Verhalten bei Gewitter in den Bergen: 5 Tipps

Solltest du in den Bergen von einem Unwetter überrascht werden, musst du folgende Dinge beachten.
Sicherheit geht immer vor! © Sylvain Clapot/www.figedansletemps.com
Von Thomas Wernhart

Die richtige Tourenplanung ist essentiell für die Sicherheit in den Bergen und den Wetterbericht eingehend zu studieren gehört vor jedem Ausflug dazu. Manchmal kann das Wetter im Gebirge aber trotzdem unberechenbar sein und plötzlich umschlagen, dann sollte man jedoch gewappnet sein und ein paar Dinge beachten, die lebensrettend sein können.

1. Information ist alles!

Wie schon einleitend gesagt, ist es extrem wichtig, sich vor jeder Hike-, Kletter-, Camping- oder Radtour ein Bild der aktuellen lokalen Wetterprognosen zu machen und diese richtig einzuschätzen. Die Meldungen der Meteorologen gehen täglich raus und man sollte immer auf die letzte Meldung zurück greifen, die klassischen 7- bis 14-Tage-Vorhersagen sind extrem ungenau und für die Planung nicht geeignet. Wenn die Bedingungen nichts gutes verheißen, solltest du im Zweifelsfall der Sicherheit den Vortritt lassen und gegebenenfalls dein geplantes Abenteuer verschieben. Auf der Homepage der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, kurz ZAMG, findet man verlässliche Infos, aber auch der Alpenverein, die Naturfreunde oder Bergfex bieten gute Wettervorhersagen an.

Hier kann es unangenehm werden. © Red Bull Content Pool

2. Plane Eventualitäten ein

Ist das Wetter nicht ganz perfekt oder besteht gar die Möglichkeit auf Unwetter, solltest du die Tour so planen, dass du im Notfall Möglichkeiten hast, Unterschlupf zu finden. Die Alpen bieten eine Menge Hütten und Unterkünfte, die man im Fall der Fälle ansteuern kann. Karten der Gebiete, die man schon vorher gut studiert hat, und ein Kompass gehören immer ins Gepäck, damit man die Orientierung nicht verliert. Sich „Notquartiere“ an der Route zu markieren macht Sinn, sich auf das Smartphone in der Tasche zu verlassen nicht.

Gute Planung ist alles! © Kelvin Trautman / Red Bull Content Pool

3. Behalte die Wolken im Auge

Die Wolken sind Vorbote schwerer Gewitter und Wetteränderungen. Wer oft in den Bergen unterwegs ist weiß, dass stark quellende, sich rasch aufbauende Quellwolken nichts gutes verheißen. Akute Unwettergefahr besteht, wenn sich diese Wolkentürme beginnen dunkelblau bis grau zu verfärben – dann heißt es so schnell wie möglich Unterschlupf zu finden. Grob unterscheidet man zwischen zwei Arten von Gewittern: Wärmegewitter und Frontgewitter. Wärmegewitter entstehen eher bei bei Schönwetter am Nachmittag und Abend und gehen so schnell wie sie gekommen ist. Im Wetterbericht ist dann oft von einer labilen Luftschichtung die Rede, dies gilt es bei der Planung zu beachten. Die vorhin angesprochenen Wolkentürme sind das typische Vorzeichen für Wärmegewitter und wenn man Pech hat, kann ein solches Gewitter sehr heftig und im schlechtesten Fall auch mit starkem Regen und Hagel ausfallen. Zwar bleibt in der Regel genügend Zeit um sich um ein sicheres Plätzchen zu kümmern, zu unterschätzen ist eine solche Wetterlage aber auf keinen Fall.

Frontgewitter sind etwas gefährlicher, weil der Durchzug der Kaltfront einen Wettersturz mit sich bringt. Frontgewitter sind vom Wolkenbild her schwer erkennbar, was das vorangehende Studium der Wetterkarten noch wichtiger macht. Die Kaltfront lässt die Temperatur sehr rasch und massiv fallen und es kommt nicht selten vor, dass es im Hochgebirge dann auch im Hochsommer schneit – die Gefahr der Unterkühlung kommt dabei dazu. Außerdem bewegen sich diese Gewitter recht schnell und bringen erhebliche Sturm- und Steinschlaggefahr mit sich. Daher solltest du bei dieser Wetterlage nur kurze Wanderungen, die jederzeit abgebrochen werden können, unternehmen.

Auch im Meer kann es schnell gehen! © Carlo Borlenghi

4. Gewitter! Wie verhalte ich mich bei Blitzschlag?

Wenn du von einem Gewitter überrascht wirst, heißt es Ruhe und einen kühlen Kopf bewahren. Leicht gesagt, aber lebensnotwendig, denn schlägt ein Blitz direkt in den Körper, durchfahren dich mehr als 100.000 Volt. Exponierte und weit herausragende Punkte sind am stärksten gefährdet, aber auch wasserführenden Bereiche, Moorflächen, Seilbahnstützen und Steige mit Stahlseilsicherung sind für einen Blitzeinschlag prädestiniert. Spürst du ein Kribbeln auf der Kopfhaut, Sträuben sich deine Haare oder nimmst du ein bläuliches Leuchten (Elmsfeuer) an besonders hervorragenden Metallgegenständen wie Gipfelkreuzen wahr, dann besteht höchste Gefahr.

Was kannst du tun?

Vermeide exponierte Stellen wie Gipfel, Grate, ausgesetzte Flächen und vor allem Stahlseilsicherungen. Auch alleinstehende Bäume erhöhen die Einschlagsgefahr, der alte Spruch „die Buchen, soll man suchen“ ist nicht gültig und gefährlich. Hast du einen geeigneten Platz gefunden, nimm eine hockende, zusammengekauerte Haltung mit beiden Füßen nebeneinander (als Schutz vor sogenannten Schrittströmen) ein und bewege dich so wenig wie möglich. Isolierende Unterlagen wie Rucksack, Rettungsdecken, Isomatte oder Kletterseil verringern die Gefahr ebenfalls - so kannst du abwarten, bis das Wetter vorübergezogen ist.

Unwetter in den Alpen. © Tobias Van Der Elst

5. Klettersteige, Metallgegenstände usw. - weitere wertvolle Tipps!

Als Faustregel gilt: sieht man Blitze am Horizont, hört aber keinen Donner, so ist das Gewitter noch mindestens 18 Kilometer entfernt. Auf dieser Strecke wird der Schall nämlich geschluckt, trotzdem darf man sich nicht in absoluter Sicherheit wägen,. Gewitter können sich sehr schnell bewegen und Blitze können auch in bis zu fünf Kilometer Entfernung vom eigentlichen Gewitter einschlagen. Zählen hilft, wenn man die Entfernung grob berechnen möchte. Liegen zwischen Blitz und Donner weniger als dreißig Sekunden, wird es gefährlich. Unter drei Sekunden ist jederzeit mit einem Einschlag in der Nähe zu rechnen. Weiters solltest du absturzgefährdetes Gelände und Geländeformen, die Sturzbäche oder Muren hervorrufen könnten, meiden.

Die Situation am Klettersteig ist besonders prekär. Das Drahtseil wirkt wie ein riesiger Blitzableiter, wenn man also die Möglichkeit hat, vom Seil wegzukommen, sollte man das tun. Metallene Ausrüstungsgegenstände wie Pickel, Stockspitzen oder das Mountainbikes ziehen Blitze zwar nicht an, leiten aber hervorragend. Diese musst du entfernen und am besten in einigen Metern Abstand von dir deponieren. Auch von der Verwendung deines Handys solltest du Abstand nehmen, verstaue es lieber in der Mitte des Rucksacks.

Mehr Spaß bei Schönwetter. © Martin Lugger
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