Die Frau, die alle 196 Länder der Welt bereist

Cassie De Pecol steht kurz davor, in Rekordzeit einen Fuß auf jedes Land der Erde gesetzt zu haben.
Cassie de Pecol posing for a portrait during her trip to visit all the countries in the world
Cassie De Pecol besucht jedes Land der Erde © Cassie De Pecol
Von Ellie Ross

Cassie De Pecol ist 27 Jahre alt und steht kurz vor ihrem großen Ziel: Sie will die werden, die allen 196 Ländern der Welt innerhalb des kürzesten Zeitfensters einen Besuch abgestattet hat. Der Juli 2015 markiert den Anfang ihres Mammut-Projekts. Bis jetzt hat sie 181 Länder hinter sich gebracht.

Cassie ist aus Connecticut und reist nicht nur zu ihrer Unterhaltung durch die ganze Welt. Sie ist Botschafterin des „International Institute of Peace Through Tourism“ und sammelt für die Organisation „Adventurers and Scientists for Conservation“ Wasserproben aus allen Ländern. Im Schnitt hält sie sich zwei bis fünf Tage in jedem Land auf, bevor die Reise weitergeht. Vier Reispässe schaffte sie mit diesem Rhythmus bereits zu füllen.

Mittlerweile plant sie ihre Reise in die letzten paar Länder, die noch übrig sind – darunter Turkmenistan und Syrien. Bis Weihnachten soll das geschafft sein.

Sollte sie erfolgreich sein, dann holt sie sich den Rekord für die Person, die innerhalb der kürzesten Zeit in jedes Land der Erde einen Fuß gesetzt hat und tritt damit in die Fußstapfen von Yili Liu, die im Jahr 2010 alle souveränen Staaten innerhalb von drei Jahren, drei Monaten und sechs Tagen bereist hatte.

Wir haben uns mit Cassie getroffen, als sie gerade Vorbereitung für ihre Reise nach Afrika traf.

World traveler Cassie De Pecol in New Zealand during her attempt to visit all 196 countries on Earth in the fastest ever time
Cassie genießt die neuseeländische Landschaft © Cassie De Pecol

Warum hast du dich dafür entschieden, jedes Land der Welt zu bereisen?

Ich wollte immer etwas erreichen, das größer ist, als ich selbst und damit die Welt positiv beeinflussen. Als ich 25 war, hat mich die Realität dann eingeholt. Ich hatte die Befürchtung, dass meine Vision niemals Früchte tragen wird, wenn ich nicht so bald wie möglich die ersten Schritte setze.

Ich war nicht glücklich damit, welchen Weg mein Leben einschlug. Die Jobs, die ich machte, stellten mich nicht wirklich zufrieden und ich verlor meine Leidenschaft aus den Augen. Und das, zusammen mit der Angst, nicht zu wissen, wie viel Zeit mir noch übrigbleibt, hat mich motiviert, den Absprung ins Ungewisse zu wagen.

190.000 € kostet das Abenteuer © Cassie De Pecol

Was war die Inspiration für deine Idee?

Als ich noch klein war, träumte ich davon, jedes Land auf diesem Planeten zu sehen. Die Idee für den Rekordversuch hatte ich aber, als ich sah, wie [der amerikanischen Reality TV-Star] Eric Hill ebenfalls versuchte, den Rekord zu brechen. Leider starb er bei einem Paragliding-Unfall, bevor er seinen Trip zu Ende bringen konnte. Das hat mir gezeigt, dass wir nie wissen können, wann unsere Zeit hier zu Ende geht und das brachte mich dazu, einfach loszulegen.

Wie groß ist der finanzielle Aufwand und wie stemmst du ihn?

Mein Budget beläuft sich auf 190.000 € und wird von Sponsoren und Investoren übernommen.

In wie vielen Flugzeugen bist du bisher gesessen und wie viele Länder hast du bis jetzt hinter dich gebracht?

Ich habe jetzt insgesamt 250 Flüge hinter mir, also wird mein Lebensprojekt nach diesem hier darin bestehen, meinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Bis jetzt war ich in 181 Ländern, aber es geht ja noch weiter.

Cassie de Pecol posing for a portrait in a desert during her trip to visit every country on earth in the fastest ever time
Neue Erfahrungen stehen auf der Tagesordnung © Cassie De Pecol

Welche Länder sind bis jetzt deine drei Favoriten und warum sind sie es?

Bhutan wegen dem Frieden, der dort herrscht, die Schweiz wegen der wunderbaren Berglandschaften und die Vereinigten Arabischen Emirate, weil sie ganz einfach als Knotenpunkt des mittleren Ostens fungieren – diese Region hat mir bis jetzt am besten gefallen.

Hast bis jetzt irgendwelche Reistipps gesammelt?

Vertraue auf TripAdvisor, sieh zu, dass du beim Boarding die letzte Person bist, die das Flugzeug betritt, denn dann kannst du dir einen der übrigen Plätze aussuchen, und achte darauf, dass du nur leichtes Gepäck mit dir trägst – letzteres ist besonders zu empfehlen.

Was war die seltsamste Situation, in der du dich wiedergefunden hast?

Einmal war ich mit drei Männern in einem bewaffneten Fahrzeug unterwegs, während wir einem Pick-Up-Truck mit Männern mit Maschinengewehren folgten – und das nur, weil ich in Somalia irgendwie vom Flughafen ins Hotel kommen musste. Das gehört dort aber einfach dazu, mir wurde also keine Sonderbehandlung zuteil. Das war eine der seltsamsten, aber gleichzeitig spannendsten Erfahrungen bisher.

Und das größte Abenteuer?

Das war, als ich in einem Cessna-Flugzeug über die Felsinseln von Palau [einem Inselstaat im Pazifischen Ozean] fliegen durfte. Im Flugzeug waren nur ich und der deutsche Pilot. Ich habe sogar die Tür geöffnet und mich halb hinausgelehnt, um das Ganze richtig genießen zu können – angeschnallt natürlich!

A photo of Palau shot by world traveller Cassie De Pecol from a plane during her attempt to visit all 196 countries in the fastest ever time
Die Felsinseln in Palau © Cassie De Pecol

Welchen Ratschlag würdest du jemanden geben, der die Welt bereisen möchte?

Buche einfach ein One-Way-Ticket und blicke nicht zurück. Vertraue dem Ungewissen und genieß die Freiheit, alleine reisen zu dürfen. Das gibt dir so viel mehr Möglichkeiten, um neue Leute zu treffen und das zu sehen, was du auch sehen willst.

Sollten wir noch irgendetwas wissen?

Glaubt nicht an all die negativen Dinge, die ihr vom mittleren Osten zu hören bekommt – dort leben die nettesten Menschen und er gehört zu den besten Regionen der Welt.

Was hast du geplant, sobald du wieder Zuhause bist?

Ich werde zurück nach LA gehen, werde mich dort aber nicht auf die faule Haut legen – das ist nicht mein Stil. Ich werde weiter an der Dokumentation arbeiten und einige Motivationsvorträge halten. Außerdem möchte ich das erste Mal an einem Ironman teilnehmen.

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