Lastseil die Blockierfunktion des Sicherungsgerätes. Prüfen und kontrollieren bedeutet immer, dass nicht nur optisch kontrolliert, sondern auch durch Zug überprüft wird. So soll sichergestellt werden, dass die Sicherungskette im Belastungsfall wirklich hält.

*Seilende?
Das Seilende ist abgeknotet oder am Seilsack fixiert. Auch immer auf die Seillänge achten, Ist das Seil zum Ablassen lang genug?

Niemals den Partnercheck vergessen! © Petzl

Tipps für den Kletternden

Mach vor jedem Start einen Partnercheck! Kontrolliert gegenseitig: Gurtverschlüsse, Anseilknoten, Anseilpunkt, Karabinerverschluss, Sicherungsgerät und ob das Seilende abgeknotet ist. Weiter unten erklären wir genauer, wie das funktioniert und worauf du achten solltest.

Außerdem ist eine klare Kommunikation wichtig, um Missverständnisse und brenzlige Situationen zu kontrollieren. Vereinbart vor dem Kletterbeginn einfache Kommunikationsregeln und informiere deinen Partner, wenn du Probleme hast oder dich dich ins Seil hängen möchtest. In der Halle muss man diesem Punkt im Normalfall keine Beachtung schenken, installiert man jedoch selbst eine Toprope, dann schon: kein Toprope an einzelnem Karabiner. Die Topropeverankerung muss aus zwei unabhängigen Sicherungspunkten bestehen und auch das Seil muss in mindestens zwei Karabinern eingehängt sein. Kommt es zu einem Sturz, ist das im Toprope, sofern der Sicherungspartner aufmerksam ist, eine eher unspektakuläre Sache. Wichtig ist nur, dass man nicht ins Seil fasst, nicht versucht Expressen zu erwischen und die Arme und Beine schützend nach vorne nimmt.

Tipps für den Sichernden

Volle Aufmerksamkeit beim Sichern ist Voraussetzungen, da Sichern Präzisionsarbeit ist! Nicht nur der Sicherheit halber, der Kletterpartner hat auch mehr „Freiheiten“ und Spaß an der Sache, wenn er sich in kompetenten Händen wägen kann. Kein Schlappseil, also kein durchhängendes Seil beim Sichern, da ein Sturz in ein Schlappseil viel tiefer ausfällt. Es gibt natürlich auch Situationen, die mehr Seil verlangen, aber im Toprope sollte das Seil immer eine bestimmte Spannung aufweisen. Das Handling des Sicherungsgeräts ist ein weiterer entscheidender Punkt. Mache dich mit deinem Sicherungsgerät vertraut und beachte das „Bremshandprinzip“: eine Hand umschließt immer das Bremsseil. Und positioniere dich so, dass du dem Kletternden das Seil nicht in die Quere bringst und du den Sturzraum freihältst.

Ablassen

Hat man das Top erreicht, muss man ja aus den luftigen Höhen absteigen und das ist beim Toprope-Klettern zwar einfach, aber man muss seinem Partner vertrauen, da man keine Kontrolle über die Art und Weise, wie man zum Boden zurück kommt, hat. Wichtig ist, dass man eine gute Kommunikation und verständliche Kommandos mit dem Partner ausmacht, damit man jederzeit klar kommunizieren kann, was man möchte.

Während des Ablassens sollte man die Hände an den Anseilknoten legen, um mehr Stabilität zu bekommen und die Füße gegen die Wand zu stemmen. Viele wollen die Wand hinunter springen, wie sie es bei den SWAT Teams im Fernsehen sehen, man sollte jedoch eher laufen, weil man nie wissen kann, wie weit die Sprünge sein werden.

In den Kletterhallen kann man sich im Normalfall auf das Material vor Ort verlassen, in der Natur sollte man bereits hängende Seile vermeiden und immer eigenes Material verwenden. Die Expressschlingen kann man kontrollieren, während man aufsteigt und zur Sicherheit sollte man immer eine oder zwei Exen am Klettergurt mitnehmen, um verschlissene Fixexen zu ersetzen. Man muss auch beachten, dass man nie Seil auf Seil ablässt, da dabei eine erhebliche Reißgefahr durch Schmelzverbrennung entsteht, auch die Umlenkungen sollten immer aus Metall bestehen.

Ein weiterer Punkt, vor allem in der Halle ist, dass man auf andere Kletterer in der Wand achtet und den Partner langsam und gleichmäßig ablässt.

Willst du einen Schritt weitergehen, dann solltest du unsere Tipps zum Vorstieg-Klettern nicht verpassen.

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