Kopflos? Der Freeclimb in der Headless Children

Kilian Fischhuber hat sich als zweiter Mensch der Geschichte der 250-Meter-Route gestellt.
Von Dominique Granger / Astrid Heinz

Die Route „Headless Children“ im Rätikon (Gebirgsgruppe in den Ostalpen, im Grenzgebiet von Österreich, Liechtenstein und der Schweiz; Anm.) führt durch den steilsten und spektakulärsten Teil der Schijenfluh. Die Kalkformationen und Felsfarben erinnern an ein modernes Kunstwerk und obwohl die 250 Meter lange Route in einem der beliebtesten Klettergebiete überhaupt liegt, verirrt sich keiner in die „Headless Children“.

Außer dem österreichischen Freeclimber Kilian Fischhuber. Er ist der zweite Mensch in der Geschichte, der die „Headless Children“ – die übrigens nach dem Album der Metalband W.A.S.P. benannt ist, bezwungen hat.

„Ein Freund hat mir Fotos gezeigt und ich wollte sofort alles darüber wissen. Zu diesem Zeitpunkt hab ich jedoch noch nicht daran gedacht, es zu versuchen. Das ist erst ein paar Tage später gekommen“, erzählt Kilian.

Dieser Fels schaut aus wie ein Gemälde und du fühlst dich, als würdest du in einem Gemälde klettern.

Kilian Fischhuber
Mutter Natur kreiert die schönsten Bilder © Johannes Mair/ASP/Red Bull Content Pool

Von der Naturschönheit dieser Route darf man sich jedoch nicht täuschen lassen, denn der Weg durch den Felsen ist technisch höchst anspruchsvoll. „In der siebenten Pitch muss man ein überhängendes Dach bewältigen. Wenn man da drüber ist, muss man mit einem Bein wieder hochkommen, ohne richtigen Griff für die Hände. Das ist eine der Schlüsselstellen.“

Alleine an dieser Stelle hat Kilian eine ganze Stunde verbracht. Im Video siehst du genau, wie viel Kraft es ihn gekostet hat, über dieses Dach zu klettern und wie er versucht, ohne richtigen Griff für die Hände die Balance zu halten.

Der Route mit dem Schwierigkeitsgrad 8b (X, UIAA) hat Kilian zwei volle Tage gewidmet – ohne dabei einmal ins Seil zu fallen. Am ersten Tag machte er sich mit allem vertraut, analysierte alles und suchte den besten Weg durch die Wand, ohne frei zu klettern. Zwei Wochen später kam Kilian dann wieder zurück, um den Felsen zu bezwingen.

Auch wenn der Österreicher seit 2014 in Wettkampf-Pension ist, ist seine Karriere noch lange nicht zu Ende. Als Lehrer findet er genug Zeit, um die Welt auf der Suche nach Abenteuern weiterhin zu bereisen.

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