Biwak: 5 Tipps & Tricks für eine Nacht im Freien

Egal ob notgedrungen oder geplant: eine Nacht in der Wildnis und was ihr dabei beachten solltet!
Sieht doch gemütlich aus!
Sieht doch gemütlich aus! © Simon Van Hal
Von Robert Maruna

Ein Biwak erfüllt genau eine Funktion: es bietet dir Schutz! Mehr Komfort darf man sich hier im Ernstfall nicht erwarten. Natürlich gibt es romantische Biwakspots mit freiem Blick auf den Sonnenuntergang oder sogenannte Biwakschachteln, im Ernstfall geht es aber nur ums Überleben und wir geben euch ein paar hilfreiche Tipps, wie ihr einer brenzligen Situation in den Bergen entkommen könnt. Außerdem haben wir auch ein paar Ratschläge, die ihr befolgen solltet, wenn ihr eine Nacht im Freien planen wollt.


1. Entscheidung

Sofern ihr nicht aus freien Stücken vorhabt am Berg oder in der Wildnis zu übernachten, sondern in eine Notsituation geratet, sollte die Entscheidung zu biwakieren bewusst und frühzeitig getroffen werden. Argumenten wie, „ich muss morgen Früh unbedingt im Büro sein“ oder „meine Freundin und ich sind heute Abend noch verabredet“, solltet ihr in solch einer Notsituation keinen Raum schenken und eure Überlebenschancen im Falle eines weiteren Abstiegs klar kalkulieren. Je früher ihr euch mit der Situation zu biwakieren anfreundet, desto mehr Zeit habt ihr für den Bau eurer Notunterkunft. In diesem Moment heisst es Ruhe bewahren und zu allererst einen geeigneten Standort für euer Notbiwak zu finden.


2. Standortwahl
Eure Standortwahl sollte den allgemeinen Anforderungen an einen Biwakplatz entsprechen, auch wenn sich nicht immer alle Kriterien gleichzeitig verwirklichen lassen:

  • Schutz vor Stein-, Eisschlag und Lawinen
  • Schutz vor Niederschlag (durch natürliches oder gebautes Dach)
  • Schutz vor Wind (Leelage – Windschatten, Höhle, Windkolk, Zelt, Biwacksack)
  • Absturzgefahr beachten
  • Ausreichend Platz und Bequemlichkeit sofern möglich
  • Wasser oder Schneevorrat verfügbar

Die Reihenfolge der obigen Auflistung entspricht in etwa der Wichtigkeit der Anforderungen, wobei das Ausmaß der Gefahr sowie die Verfügbarkeit an eurer Ausrüstung über die beste Lösung entscheiden.


Praxistipp: Der richtige Platz ist entscheidend für die Qualität eures Biwaks! Habt ihr einen geeigneten Platz gefunden solltet ihr diesen nutzen, anstatt noch eine weitere Stunde abzusteigen und dann vielleicht vergebens zu suchen.

3. Ausrüstung
Das Thema Ausrüstung ist eine sehr beliebtes unter Alpinisten, Bergsteigern, Wanderern und allen anderen „Outdoorlovern“. Jeder Abenteurer hat seinen eigenen Zugang und Meinung darüber, wie viel Material wirklich essentiell ist und du immer bei dir führen solltest. Im Falle einer Nacht unter freiem Himmel spielt eure Ausrüstung allerdings eine (lebens)entscheidende Rolle und wirkt auf den Faktor Komfort gleichsam prägend. Eure allgemeine Notfallausrüstung sollte auf jeden Fall folgende Dinge beinhalten:

  • Rucksack
  • Trinkflasche
  • Nahrung
  • Erste-Hilfe-Set
  • Biwacksack
  • Stirnlampe
  • Kerze plus Feuerzeug oder Streichhölzer (Eine Kerze kann in einer Notsituation drei wesentliche Funktionen übernehmen: Wärmeproduktion, Licht und Wasseraufbereitung)
  • Adäquate Kleidung (Thermounterwäsche, Fleecejacke, Outershell, Mütze, Handschuhe, etc.)

Je nachdem ob euer Biwak nun geplant oder ungeplant ist könnt ihr weitere Ausrüstungsgegenstände auf eurer persönlichen Biwak-Packliste ergänzen:

  • Isomatte
  • Schlafsack
  • Zelt
  • Alpine Sicherungsausrüstung (Klettergurt, Karabiner, Repschnüre, Seil, etc.)
  • Outdoorkocher und Kochtopf
  • Schaufel für Winterbiwak
  • Taschenmesser
  • Tape
  • Kompass, GPS

4. Verhalten im Biwak
Prinzipiell gilt es wie in jeder Notsituation vorerst Ruhe und einen klaren Kopf zu bewahren. Wenn ihr euren Biwakplatz ausgewählt hat könnt ihr diesen so bequem und geschützt wie möglich einrichten. Befindet sich euer Biwak in einer ungünstigen Lage oder sogar im Absturzgelände solltet ihr möglichst jederzeit gesichert agieren (auch Ausrüstungsgegenstände nicht ungesichert herumliegen lassen). Trockene und warme Kleidung anlegen – Stichwort: Zwiebeltechnik! Trockene Kleidung immer an der Haut tragen, während feuchte oder durchnässte Kleidung als obere Schicht angezogen werden kann. Im Falle eines geplanten Biwaks ist es von Vorteil Ersatzkleidung, wie z.B. ein zweites Paar Socken und Unterwäsche mitzubringen. Versucht euch auszuruhen und euren Körper gleichzeitig warm zu halten, indem ihr eure Vorräte gezielt einsetzt und warme Flüssigkeit zu euch nehmt. Die Frage des Schlafens ist abhängig von der Außentemperatur und eurem Biwak selbst – besteht Erfrierungsgefahr ist Schlafen keine Option!


5. Allgemeine Taktik
Wie bereits erwähnt: wenn ihr euch in einer Notlage befindet und gezwungen seid zu biwakieren lautet das allgemein Credo Ruhe bewahren und keine Panik aufkommen zu lassen. Eine ungewollte Nacht im Freien am Berg ist nicht zwingend lebensbedrohlich. Ein geplantes Biwak, an einem geeigneten Platz mit der richtigen Ausrüstung und Vorbereitung kann zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Allerdings fallen Biwaks zumeist unter die Rubrik Notbehelf und sind dementsprechend eher unbequem, kalt und feucht. Daher ist eine vorausschauende Tourenplanung von essentieller Bedeutung: neben dem Festlegen von Check- und Umkehrpunkte - ein integraler Bestandteil jeder Tour – könnt ihr euch bereits vorab (anhand Karte und Tourenbeschreibung) mit potentiellen Plätzen für etwaige Notunterkünfte vertraut machen. Zusammengefasst empfiehlt es sich mindestens einmal pro Saison (Winter und Sommer) ein geplantes Biwak zu erstellen. Dabei habt ihr die Möglichkeit euch mit eurem Material und Mutter Natur bestmöglich vertraut zu machen, um für den Ernstfall optimal vorbereitet zu sein.


Viel Glück und Spaß beim Biwakieren!

read more about
Zur nächsten Story