Danis Blog: Überfahrt in eine fremde Welt

Die erste Etappe führte uns von Europa nach Afrika. Beeindruckende Bilder, sensationelles Essen.
Dani und Chris. Ein eingespieltes Team.
Dani und Chris. Ein eingespieltes Team. © Jürgen Skarwan
Von Daniela Bärnthaler

Daniela Bärnthaler ist die starke Frau an Christian Schiesters Seite, die mit ihm diese Abenteuerreise um die Welt in Angriff nimmt. 10 Jahre lang war die Steirerin als Redakteurin und Moderatorin bei einem steirischen Privat-TV Sender tätig und so haben die beiden sich auch kennen gelernt - die Liebe zum Segeln hat die beiden schließlich zusammen geführt. Nun geht es für das Abenteier- und Liebespaar um die Welt und Dani wird uns in ihrem Blog regelmäßig auf dem Laufenden halten und die Reise aus der Sicht einer Frau erzählen.

Wenn mich jemand gefragt hätte welcher Ort auf unserer ersten Etappe wohl der schönste sein würde, hätte ich sicher nicht mit Astypalea geantwortet. Doch die kleine griechische Insel hat es uns ganz besonders angetan. Im Oktober, weit nach der typischen Urlauberzeit, war die kleine schmetterlingsförmige Insel extrem verschlafen. So stellt man sich das typische Griechenland von früher vor. Enge, alte Gassen, Menschen, die vor ihren Häusern sitzen. Die Frauen mit Kopftuch, die Männer mit Pfeifen. Vor den Lokalen hängen frische Oktopusse und mittags fahren alle, sogar die über 70-Jährigen, mit ihren Mopeds nachhause. Natürlich ohne Helm und mit einer Katze oder einem Hund am Gepäckträger.

Ein bisschen Tourist, darf auch einmal sein.
Ein bisschen Tourist, darf auch einmal sein. © Jürgen Skarwan

Nach Astypalea ging es weiter nach Rhodos. Dort fühlt man sich sofort ins Mittelalter zurückversetzt. Hinter jeder Ecke könnte ein Ritter auf seinem Pferd warten. In den extrem engen Gassen haben wir uns nicht nur einmal verlaufen. Zwischen Rhodos und unserer nächsten Station lagen 400 Seemeilen, die erste große Überfahrt. Nur gut, dass der Wind günstig stand. Zwei Tage dauerte die Überfahrt übers lybische Meer. Nach ein, zwei tierischen Besuchen von Vögeln und Delphinen, waren wir da – das Tor zur neuen Welt. Port Said, unsere erste Station in Afrika.

In Port Said erlebten wir eine völlig neue Kultur. Nicht nur die großen Ölfrachter waren extrem eindrücklich. Hier hatte man das erste Mal das Gefühl Europa wirklich verlassen zu haben. Der Muezzin predigt, die Frauen sind stark verschleiert. Unser Tipp: Wer eine neue Kultur rasch kennenlernen will, sollte unbedingt die Küche probieren. Christian und ich suchen an fremden Orten immer abgelegene Restaurant voller Einheimischer und suchen die urtypische Küche. Das war schon ein lustiger Moment, als nach einem ausgiebigen Falafel-Dinner, die anderen Gäste und der Wirt mit uns ein Foto machen wollten. Wir müssen die ersten Touristen seit Ewigkeiten gewesen sein. Sie haben uns angesehen, als kämen wir vom Mars.

Kennenlernen geht durch den Magen.
Kennenlernen geht durch den Magen. © Jürgen Skarwan

Die anschließende Fahrt durch den Suez Kanal gehört zu den emotionalsten Passagen dieser Etappe. Zwei Tage dauert die Durchquerung, bei der man täglich 40 bis 50 Frachtern begegnet. Diese Giganten messen bis zu 300 Meter. Wenn man da mit seinem kleinen Segelboot vorbeischippert kann sich schon ein mulmiges Gefühl in der Magengrube ausbreiten. Wer den Kanal durchfahren will, bekommt einen Piloten mit an Bord. Als gläubiger Moslem hatte er selbstverständlich seinen Gebetsteppich dabei, den er mehrmals am Tag an Deck ausbreitete, um zu beten. Die Freiheit, die wir vorher auf dem offenen Meer verspürt hatten, war im Suez Kanal mit einem Mal verflogen. Überall Militär, ein dauerhaft kreisender Helikopter und der starke Gegenverkehr zeigten Wirkung.

Riesige Frachter im Suez Kanal. Ein mulmiges Gefühl.
Riesige Frachter im Suez Kanal. © Christian Schiester

Nachdem wir Suez erreicht und dort mehrere Nächte verbracht hatten, segelten wir nach Hurghada. Auf den gut 100 Seemeilen herrschte extremer Wind, zwischen 35 und 40 Knoten. Er war so stark, dass bei einem Ausweichmanöver das Segel riss. In der Nacht darauf riss dann auch noch eine wichtige Leine, mit der die Segelfläche veränderbar war. Der Supergau. Als wir endlich im Hafen von Hurghada einfahren konnten, kam erstmal das große Durchatmen. Die darauffolgenden Stationen, Port Ghalib und der Abstecher in die nordafrikanische Wüste waren jedoch mehr als genug Entschädigung für all die Strapazen.

Bei der zweiten großen Etappe werden wir erstmals mehrere Wochen auf offener See segeln. Wie man mit einer solchen Situation umgeht, welche Tricks man anwenden kann, um auf so engem Raum, für so lange Zeit miteinander auszukommen, verrate ich euch in meinem nächsten Blog. Bis dann!

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