Grandiose Slacklining-Kunst im Dschungel Hawaiis

Alex Mason spielt mit der Gravitation und setzt den hawaiianischen Dschungel in Szene.
Von Michelle Hurni

Alex Mason, der Slackline-World Champion 2013, lotet Grenzen aus, auch wenn er gerade nicht in seinem Element ist. Kürzlich machte er sich in den hawaiianischen Dschungel auf und bestieg dort einen 25 Meter hohen Wasserfall auf einer sogenannten Slackladder, ganz einfach deswegen, um mit der Umgebung zu spielen und dem Lifestyle des Slacklinings voll auszuleben. Das Beste daran: Das Ganze wurde von einer Filmkamera festgehalten und liefert uns Zusehern wunderbare Momente, die zum einen der wunderschönen Natur, zum anderen Masons kreativem Umgang mit der Slackline geschuldet sind.

Der Monteur der Slacklines Andy Lewis sieht eine einfache, aber nachvollziehbare Intention hinter diesem Projekt: „Es geht schlicht und einfach um das einfache Slacklining-Leben. Darum ist das Video so cool – es passiert außerhalb einer Wettbewerbsumgebung. Das Ganze fällt auch mehr unter die Kunstsparte, indem es vor allem auch darum ging, die Tricks, die er machte, für die Kamera gut in Szene zu setzen, um dem Publikum möglichst viele atemberaubende Momente zu bieten. Ich glaube, dass das wunderbar gelungen ist.

Red Bull Slackladder Project with Slackliner Alex Mason
Kein schlechtes Setting für ein Slackline-Projekt © Andy Mann/Red Bull Content Pool

Denn wenn du das Material siehst, dann wirst du regelrecht hineingesaugt in den hawaiianischen Dschungel und kannst ihn mit allen Sinnen erleben.“

Der 19-jährige Mason erklärt uns, wie er es schaffte, den Dschungel zu bändigen. Er erzählt uns über seinen Traum, über die Angst davor, zu fallen und darüber, welche Rolle Feuerameisen bei dem Ganzen gespielt haben – ganz unverfälscht, in seinen eigenen Worten.

Der Traum

„Red Bull und ich besprachen dieses Projekt vor eineinhalb Jahren während eines Athletentreffens. Wir legten eine kleine Brainstorming-Session ein, um coole Ideen zu finden. Danach suchten wir uns den richtigen Ort und die richtigen Leute für die Umsetzung. Alles zusammen mündete dann in diese Slackladder, die den Wasserfall rauf führte.“

Wie zum Teufel haben die das gemacht? In diesem Behind-the-Scenes-Video findest du es heraus:

Raus aus der gewohnten Umgebung

„Normalerweise trainiere ich in einer Trainingshalle oder im Park gemeinsam mit Freunden – dort gibt es keinen Wind, kein wildes Leben, kein laufendes Wasser unter dir, keine Felsen. Hier in Hawaii war das natürlich ganz anders.“

„Ich war definitiv etwas außerhalb meines Elements. Ich bin das nicht gewohnt, im Dschungel die Slackline 4,6 Meter über einen Wasserfall zu spannen. Ein bisschen Respekt hatte ich schon davor, da raufzugehen, vor allem, weil viele der Lines das Potential hatten, mir mein Happy End zu nehmen. Ich hatte mental schon ein bisschen zu kämpfen.“

Über Andy Lewis

„Andy Lewis ist so etwas wie der Pate dieses Sports. Er bringt extrem viel Wissen mit, was die Montage der Lines betrifft. Er war sozusagen das Rückgrat dieses Projekts. Er sorgte auch für die Sicherheit – er war da, um mich aufzufangen, falls ich Mist bauen sollte. Auch, wenn er als ‚Sketchy Andy‘ bekannt ist, dank ihm konnte kaum etwas schief gehen.“

Über den Wahnsinn im Dschungel Hawaiis

„Eines der schlimmsten Dinge an dem Ganzen waren überraschenderweise die wahnsinnig vielen Feuerameisen. Die hawaiianischen Feuerameisen sind extrem klein, fast unmöglich zu sehen und so gut wie überall. Du kletterst einen Baum rauf, um eine Line zu spannen oder auf die Line selbst, um einen Trick hinzulegen, und schon spürst du, wie dich etwas beißt.“

„Das ist verdammt schmerzhaft und du musst dich ständig kratzen. Dieser permanente Schmerz macht dich dann irgendwann auch ein bisschen wahnsinnig. An einem Punkt zog sich Andy komplett nackt aus, bedeckte sich mit Schlamm und lief laut schreiend in den Wald hinein.“

Über das Fallen

„Eigentlich bin ich gar nicht so oft runtergefallen – das war auch gar nicht möglich. Das wäre ziemlich schmerzhaft gewesen und ich steh nicht so auf Schmerz. Ich bin einfach bei dem geblieben, was ich kann. Ich habe mich rein auf mich selbst konzentriert und gar nicht an einen Sturz gedacht. Der beste Schutz gegen das Fallen ist, einfach nicht zu fallen.“

Red Bull Slackladder Project with Slackliner Alex Mason
Mason genießt die Natur © Brian Bielmann/Red Bull Content Pool

Der Kampf mit dem eigenen Kopf

„Da ist es wichtig, einfach immer bei den Basics zu bleiben. Ich wusste, dass ich es schaffen kann und ich hab mir das selbst oft genug erzählt. Nachdem wir alle im Dschungel versammelt waren, gab es kein ‚Nein‘ mehr. Ich bin ganz sicher nicht der Typ, der einem supercoolen Projekt den Rücken kehrt.“

„Natürlich steckt aber extrem viel harte Arbeit dahinter und auch der logistische Aufwand war riesig. Ich persönlich hatte aber die gesamte Zeit viel Spaß dabei. Schwierig wird es für mich immer, wenn es sich so anfühlt wie einfache Arbeit – langweilig, monoton, strapazierend. Natürlich war das Slacklining selbst schwierig und anstrengend, aber wir hatten einfach eine großartige Crew. Jeder hatte viel Spaß dabei – immerhin waren wir in Hawaii.“

Über die Gefahren

„Als wir uns die Location zum ersten Mal ansahen, war es nicht ganz klar, ob alles so funktionieren würde, wie wir das wollten. Ich zögerte ein bisschen. Immerhin ist es um einiges schwieriger, wenn die Lines komplett durchnässt sind. Sie sind rutschig und dadurch wird das Ganze fast unmöglich. Dein Schwerpunkt ist ein völlig anderer“

„Es war auch ziemlich matschig, weil es geregnet hatte. Dadurch gab es auch Schwierigkeiten bei der Platzierung der Kameras. Aber wir haben alles hingekriegt. Ich wollte alles innerhalb meiner Möglichkeiten dafür tun, egal, was passiert.“

Red Bull Slackladder Project with Slackliner Alex Mason
Es gab unzählige Herausforderungen zu meistern © Andy Mann/Red Bull Content Pool

Das Leben mit der Furcht

„Auf den Felsen war ziemlich viel glitschiges Zeug, das Wasser unter mir war vor allem seicht und die Halterungen mancher Lines haben auch nicht immer ganz stabil ausgesehen. Ich habe mir schon Sorgen gemacht, dass ich 4,5 Meter direkt auf einen Felsen fallen und mir das Genick brechen würde. Du hast ja meistens, wenn es von der Slackline runter geht, nahezu keine Kontrolle. Es ist also nie schlecht, wenn man die Line über Gras und nicht über kantige Felsen spannt.“

„Immer wenn ich auf der Line war, war ich in meiner eigenen Welt – ich war fokussiert. Du weißt, dass du es schaffen kannst und dann machst du es einfach. Und ich habe es einfach gemacht.“

Über das Klettern auf Slacklines

„Es ist ziemlich cool, die Lines rauf zu klettern und ein Ziel dabei zu haben. Das ist im Slacklining-Sport nicht unbedingt die Norm. Es gestaltete sich aber etwas schwierig, herauszufinden, wie ich am besten von der einen auf die nächste Line komme. Das war eine der vielen Herausforderungen, aber ich muss schon sagen, wir haben einige ziemlich kreative Transfers eingebaut. Da waren Tricks dabei, die richtig Spaß machten – zwar nichts, was die Tricklining- bzw. Slacklining-Welt verändern wird, aber die Lines, auf denen sie gemacht wurden, waren technisch gesehen echt schwierig.“

Wie man neue Standards setzt

„Ich will einfach nur größere Tricks und coole Projekte wie dieses hier machen. Bis jetzt war meine Karriere eine wilde, aber großartige Achterbahnfahrt. Ich möchte einfach weiterhin das machen, was ich momentan mache und versuchen, genau das bis zum letztmöglichen zu pushen.“

read more about
Zur nächsten Story