Wien: Urban Bouldering in der Hauptstadt

Es müssen nicht immer die Berge sein und auch keine Kletterhalle – in Wien klettert man in der Stadt
Der Spannungsbogen stimmt. © Sebastian Wahlhütter/Red Bull Illume
Von Philipp Stromer/Thomas Wernhart

Berufstätige KlettererInnen kennen das: zwischen sechs und acht Uhr abends sind die muffigen Kletterhallen überfüllt. Ein Trip zu Naturkletterspots in der Nähe von Wien zahlt sich für zwei Stunden auch nicht aus. Wozu auch? Die Stadt selbst bietet genug Klettermöglichkeiten, und das gratis. Ein kurzer Ausflug zur Flexwand oder zu einem der anderen Wiener Kletterspots ist immer drin. An der frischen Luft wird man dann auch noch kreativ gefordert, weil man sich die Routen mit den gleichgesinnten Kollegen selbst suchen muss. Statt einfarbiger Plastikgriffe gibt es scharfe Granit-Leisten, gemeine Aufleger, weite Stahlträger und verführerische Risse, die das KlettererInnenherz höher schlagen lassen. Und bei einem sind sich die Urban-Boulderer einig: die Stadt gehört allen, und jeder neu gescoutete Boulderspot wird mit den Anderen geteilt. Das verbindet und bringt eine Menge Spaß beim Suchen und Beklettern der unzähligen Boulderspots in Wien. Wie stellen dir die vier besten Urban-Boulder Spots Wiens vor – im Buch „Vienna Walls - The Urban Boulder Book“ gibt es alle Infos und wenn du dich ein bisschen umsiehst, gibt es das Draußen noch viel mehr zu entdecken!

Flexwand – Der Klassiker

DieFlexwand ist Wiens Urban-Boulder Klassiker schlechthin. Sie liegt direkt gegenüber von ihrem Namensgeber am Donaukanal und ist zwischen drei und acht Meter hoch. Für jeden Geschmack bietet sie den nötigen Kick. Hier haben sich schon etliche Klettergenerationen an den fingerbrechenden Griffen und den technischen Routen erfreut. Angeblich gab es schon in den 70er Jahren eine mit roten Punkten markierte Route namens „The Knife“. Die Routen-Markierungen mussten über die Jahre den Werken von Graffiti-Künstlern weichen. Da es schon unzählige, mündlich überlieferte Routen an der Flexwand gab, war es höchste Zeit dieses Kulturerbe niederzuschreiben. Das war die Geburtsstunde des „Flexwand-Quartetts“, einer Kletter-Topo in Spielkartenform mit 32 knackigen Boulder-Routen an der Flexwand. Es ist über www.vienna-walls.at und in einigen Klettershops in Wien erhältlich.

Handelskai – Der Highboulder

Unterder Brücke, die bei der U6-Station Handelskai über die Donau führt, gibt es einen weiteren Urban-Boulder Hotspot Wiens mit sehr variantenreichen Routen. Die mit Naturstein verkleideten Fahrradrampen der Brücke bieten technisch knifflige Boulder-Routen und für den Kopf herausfordernde Tops in bis zu acht Metern Höhe. Dabei aber nicht das Crashpad vergessen. Neben den Steinwänden gibt es auch sehr feine „Stahl-Lines“, an denen man sich entlanghangeln, hochziehen und am Ende aussteigen kann. An vielen Stellen kann man die Brücke auf alternativen Wegen erklettern, was den Asphalt schont und die Muskeln stärkt.

An der Seitleiste beißen sich viele die Zähne aus. © Sebastian Wahlhütter

Ottakring – Das Ausdauerwandl

Die Granitwand entlang der U3-Linie kurz vor der Station Ottakring eignet sich wegen ihrer Länge hervorragend für ein zünftiges Ausdauertraining. Man kann traversieren bis die Unterarme brennen, oder man unternimmt kleine Ausflüge in luftige Höhen. Für die scharfen Steine ist eine dicke Fingerhaut von Vorteil. Wenn man die noch nicht hat, bekommt man sie beim Ottakringer-Wandl bald. Alles in allem eine gute Kletterwand sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene.

Ausdauertraining gefällig? © Paul Zeiner

Reichsbrückenpfeiler – DWS in der Großstadt

AmReichsbrückenpfeiler fand im Sommer 2016 zum dritten Mal der Urban Boulder Cup, aich bekannt als Urban Waters Cup, statt. Bei tollem Wetter und gemütlicher Stimmung haben sich die Kletterer und Kletterinnen abwechselnd mit dem Tretboot zu den Routen an der Wand des Pfeilers bringen lassen. Zurück wurde geschwommen.
Natürlich kann man am Pfeiler auch klettern, wenn man gerade kein Boot hat oder mieten möchte. Im Sommer trocknen die Schuhe recht schnell in der Sonne und man kann herrlich über dem Wasser traversieren oder ein paar härtere Züge ausprobieren, bis man wieder im kühlen Nass landet.
Achtung! Es gibt zwei Reichsbrückenpfeiler in der Neuen Donau (keine Strömung), aber auch einen Pfeiler in der fließenden Donau. Hier auf keinen Fall bouldern! Neben der Strömung gibt es regen Schiffsverkehr! Bei der Neuen Donau neben der Sunken City ist es sowieso viel gemütlicher.

Lust bekommen? Wo man das Buch „Vienna Walls – The Urban Boulder Book“ und Infos aus der Szene bekommt? Genau hier unter www.vienna-walls.at und unter www.facebook.com/urbanbouldering. Auch Bergwelten hat dazu die ein oder andere Info, einfach HIER klicken.

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